Kommunen locken Wohnmobile mit subventionierten Übernachtungsplätzen an die Mainschleife. Ein unfairer Wettbewerb sagt Campingplatzbetreiberin Brigitte Kroll
Die Tore sind zu, die Saison ist vorbei. Anfang November haben Brigitte und Andreas Kroll ihren Campingplatz namens Katzenkopf in Sommerach geschlossen, besser gesagt: schließen müssen wegen Naturschutz- und Hochwasserschutzverordnungen. Seit Anfang April standen sie jeden Tag, jedes Wochenende, monatelang ihren Kunden, den Campern, zur Verfügung. Nun haben sie Urlaub. Doch so richtig ausruhen werden sie sich nicht. Denn sie nutzen die arbeitsfreie Zeit für ihren Kampf um wirtschaftliche Gerechtigkeit.
Das, was sie aufregt, ist gar nicht weit weg: Es sind die Wohnmobilstellplätze in der Mainschleife, deren Zahl in den vergangenen Jahren zugenommen hat und die von den Kommunen bewirtschaftet werden. Zwischen Kitzingen und Wipfeld sind zehn direkt am Main gelegene Wohnmobilstellplätze entstanden, hinzu kommen weitere Stellplätze abseits vom Fluss in den Gemeinden des Landkreises Kitzingen. "Der Wettbewerb zwischen diesen Stellplätzen und den privat geführten Campingplätzen wie unserem ist durch immer stärkeres kommunales Sponsoring mit Hilfe von Steuergeldern und Abgaben außer Kraft gesetzt", klagt Andreas Kroll.
Seit 1971 gibt es den Campingplatz Katzenkopf in Sommerach mit aktuell insgesamt 240 Stellplätzen. 40 Prozent seiner Gäste seien Dauercamper, sagt Kroll, der das Gelände mit seiner Frau seit neun Jahren bewirtschaftet. Das ging eine ganze Zeitlang gut. Inzwischen befürchtet er, dass er bald dem Konkurrenzdruck nicht mehr gewachsen sein könnte.
Verbilligt oder geschenkt "Die Wohnmobilisten bekommen von den Gemeinden entweder die Wasserver- oder Entsorgung oder den Strom geschenkt oder die Besucher erhalten mit der Gebühr als Zugabe verbilligten Eintritt in kommunale Einrichtungen wie Freizeitbäder", hat Kroll festgestellt. "Als Privatleute können wir so etwas gar nicht anbieten", sagt er. Manche Wohnmobiltouristen seien so dreist, die Toiletten, Duschen oder Gruppenräume des Campingplatzes zu nutzen und dann wieder zu verschwinden und dabei gleich ein paar Rollen Toilettenpapier mitzunehmen. Durch die kurzen Entfernungen zu den umliegenden Campingplätzen nähmen die Stellplatznutzer das Angebot der Campingplätze als kostenlose Bereicherung ihres Aufenthaltes wahr.
Unzählige gesetzliche Auflagen Den privaten Campingplätzen würden unzählige gesetzliche Auflagen zum Betrieb gemacht, während bei den Wohmnobilstellplätzen gesetzliche Auflagen, so weit überhaupt vorhanden, in vielen Belangen durch die Betreiber überhaupt nicht umgesetzt würden.
Andreas und Brigitte Kroll belassen es aber nicht beim Jammern. Mit den zehn Bürgermeistern der Mainanlieger-Kommunen habe es schon Gespräche gegeben, berichtet Andreas Kroll. Die Stadt Volkach mit Bürgermeister Peter Kornell und die Gemeinde Sommerach mit Bürgermeister Elmar Henke hätten sich dabei als sehr kooperativ erwiesen. Die Stadt Volkach habe alle städtischen Parkplätze mit dem Hinweis versehen, dass Übernachten nur auf den ausgewiesenen Camping- und Wohnmobilstellplätzen der Mainschleife erlaubt ist. Bürgermeister Guido Braun in Nordheim sei den Campingplatzbetreibern allerdings bisher nicht entgegengekommen.
Kollegen kennen das Problem Da laut Kroll 99 Prozent seiner Kollegen das Problem mit den kommunal subventionierten Wohnmobilplätzen kennen, hat er im März das Thema in den Mittelpunkt eines Vortrags gestellt, den er bei einer Veranstaltung des Landesverbandes der Campingplatzunternehmer in Bayern e.V. gehalten hat. Als dritten Trumpf hat er Anfang dieser Woche beim 5. Bayerischen Campingtag International in Bad Windsheim ein Schreiben an den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann überreicht.
Der Minister, gleichzeitig Vorsitzender des Fränkischen Tourismusverbandes war am Montag Gastredner dieser groß angelegten Fachtagung. Andreas Kroll ist sich sicher, dass Herrmann der richtige Ansprechpartner für sein Anliegen ist - und das heißt: "Wir wollen einen fairen Wettbewerb." Diesem Wettbewerb wollten sich er und die anderen Campingplatzunternehmer stellen. Die Subventionen der Kommunen müssten aufhören, damit auf den Campingplätzen wieder kostendeckend gewirtschaftet werden könne. Kroll und seine Frau verlangen weiterhin die Einhaltung der Gesetze und Verordnungen bei Bau und Betrieb durch den Bauherrn oder Betreiber und die Harmonisierung der Bau- und Genehmigungsvorschriften von Camping- und Wohnmobilstellplätzen.
