Vor circa drei Jahren hatte ich eine Frau in meinem Laden, die mich fragte, ob sie eine größere Plastiktüte kaufen könne. Das habe ich selbstverständlich für 20 Cent gemacht. Dann war ich aber neugierig. Die Frau ging zu ihrem Fahrrad zurück, das direkt nebenan stand und leerte den Inhalt ihres Fahrradkoffers in die Plastiktüte um.

Da ich das Gewicht einschätzen kann, vermute ich, dass sie circa vier Kilogramm wunderschöne blaue Weintrauben darin hatte. Ich fragte sie daraufhin, wo sie die Weintrauben denn her habe. Sie: "Gott hat die Weintrauben für alle wachsen lassen, diese Trauben habe ich an der Vogelsburg geschnitten."

Ich war fassungslos, denn als Tochter eines "Mondscheinbauern" weiß ich um die Arbeit und Mühe auch von Haupterwerbswinzern, die davon leben müssen. Ich war so sauer, dass ich ihr antwortete: "Hoffentlich bleibt ihnen ihr Diebesgut im Halse stecken".

Das ist nur ein Beispiel und davon gibt es leider sehr viele. Gerade auch in Astheim in der Nähe des Quittenlehrpfades werden jedes Jahr sehr viele dort stehende Bäume einfach von Unberechtigten "abgeleert".

Eine gute Bekannte aus Astheim hat vor einiger Zeit drei Frauen ertappt, die sich ihre Fahrradkörbe füllten. Darauf angesprochen bekam sie noch dumme Sprüche zu hören. Sie fotografierte dann die Diebinnen. Es stellte sich heraus, dass sie am Campingplatz übernachteten. Als die Betreiber des Platzes die Fotos sahen, regelten sie es, dass die Diebinnen dem Eigentümer der Anlage wenigstens die über zehn Kilo Quitten finanziell erstatteten.

Aber in den seltensten Fällen wird der Diebstahl auf frischer Tat ertappt und nicht wenige Familien an der Mainschleife leben von ihrem Obst- und Weinanbau. Alle Obstanlagen einzäunen wäre wirklich nur die letzte Lösung.

Was würde Frau Dumbsky als Winzerin sagen, wenn bei ihren eigenen Weinbergen regelmäßig die ersten Reihen von Fremden abgeerntet werden ?

Ingrid Dusolt
97332 Volkach