Klimaschutz und Energiewende sind große Worte. Sie umzusetzen ist und bleibt jedoch eine lokale Aufgabe. Letztlich sind es die Menschen vor Ort, die ihre Häuser sanieren, Strom sparen und Elektroautos kaufen sollen. Und es sind die lokalen Unternehmen, die ihre Maschinen erneuern und Energie effizienter einsetzen sollen.

Dabei hält sich die Begeisterung der Unternehmen in Grenzen, gerade im Raum Mainfranken. Laut dem Energiewendebarometer der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt (IHK) stehen die hiesigen Firmen der Energiewende eher skeptisch gegenüber. 21 Prozent fürchten negative Folgen für ihre Wettbewerbsfähigkeit, fünf Prozent sogar sehr negative. Nur 16 Prozent sehen die Entwicklung positiv, drei Prozent sehr positiv. Damit bewerten sie die Energiewende deutlicher schlechter, als die Unternehmen im bundesdeutschen Durchschnitt.

Was ist die Aufgabe?

Um 40 Prozent will die Bundesregierung den Treibhausgasausstoß bis zum Jahr 2020 senken – im Vergleich zum Jahr 1990. Das Vergleichsjahr ist insofern wichtig, als durch den Rückbau der Industrie in den neuen Bundesländern ab 1990 bereits nach fünf Jahren elf Prozent der Treibhausgase eingespart werden konnten. In diesem Zeitraum sank der CO?-Ausstoß in der ehemaligen DDR um 43 Prozent, in den alten Bundesländern blieb er nahezu unverändert.

Seit Mitte der 1990er tut sich Deutschland schwerer. Insbesondere in letzter Zeit: In den letzten fünf Jahren konnte die CO?-Emission nur einmal, nämlich im Jahr 2014, reduziert werden. Mittlerweile pendelt der Wert um eine Reduzierung von 27 Prozent im Vergleich zu 1990.

In den nächsten vier Jahren soll also etwas geschafft werden, das nicht einmal gelang, als die Industrie in einem Landesteil fast vollständig zusammenbrach. Die Treibhausgasemission soll um weitere 13 Prozent gesenkt werden. Eine Mammutaufgabe.

Niedrig hängende Früchte

„Low hanging fruits“ nennt Jaqueline Escher, Referentin für Umwelt und Energie bei der IHK, jene Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, die bereits in den vergangenen Jahren umgesetzt werden konnten. Vor Ort ist das schon in besonderem Maße geschehen: Während im bundesdeutschen Durchschnitt 60 Prozent der Unternehmen solche Maßnahmen umsetzen, sind es in unserer Region bereits 74 Prozent. Die effiziente Nutzung der Energie ist neben der Umstellung auf erneuerbare Energien das zentrale Mittel, um die Treibhausgasemission zu senken.

Hinter dem sperrigen Begriff „Energieeffizienzmaßnahmen“ stehen häufig recht einfache Dinge: Der bewusstere Umgang mit Energie – will zum Beispiel heißen, das Licht auszumachen, wenn man den Arbeitsplatz verlässt. Die Schulung von Mitarbeitern ist deshalb das beliebteste Instrument der mainfränkischen Unternehmen. „In vielen ansässigen Betrieben gibt es mittlerweile Menschen, die sich um Energiesparmaßnahmen kümmern“, sagt Escher.

Zu diesen gehören beispielsweise auch die „Energiescouts“ – junge Auszubildende, die in IHK-Schulungen für das Thema sensibilisiert wurden, Projekte entwickelt haben und ihre Erfahrungen dann in ihren Firmen weitergeben sollen. Im Landkreis Kitzingen beteiligten sich beispielsweise Frankenguss und Fehrer an dem Programm.

Investitionen in neue Geräte erfordern hingegen schon mehr Initiative – und vor allem Geld. „Unternehmen sind heute durchaus bereit, in die Energieeffizienz zu investieren“, erklärt Jaqueline Escher. „Allerdings müssen sich die Ausgaben in den nächsten Jahren lohnen.“ Amortisieren nennt man das in der Welt der Ökonomie: Kein Unternehmen macht freiwillig etwas, das sich nicht rentiert.

„Eines der ersten Themen ist meist die Beleuchtung“, sagt Escher. Mit LEDs lässt sich leicht Strom sparen, viel Geld kostet das nicht. Einen großen Einfluss kann das im Dienstleistungsbereich haben, in dem weniger stromfressende Maschinen zum Einsatz kommen. „Da geht es nicht um Pfennigbeträge“, beschreibt Silke Sycha von den Licht- Kraft- und Wasserwerken Kitzingen ihre Erfahrungen. „Wir haben Geschäftskunden, die verbrauchen durch die Umstellung nur noch ein Drittel Strom.“

In anderen Bereichen, beispielsweise bei der Gebäudedämmung oder bei der Anschaffung neuer Maschinen, sind die Sparmaßnahmen wesentlich teurer. Hier gibt es noch mehr Entwicklungspotenzial.

Immer auf die Kleinen?

Nicht jedes Unternehmen kann sich Energiesparmaßnahmen oder gar die Eigenversorgung mit erneuerbaren Energien leisten. In großen, energieintensiven Betrieben, wie beispielsweise Frankenguss, lohnen sich Maßnahmen eher. „Je höher der Kostenanteil für Energie ist, desto eher investiert man auch“, erklärt IHK-Referentin Escher.

Jedoch gebe es gerade für kleinere Unternehmen einige Förderprogramme – was erklärt, warum diese der Energiewende häufiger positiv gegenüberstehen. „Problematischer sind die mittleren Unternehmen, mit 250 bis 500 Mitarbeiter“, sagt Escher. Die Forderung der IHK lautet deshalb: Bessere Förderung und höhere Planbarkeit.

Es gibt jedoch auch eine Branche, die direkt von der Energiewende profitiert: Laut DIHK-Energiebarometer standen Bauunternehmen der Wende häufig positiv gegenüber. Sie hoffen auf zusätzliche Aufträge.

Der Preis der Energiewende

Die Preise für Erdgas und Erdöl waren in den letzten Monaten auf niedrigem Niveau – ein Umstand, der viele Unternehmen finanziell entlastete. Man könnte aber auch vermuten, dass die gesunkenen Energiekosten die Energiewende ausbremsen. Schließlich sank dadurch auch der „Leidensdruck“.

Dieser Interpretation widerspricht Jaqueline Escher. „Mir ist in Mainfranken kein Unternehmen bewusst, dass sich wegen der niedrigen Energiekosten mit Innovationen zurückgehalten hat.“ Schließlich sei der entscheidende Kostenfaktor meist der Strom – und der sei trotz niedrigerer Produktionskosten aufgrund von Steuern und Abgaben konstant hoch geblieben.

Auch Silke Sycha von den LKW sieht keinen Investitionsstau durch die niedrige Energiekosten. „Gerade die Unternehmer wissen ja: Auch wenn es einen Moment anders aussah, die Preise für Öl und Gas werden sicher wieder steigen.“