Die junge blonde Frau lacht, als sie den riesigen blauen Korb im Kofferraum ihres Kombi sieht. „Der ist, glaube ich, ein bisschen zu groß“, sagt Anna Sophia Feuerbach und blickt in Richtung des Birnbaumes, den sie zusammen mit ihrem Partner Jürgen Knorr gleich ableeren will. Zehn bis 15 Früchte hängen an dem vor drei Jahren gepflanzten Obstbaum – zu wenig für den großen Korb. Der wird an diesem Nachmittag aber trotzdem noch gefüllt werden. Die Apfelbäume auf der Streuobstwiese in der Volkacher Struth versprechen nämlich eine ordentliche Ernte.

Davon geht auch Thomas Riehl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus. Im Gegensatz zum kultivierten Obstanbau erwartet der Experte beim Streuobst eine gute Erntemenge – als Folge des Extremfrostjahres 2017. Das habe auch den Streuobstbau stark betroffen und die sogenannte Alternanz ausgelöst, also das abwechselnde jährliche Tragen von Früchten. Nachdem 2017 auf den Streuobstwiesen nur sehr wenig Äpfel geerntet wurden, folgte 2018 ein Massenertragsjahr. 2019 sei wieder ein schwaches Jahr gewesen und die Bäume bündelten ihre ganze Kraft für diesen Sommer – die Frostnächte im Mai konnten ihnen wenig anhaben. Nächstes Jahr erwarten die Experten der Regel nach dann wieder weniger Streuobstäpfel in den Erntekörben.

Anna Sophia kann das bestätigen. Allerdings habe in den letzten Wochen das Wasser gefehlt, so dass die Bäume zwar viele Äpfel tragen, sie aber nicht mehr so groß geworden sind. Dem Geschmack tut das natürlich keinen Abbruch. In die Früchte von der Streuobstwiese beißt nicht nur das Besitzerpaar mit gutem Gewissen hinein. In ihrem Fürther Wohnhaus versorgen die 34-jährige studierte Biochemikerin und der aus Dettelbach stammende Maschinenbauer die gesamte Nachbarschaft mit Äpfeln, Zwetschgen und Nüssen. Anna Sophia Feuerbach investiert viel Zeit in die Bewirtschaftung des Grundes, kommt zur Erntezeit jedes Wochenende in ihre alte Heimat. Auch das Mähen und Schneiden macht ihr Freude. Das Paar sieht es als willkommene Abwechslung zur überwiegend sitzenden – und in Anna Sophias Fall auch sehr kommunikativen – Tätigkeit und überlegt gerade, sich entsprechende Maschinen anzuschaffen. „Ich genieße die Ruhe sehr“, sagt die Selbstständige im Bereich psychische Gesundheit lächelnd. „Es ist schön, wenn man einfach mal nicht reden muss.“

Dabei gab es auch in Bezug auf ihre Streuobstwiese großen Redebedarf: mit der Unteren Naturschutzbehörde. Schließlich sind diese Flächen mit den alten Bäumen und ihren alten Sorten auch offiziell schützenswert und dürfen nicht verändert werden. Informationen zum Status seines Grundstücks kann man beim Landschaftspflegeverband (LPV) bekommen. „In der Regel gehen die Besitzer auf uns zu, wenn sie etwas wissen möchten“, sagt Markus Schmitt, Geschäftsführer des LPV im Landratsamt. In den letzten Jahren sei das Interesse durchaus gewachsen. Über die Eigentumsverhältnisse der einzelnen Flächen liegen keine strukturierten Daten vor, weshalb über die Anzahl der Streuobstwiesen in Privatbesitz keine Zahl genannt werden kann, erklären LPV und UNB auf Anfrage. „Wir haben wenig Kontakt mit den Besitzern“, sagt Markus Schmitt. „Die meisten begnügen sich damit, im Herbst ihr eigenes Obst ernten zu können.“

Anna Sophia Feuerbach und Jürgen Knorr geht es im Prinzip ebenso. Sie haben auf der zuletzt erworbenen Fläche etliche neue Obstbäume mit alten Sorten angepflanzt: Äpfel, Birnen und Zwetschgen, aber auch Quitten, Maronen und Bitterorangen. Und Topinambur musste unbedingt sein, den liebt Anna Sophia über alles. Genauso wie den frisch gebackenen Apfelkuchen oder den Apfelbrei. „Er schmeckt einfach noch einmal so gut, wenn man weiß, wo die Äpfel herkommen und was man dafür getan hat“, lächelt Anna Sophia. Dieses Gefühl möchte sie nicht missen. Ihre Streuobstwiese wird sie so schnell nicht hergeben, im Gegenteil. Sie würde sich sehr gerne informieren, sich Tipps holen. „Ich würde mir da ein bisschen mehr Unterstützung von den Behörden wünschen“, sagt sie, schnappt sich den großen blauen Korb und beginnt ihn mit Äpfeln zu füllen. „Ich habe zum Beispiel keine Ahnung, welche Sorte das ist. Es wäre schon interessant zu wissen.“ Am wichtigsten ist ihr aber, dass sie schmecken. Und dass der Korb voll wird.