Zum Artikel „Tiefgarage schließt zum Jahresende“ vom 3. Dezember:

Ich möchte eine Geschichte erzählen, wie sie sich in Mainfranken vermutlich niemals zutragen könnte. Eine Stadt, nennen wir sie A, bekommt vor circa 30 Jahren von einem Partner, nennen wir ihn B, eine Tiefgarage geschenkt. B ist ein gern gesehener Gewerbesteuer-Zahler und auch bei Spenden von B hält A gerne die Hand auf. B vereinbart mit A wegen des finanziellen Umfanges der Schenkung, dass beide in einem festgelegten Verhältnis für die Kosten am Objekt aufkommen. Ansonsten gehen alle Erträge aus dem Betrieb der Garage an A. 

Circa 30 Jahre lang Einnahmen aus der Vermietung von Dauerplätzen.

Circa 30 Jahre lang Einnahmen aus den Gebühren der Kurzzeitparker.

Vor einigen Jahren schon wurde festgestellt, dass das geschenkte Objekt renoviert werden muss. Danach geschieht erst mal gar nichts. Doch jetzt kommt A auf die Idee, dass die Vereinbarung über die Kosten nicht mehr gilt und gibt das Geschenk wieder zurück. Es ist kaputt, A will es nicht mehr, die Partnerschaft war wohl eine Einbahnstraße.

Zurück zur Realpolitik: der Stadt ist es egal, wie sich für die vielen Nutzer die Parksituation verschlechtert. Der Hinweis seitens der Stadt in der Zeitung, die (Dauer-)parker können ja auf den Bleichwasen ausweichen ist an Zynismus nicht mehr zu überbieten, wenn man die Berichte über den geplanten Umbau des Bleichwasen-Geländes beachtet. Dort kann dann eben erstmal niemand mehr parken.

Da kommt der Beschluss, in der Stadt Tempo 30 einzuführen, genau richtig, denn dann muss der Autofahrer bei der sinnlosen Parkplatzsuche wenigstens nicht so schnell fahren.

Die Stadträte taten sich bei der Beschlussfassung groß hervor. Zur Schließung der Parkgarage habe ich von dort noch kein einziges Wort gehört oder gelesen.

Am Rande: Formulierungen auf Wahlplakaten und in Sonntagsreden wie: 

- zum Wohl der Bürger = Makulatur

- Belebung der Innenstadt = Makulatur

- Schaffung von Parkraum = Makulatur

- Unterstützung des Einzelhandels = Makulatur

- lass den Klick in Deiner Stadt = Makulatur

Beenden wir das Märchen: Es gibt in der Nachbarschaft von A zwei Städte, nennen wir sie Würzfurt und Schweinburg. Dort hat man erkannt, was dem Bürger beim Einkaufen wohl bekommt. Möglicherweise fahren einige Bürger aus A dorthin zum Parken.

Lothar Wille

97318 Kitzingen