Mit 12:13 Stimmen war zuvor ein Antrag von Karl-Heinz Schmidt (UsW) abgelehnt worden, der das Werk lediglich zur Kenntnis nehmen und keine weiteren Schritte benennen wollte.

So mancher verstand die Welt nicht mehr. Vor nicht einmal vier Wochen war der vom Stadtbauamt ausgearbeitete Rahmenplan im Finanzausschuss sehr gelobt worden. Die Verwaltung hatte das Potenzial aufgezeigt, das in der "Großen Gärtnervorstadt" vorhanden ist. Viele Stadträte hatten nicht schlecht gestaunt angesichts der Tatsache, dass es - wie von zahlreichen Bürgern erhofft - durchaus Potenzial für neue Wohnbebauung gibt.


Hin und her

Im Stadtrat lief die Diskussion am Donnerstagabend allerdings ziemlich verquer. Klaus Christof (KIK) wollte "zuallererst die Bürger hören", ehe im Stadtrat irgendetwas beschlossen werde.
Oberbürgermeister Siegfried Müller (UsW) klärte ihn auf: "Es werden doch aktuell überhaupt keine Einzelmaßnahmen beschlossen!" Es gehe lediglich um eine "Handlungsgrundlage für die Verwaltung", wie Bauamtschef Oliver Graumann es formulierte. Auch Rechtsrätin Susanne Schmöger stellte klar, dass ein Rahmenplan keinerlei rechtsverbindliche Wirkung nach außen habe. Es werde darin nur die Richtung der internen Arbeit festgelegt.

Doch damit waren die Wogen nicht geglättet. Christofs KIK-Kollege Thomas Steinruck und UsW-Sprecher Karl-Heinz Schmidt äußerten weitere Zweifel, woraufhin OB Müller leicht verärgert feststellte: "Es fällt manchen anscheinend recht schwer, einfach mal zu sagen: Gute Arbeit, Verwaltung!"
Schmidt beantragte im Anschluss dennoch, den Rahmenplan lediglich zur Kenntnis zu nehmen und die Verwaltung nicht mit weiterführenden Schritten wie der Überplanung des provisorischen Parkplatzes "Am Bleichwasen" oder Gesprächen zu Entwicklungsmöglichkeiten des Bahnhofs Etwashausen und der Flächen im Bereich des Lochwegs zu beauftragen.

Sein Antrag wurde ganz knapp abgelehnt. Der Beschlussentwurf der Verwaltung ging schließlich durch, allerdings ebenfalls recht knapp.

OB Müller hatte mehrmals betont, den Rahmenplan in der nächsten Etwashäuser Bürgerversammlung ausführlich vorzustellen und den Etwashäusern Gelegenheit zu geben, ihre Ideen und Wünsche einzubringen.
Die Rahmenplan-Kritiker hatten auch von der CSU-Fraktion einiges zu hören bekommen. Nach "Lobeshymnen im Finanzausschuss" gebe es jetzt im Stadtrat "eine einzige Haarspalterei", fanden Andreas Moser und Gertrud Schwab. Moser meinte: "Wenn ich Herr Graumann wäre, würde mich das dermaßen demotivieren!"
Oliver Graumann selbst sagte dazu gestern auf Anfrage der "Kitzinger": "Das bringt mich nicht vom Weg der Entwicklung ab."


KOMMENTAR

Erleuchtung im Rathaus

Vielleicht kommt er ja noch einmal herab, der Heilige Geist. Pfingsten ist doch sein Fest. Vielleicht erbarmt er sich und fährt mal runter, Richtung Kitzinger Rathaus, wenn sich dort die Stadtmütter und -väter treffen und alles andere als himmlisch zusammenarbeiten. Zwar reden sie nicht in unterschiedlichen Sprachen. Aber verstehen? Nein, verstehen können - oder wollen - sie einander, den OB und die Stadtverwaltung trotzdem nicht.
Keine Frage: Demokratie ist ein hohes Gut - aber eben nur so gut, wie diejenigen, die sich an ihr versuchen. Beispiel: Die Stadtverwaltung hat von sich aus einen viel versprechenden "Rahmenplan" für die Entwicklung Etwashausens ausgearbeitet. Trotzdem wand sich nun fast jeder zweite Stadtrat wie ein Aal. Ein guter Plan, klar - aber so einfach beschließen und damit das Ass in den Händen der Verwaltung lassen? Nein, also das dann doch nicht. Da redet man lieber hin und her, kreuz und quer, ohne einander zuzuhören oder auf die Argumente des anderen einzugehen. So eine Zeitverschwendung.
"Die Demokratie darf nicht so weit gehen, dass in der Familie darüber abgestimmt wird, wer der Vater ist", hat der frühere Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt mal gesagt. Da hatte er verdammt Recht. Heiliger Geist, auf dir ruht die letzte Hoffnung: Komm herab auf unsere Stadträte.