Er lacht viel während des Gesprächs. Christian Klingen amüsiert sich vor allem über die Abgeordneten der anderen Parteien. Er spielt zwei Videos auf seinem Rechner vor. Sie zeigen den AfD-Abgeordneten aus Markt Einersheim bei seinen Reden im Landtag. Die Zwischenrufe und die Unmutsbekundungen der Abgeordneten von CSU, SPD und Grünen zaubern ihm auch Wochen später noch ein Lächeln ins Gesicht.

„Das ist echt lustig. Mit den ganzen Zwischenrufen von hinten.“
Christian Klingen über seine Rede im Landtag

Vor zweieinhalb Jahren ist die AfD zum ersten Mal in den bayerischen Landtag eingezogen. Christian Klingen war einer von 22 Abgeordneten, die ihre Arbeit in München aufnahmen. Was er seither erreicht hat? Klingen überreicht sechs Seiten mit Anträgen und Anfragen seiner Partei. Von „Bayerns Abschiebevorgänge dokumentieren“ über „Begrünung von Haltestellenhäuschen umsetzen“ bis „Sofortige Wiedereröffnung der Fitnessstudios“ reicht die Palette. Klingen ist Mitglied im Umweltausschuss. Den Tierschutz bezeichnet er als einen seiner Schwerpunkte. Dass auch die Zoos und Tierparks im Freistaat die Corona-Zeiten überstehen, sei für ihn eine Herzensangelegenheit. Das Dumme nur: Alle Anträge seiner Fraktion sind im Landtag bislang abgelehnt worden. Einmal war es richtig knapp, erinnert sich der 56-Jährige. Die Kosten für Windkraftanlagen sollten ermittelt werden. Laufzeit, Ab- und Rückbau – alle Komponenten sollten mit einfließen. Für Klingen sind diese Anlagen in Bayern nicht rentabel, im Gegensatz zu denen in den Küstenregionen an Ost- und Nordsee. Auch dieser Antrag ist abgelehnt worden. Klingen nimmt es sportlich. „Die Grünen haben auch nichts durchgebracht.“

Disput mit Gesundheitsminister

Am liebsten erinnert er sich an den Disput mit Gesundheitsminister Klaus Holetschek. Klingen hatte die Abgeordneten im Landtag zu Anfang der Impfkampagne aufgefordert, sich selbst pressewirksam impfen zu lassen. Als Vorbild für die Bevölkerung, sozusagen. Viele positive Rückmeldungen habe er auf Facebook erhalten, in München sei er an diesem Tag sogar auf offener Straße angesprochen worden. Als unanständig ist er damals vom Minister bezeichnet worden, sein Vorschlag sei eine Frechheit, er würde sich gemein mit den Verschwörungstheoretikern machen. „Ich spiele das noch mal ab“, meint Klingen und startet ein Youtube-Video. „Das ist echt lustig“, sagt er während des Ladevorgangs. „Mit den ganzen Zwischenrufen von hinten.“

Klingen reklamiert für sich, dass er seine Einlassungen ordentlich recherchiert. Er zitiert Ausschnitte aus Zeitungsartikeln oder Studien, um seine Aussagen zu belegen. „Ich bin nicht polemisch“, betont er, um im gleichen Atemzug zu erklären: „Wenn die anderen toben, dann weiß ich, dass meine Rede richtig war.“ Und wenn die Abgeordneten der CSU schreien, dann passt das allemal für ihn. Eine ehemalige Bild-Journalistin und ein Referent arbeiten für ihn in München. Sein Büro in Kitzingen liegt direkt am Marktplatz – und ist trotzdem unscheinbar. Einen Anschlag habe es gleich zu Beginn seiner Amtszeit gegeben, gibt Klingen als Erklärung an. Auf Nachfrage berichtet er, dass sein Briefkasten mit Sekundenkleber verklebt wurde.

Erfolge für den Landkreis? 

Was er denn seit 2018 explizit für den Landkreis Kitzingen erreicht hat, für den er in den Landtag eingezogen ist? Klingen muss ein wenig überlegen. Ein Bürger habe ihn gebeten, dass in Schulen während der Corona-Zeit Plexiglasscheiben aufgestellt werden. „Der Antrag ist auch wieder abgelehnt worden“, sagt er. Eine Anfrage an die Staatsregierung habe er außerdem gestellt wegen des Lärms auf dem Bleichwasen und am gegenüberliegenden Ufer in Kitzingen. An dem Thema will er dran bleiben, wenn es im Sommer zu neuen Beschwerden der Anlieger kommt.

Ein großes Anliegen für die nächsten zweieinhalb Jahre sei für ihn ein Naturparkzentrum auf dem Schwanberg. „Das würde uns touristisch enorm voranbringen“, ist er überzeugt. Und die Steigerwaldbahn hätte er auf keinen Fall entwidmet. Die Strecke könnte noch interessant werden, meint er. Nicht nur für touristische Zwecke, auch für den Transport von Gütern. Eventuell sei sogar ein Anschluss Richtung Iphofen möglich, an die Hauptverbindung zwischen Würzburg und Nürnberg. Mit einer möglichen Haltestelle am Schwanberg seien noch höhere Fahrgastzahlen zu erwarten.

"Bin kein Corona-Leugner"

Die Pandemie hat die letzten zwölf Monate in der Politik geprägt. Auch für Christian Klingen. Ein Corona-Leugner sei er keinesfalls, versichert der Markt Einersheimer. Manche Beschlüsse der Landesregierungen seien aber sinnfrei. Warum kleine Boutiquen geschlossen sind, während beispielsweise im Kaufland die Menschen in den Klamotten herumwühlen, sei ihm ebenso ein Rätsel wie die früher geltenden Ausgangsbeschränkungen bis 21 Uhr. Vom Besuch seiner Schwiegereltern in Hof sei er „wie verrückt“ nach Hause gefahren, um noch rechtzeitig in Markt Einersheim anzukommen. „Und ich war nicht der Einzige, der viel zu schnell unterwegs war.“

Ein kompletter Lockdown bringt seiner Meinung nach wenig, „weil sich die Leute eh nicht dran halten.“ Die Gastwirtschaften und die Fitnessstudio würde Christian Klingen unter Hygieneauflagen alle wieder öffnen lassen. „Die sind keine Infektionstreiber“, meint er. Woher die steigenden Inzidenzzahlen der letzten Wochen kommen? Für Christian Klingen klar: Überall dort, wo Menschen eng aufeinander arbeiten oder leben, sei eine Ansteckung schwer zu vermeiden. Als Beispiel nennt er Schlachtbetriebe, große Wohnanlagen oder Gemeinschaftsunterkünfte.

Bald im AfD-Vorstand?

Mit 22 Abgeordneten ist die AfD Anfang November 2018 in den Landtag eingezogen. Nach internen Querelen sind es nur noch 19. Dass die Fraktion in zwei Lager geteilt und heillos verstritten ist, bestreitet auch Klingen nicht. Er rechnet sich zum konservativen Lager und freut sich auf die internen Wahlen im September dieses Jahres. Dann werden die Karten neu gemischt, der Vorstand innerhalb der Fraktion neu bestimmt. Sechs Posten gibt es zu verteilen. Klingen rechnet sich durchaus Chancen aus. Elf Abgeordnete zählen zu „seinem Lager“, der rechte Flügel um die aktuelle Vorsitzende Katrin Ebner-Steiner ist nur noch zu acht. Gut möglich, dass Christian Klingen künftig noch mehr zu lachen hat im Bayerischen Landtag.