Die Marmeladen, die sie so oft in den Supermärkten eingekauft hatte, schmeckten ihr nicht mehr. Zu langweilig. Also hat Martina Seeger vor 25 Jahren eine Entscheidung getroffen: Selbst ist die Frau. Jetzt, ein Vierteljahrhundert später, eröffnet sie ihren eigenen kleinen Laden in der Sulzfelder Pfarrgasse. Dort gibt es viel mehr als Marmeladen.

„Wenn ich nachts nicht schlafen kann, gehe ich in die Küche. Ich tüftel' wahnsinnig gerne.“
Martina Seeger, Ladenbesitzerin

Brotaufstrich aus Kaviar-Limetten, Grapefruit oder Quitten: Nur drei von mehr als 20 Varianten, die Martina Seeger künftig in ihrem Laden anbietet. Das Beste daran: Die dazugehörigen Früchte erntet sie fast alle selbst. In ihrem Wintergarten steht beispielsweise ein Orangenbaum neben einem Zitronenbaum. Daneben wachsen die Kaviar-Limetten an ihren Zweigen. Mittendrin die Diva unter den Zitrusfrüchte: ein Buddha-Hand-Baum. Wie eine Staude kleiner Bananen sehen die Früchte aus, wenn sie reif sind. Der Geschmack: richtig intensiv. Im Garten haben die beiden unter anderem einen Maulbeerbaum und Nussbäume gepflanzt. Über einen befreundeten Händler in Spanien beziehen Dietmar und Martina Seeger ihre Gewächse. Nachwuchs ist bereits bestellt: Ein Mango- und ein Granatapfelbaum sind aus Südeuropa unterwegs nach Franken.

Was sie nicht im eigenen Wintergarten hat, holt sich die Sulzfelderin aus der nahen Natur. Eine Bekannte hat im Sommer voll hängende Johannisbeersträucher, die sie ernten kann, Kirschen und Zwetschgen gibt es im Überfluss rund um den Weinort. Nur exotische Früchte wie Ananas muss sie zukaufen. Und dann macht sich die Sulzfelderin in ihrer Küche ans Ausprobieren. Wie viele Stunden sie dort verbringt? Martina Seeger muss bei der Frage lachen. Die Stunden hat sie nie gezählt. „Wenn ich nachts nicht schlafen kann, gehe ich in die Küche“, sagt sie. „Ich tüftel' wahnsinnig gerne.“

Die Ergebnisse können sich sehen und schmecken lassen. Barbecue-Soßen, verschiedene Gewürzkreationen, ein Pina-Colada-Brotaufstrich und 17 verschiedene Liköre hat sie schon produziert. Für die Liköre verwendet sie Alkohol, Zucker und die Frucht. Mehr Zutaten gibt es nicht. Ein paar Wochen muss die Flüssigkeit in den bauchigen Behältern „sitzen“, dann wird sie gefiltert und in Flaschen abgefüllt. Zwischendurch probieren Freunde und Arbeitskollegen von Dietmar Seeger die neuen Kreationen. Die Etiketten hat Martina Seeger da schon längst von Hand geschrieben.

Ihr Mann schwärmt vor allem vom Walnusslikör. „Kein bisschen bitter“, sagt er. Und die Nüsse stammen selbstredend aus der näheren Umgebung.

Vor ein paar Jahren hat Martina Seeger ihr Gewerbe angemeldet, für einen eigenen Laden fehlte bislang die Zeit. An den örtlichen Weihnachtsmärkten hat sie mit ihrem Mann ihre Waren bereits verkauft, über die Jahre einen kleinen und treuen Kundenstamm im Ort aufgebaut. Jetzt will sie an den Freitagen und Samstagen und jeweils am Donnerstagnachmittag ihren Laden in der Pfarrgasse öffnen. Wo früher ihre Schwiegereltern lebten, sollen dann Einheimische und Touristen die handgemachten Produkte testen – und natürlich auch mit nach Hause nehmen.

Eröffnung: Am Freitag, 30. April, von 10 bis 18 Uhr.

Wo: Pfarrgasse 2 in Sulzfeld.