Wichtiger Tourismuszweig Was Minister Hermann in seinem Grußwort sprach, könnte Kroll und seine Kollegen hoffen lassen. "Camping ist bei uns in Bayern ein Markenprodukt. Die Branche ist ein wichtiger Teil unseres Gesamttourismus", sagte er ins Mikrofon im Tagungssaal des Kur- und Kongresszentrums in Bad Windsheim, schaute seine Zuhörer an und fügte hinzu: "Das ist Ihr Verdienst und das Ihrer Mitarbeiter."
Die Campingplatzbetreiber sind selbst schuld. Mit den immer mehr werdenden Inclusivleistungen, die kein Wohnmobilist braucht (*****-Toiletten, Kinderanimation, Wellnessbereiche, "Komfort"-Plätze mit fließendem Wasser, Abwasser Fernsehen und Internet an jedem Platz usw... )und den damit steigenden Preisen geht der autarke Reisemobilist natürlich auf den Stellplatz. Es sollte differenziert werden, ob ich mit dem Zelt campe und die gesamte Infrastruktur nutzen will oder ob ich dort nur mit einem autarken Fahrzeug stehe und bei Abreise mal den Tank fülle und den Bodeneinlass nutze - das Gegenteil ist meist der Fall: Womos kosten auf den meisten Plätzen mehr wie Zelte!
Campingplatzbetreiber müssen sich darauf einstellen, daß sie es bei den Wohnmobilisten mit einem andern Clientel zu tun haben. Manche dieser Fahrzeuge sind teuerer als ein komfortales Eigenheim. Die Fahrzeuge sind in sich geschlossene Systeme und hinterlassen keinen Schmutz, wenn für Abfall gesorgt ist und Entsorgungs- und Versorgungseinrichtungen vorhanden sind. Die Besitzer möchten gerne nahe an dem von ihnen ausgesuchten POI sein. Viele Kommunen haben dieses besonders in den Weingebieten erkannt und richten hier Stellplätze ein, da dieses auch einen wirtschaftlichen Faktor für die Region darstellt. Diese Damen und Herren kaufen eben auch Weine und gehen gerne shoppen. Es sind keine Billigcamper. Sie fahren mit ihren Mobilen und bleiben dort stehen, wo es ihnen gefällt. Haben sie sich vertan, fahren sie eben weiter. Sie lassen sich nicht von Campingplatzbesitzern bevormunden und durch alle möglichen Bestimmungen, was z.B. ein Hund tun darf und was nicht oder wann man durchs Tor fahren darf und wann nicht, maßregeln. Man kann sie auch nicht auf die schlechtesten Plätze stellen, da die guten für die Dauercamper reserviert sind. Dauercamper fühlen sich auch oft in ihrer Ruhe gestört. Dauercamper und Wohnmobilisten passen nicht wirklich zusammen. Campingplatzbesitzer, die dieses erkannt haben, schaffen eine Infrastruktur separat für die Wohnmobile und trennen dieses radikal zu einem für einen Stellplatz angemessen Preis und werden dann gerne von den Wohnmobilen angenommen. Der Campingwagen verlangt ein anderes Umfeld. Ich fahre seid 30 Jahren mit Wohnmobilen. Nicht der Preis ist letztendlich entscheidend, sondern was bietet mir der Platz für mein Geld. Ich bin nicht bereit für mürrische Dauercamper zur Finanzierung des Platzes beizutragen. Dann fahr ich lieber zum billigeren Stellplatz, auch wenn er weniger Komfort bietet. Den Komfort habe ich eben im Wohnmobil und ich bin unter Gleichgesinnten.
Die wirtschaftlichen Interessen oder gar Existenzängste der Campingplatzbetreiber in allen Ehren, aber das Ganze ist, wie immer, eine Frage des Angebots und der Nachfrage:
Wir sind in unserer Freizeit viel mit unserem Wohnmobil unterwegs, um u.a. die vielen Regionen Deutschlands besser kennenzulernen.
Ich persönlich habe überhaupt kein Interesse daran, die ein oder zwei Nächte, die ich einer entsprechenden Region widmen möchte, zwischen Dauercampern zu verbringen und dafür 30 € oder mehr zu bezahlen! (Womo, 4 Personen + Strom,etc.) Andere Vorteile von Stellplätzen wie die meist wesentlich günstigere Lage (Innenstädte, Sehenswürdigkeiten, Restaurants oft gut zu Fuß zu erreichen) brauche ich wohl gar nicht erst erwähnen.
Das scheinen ja, Gott sei Dank, die Mehrzahl der Gemeinden auch verstanden haben. Zumindest sprechen mehr als 5000 Stellplätze in Deutschland eine deutliche Sprache! Hoffen wir mal, dass die Campingplatzlobby nicht zuviel Einfluss gewinnt, um dem entgegenzuwirken...
Niemand kauft sich ein rollendes Hotelzimmer (Wohnmobil) um auf einem Campingplatz für nur 1 Nacht 20 Euro zu berappen (Fahrzeug, 2 Personen, Hund)
Würden Campingplätze mit den Gebühren weniger zulangen, gäbe es auch die geschilderten Probleme nicht