Zum Artikel "Helfen Kiesgruben bei Hochwasser?" erreichte die Redaktion folgende Zuschrift:

Der Bericht beschreibt die positiven Auswirkungen von Kiesgruben auf den Hochwasserabfluss am Main. Es sind jedoch die Aussagen m. E. nur zum Teil fachlich haltbar ist.

Korrekt ist, dass Kiesgruben, soweit sie nicht verfüllt werden, neue Retentionsräume schaffen. Dies sind die Volumina zwischen den Wasserspiegeln der Baggerseen und der Erdoberfläche. Die genannten vier Milliarden Liter und drei Millionen Quadratmeter erscheinen sehr hoch, relativieren sich aber, wenn sie in den üblichen Dimensionen von vier Millionen Kubikmeter und drei Quadratkilometer angegeben werden.

Die Wasserstände im Hochwasserfall sollen dadurch um 1 bis 1,5 Meter niedriger sein. Das kann nicht stimmen, da die Hochwässer zeitlich in Wellen abfließen. Das bedeutet, dass die Retentionsräume der Kiesgruben bereits im Anlauf der Hochwässer gefüllt werden, bevor es zu Überschwemmungen der Mainaue kommt.

Zudem führen die glatten Wasserspiegel der Baggerseen zu einer schnelleren Fließgeschwindigkeit einer Hochwasserwelle. Dem gegenüber bremsen die höheren Rauhigkeiten von Wiesen, Äcker und Wälder den Hochwasserabfluss. Diese Erkenntnisse wurden im Maintal zwischen Bamberg und Haßfurt nachgewiesen.

Die im Bericht auch erwähnten, steuerbaren Flutpolder an der Donau bewirken eine "Kappung" der Hochwasserspitzen. Zum Beispiel können im 2020 fertiggestellten Polder Riedensheim oberhalb Neuburg an der Donau bei einer Reduzierung des Wasserpegels flussabwärts um 0,35 Meter 8,3 Millionen Kubikmeter Wasser zwischengespeichert werden.

Große Einflüsse auf das Hochwasserregime im Maintal haben die zahlreichen Flächenversiegelungen und die massiven Verluste an natürlichen Überschwemmungsgebieten infolge Baugebieten und Infrastrukturanlagen in den letzten Jahrzehnten. Zum Beispiel gingen dadurch in der Stadt Schweinfurt 15 Quadratkilometer Überschwemmungsfläche "verloren".

Norbert Schneider
97353 Wiesentheid