Zusammen sind sie seit einem halben Jahrhundert im Einsatz. Karin Zeier und Laila Luckert arbeiten seit jeweils 25 Jahren als Erzieherinnen im Kindergarten. In dieser Zeit hat sich viel verändert. Den Beruf üben sie trotzdem sehr gerne aus.

Feierstunde in ungewohntem Rahmen: Der Kindergarten St. Johannes ist von seinem Stammsitz in der Glauberstraße längst umgezogen. Seit etwa einem Jahr arbeiten die Erzieherinnen in den Marshall-Heights. Die ehemalige Elementary School ist umfunktioniert worden. Drei Gruppen mit 84 Kindern sind in den Räumlichkeiten untergebracht. Die jüngsten Kinder sind zweieinhalb Jahre alt, die ältesten sind sechs Jahre – Vorschulkinder. „Da hat sich schon einiges verändert“, sagt Karin Zeier. Als sie im Jahr 1995 angefangen hat, gab es noch keine Krippenkinder. Um im Kindergarten aufgenommen zu werden, musste ein Kind sauber sein. Das war die Bedingung. Jetzt gehört das Wickeln und Saubermachen zu den Arbeiten der Kinderpflegerinnen. Es gibt Einrichtungen, in denen die Kleinen schon ab einem Jahr aufgenommen werden.

„Wir arbeiten nicht an einer Maschine, sondern mit Menschen.“
Karin Zeier, Erzieherin

Zwei Jahre Ausbildung haben die beiden nach ihrer Schulzeit absolviert, später noch die Fortbildung zur pädagogischen Fachkraft drauf gesattelt. Das Ansehen ihres Berufs hat sich in den letzten Wochen und Monaten geändert, freut sich Laila Luckert. Zwar gebe es immer noch Menschen, die den Beruf der Erzieherinnen mit nichts anderem als Kaffee trinken und Spielen mit Kindern assoziieren. „Aber seit Corona bekommen wir auch mehr Wertschätzung“, freut sie sich. Und die sei mehr als gerechtfertigt – für alle pflegenden Berufsfelder. „Wir arbeiten schließlich nicht an einer Maschine, sondern mit Menschen“, sagt Karin Zeier. Und diese kleinen Menschen seien die Zukunft dieses Landes.

Die Anforderungen an die Erzieherinnen sind im Lauf der letzten Jahre gestiegen. Das hat unter anderem etwas mit den veränderten Familienstrukturen zu tun. Die Großeltern als Ansprechpartner fallen häufig weg. Die Eltern haben unterschiedliche Arbeitszeiten, der Kindergarten muss flexibel sein, was seine Öffnungszeiten angeht – was auch eine gewisse Flexibilität bei den Mitarbeitern voraussetzt. Gleichzeitig wollen immer mehr Eltern genau wissen, welche Angebote ihre Kinder in der Einrichtung erhalten. „Früher hat es ja nur geschlossene Gruppen gegeben“, erinnert sich Karin Zeier. Heutzutage ist mehr Austausch untereinander da, es gibt mehr Spielangebote, draußen wie drinnen. Und es gibt deutlich mehr Nationalitäten.

„Es macht Spaß, die Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen.“
Laila Luckert, Erzieherin

22 sind es im Kindergarten St. Johannes. Manche Kinder können kaum ein Wort Deutsch, wenn sie in die Einrichtung kommen. Mit Bildern und Gegenständen arbeiten die Erzieherinnen. „Letztendlich mit Händen und Füßen“, sagt Karin Zeier und lacht. Dank vieler Rituale und einem strukturierten Tagesablauf lernen die Kinder schnell – nicht nur die Sprache, sondern auch das soziale Miteinander. „Auch wenn jedes Kind andere Bedürfnisse hat, auf die wir eingehen wollen“, ergänzt ihre Kollegin.

Je 25 Jahre haben die beiden ihren Dienst verrichtet. Auch wenn die Organisation und die Dokumentation mehr geworden ist, haben sie den Spaß an der Arbeit nicht verloren. „Die Kinder geben einem so viel zurück“, sagt Karin Zeier und schmunzelt. „Die wachsen einem einfach ans Herz.“ Laila Luckert kann da nur nicken. „Es macht Spaß, sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen.“ Für die beiden Frauen steht deshalb auch außer Frage, wo sie die nächsten Jahre beruflich tätig sein werden.