Das Gefährt allein ist schon ein kleines Wunderwerk der Technik: der Bio-Technikum-Truck, ein fahrendes Schülerlabor. Wenn das Fahrzeug, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und einigen Laborbedarf-Herstellern gesponsert wird, auf Deutschlands Straßen unterwegs ist, misst es knapp 17 Meter Länge und ist zweieinhalb Meter breit.
Das Gefährt allein ist schon ein kleines Wunderwerk der Technik: der Bio-Technikum-Truck, ein fahrendes Schülerlabor. Wenn das Fahrzeug, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und einigen Laborbedarf-Herstellern gesponsert wird, auf Deutschlands Straßen unterwegs ist, misst es knapp 17 Meter Länge und ist zweieinhalb Meter breit. Wenn es dann Halt macht auf Schulhöfen – wie jetzt beim Armin-Knab-Gymnasium (AKG) in Kitzingen – wächst es zu seiner vollen Größe aus.
Langsam schiebt sich ein zweites Stockwerk nach oben, aus vier Metern Höhe werden 6,2. Von 2,5 auf 7,5 Meter verbreitert sich der Laster. 105 Quadratmeter entstehen, auf denen ein kleines Kino, ein vollausgestattetes Biotechnik-Labor und eine kleine Küche für die Mitfahrer Platz finden. Zu einem „kleinen Käselabor“ wurden diese 105 Quadratmeter am Freitagvormittag. Die Schüler der 5c des AKGs verlegten ihren Bio-Unterricht in den Truck. Selbst Käse herstellen stand auf dem Programm.
„Die Flugzeuge, die haben sich das Fliegen von den Vögeln abgeschaut.“
AKG-Schüler erklären, wo Biotechnik angewandt wird
Allerdings: Erstmal muss geklärt werden, was Biotechnik überhaupt ist. „Wir Biotechniker stellen uns die Frage: Wie funktioniert die Natur? Die Pflanzen? Die Tiere?“ erklärt Dr. Anne Wiekenberg, die projektbegleitende Wissenschaftlerin. „Wenn wir die Antwort herausgefunden haben, wollen wir das Wissen nutzen, um Dinge zu erfinden.“ Die 5c nickt, versteht. „Kennt jemand ein Beispiel, wo Biotechnik angewandt wird?“ fragt Wiekenberg in die Runde. Vermutungen werden laut, erst an den Sitznachbar gewandt, dann an die ganze Klasse. „Vielleicht der Klappstuhl. Der klappt seine Flügel wie ein Marienkäfer?“ sagt einer. Nicht ganz. „Die Flugzeuge, die haben sich das Fliegen von den Vögeln abgeschaut.“ Schon eher. „Käse! Der wird mit erforschten Bakterien gemacht!“ ruft ein Mädchen. „Richtig!“ sagt die Wissenschaftlerin.
Dann flimmert im oberen Stock des Trucks auf der Kinoleinwand ein Ausschnitt aus der Sendung mit der Maus. Thema: Wie wird Käse gemacht? „Ihhh! Wäääh! Das ess ich nie mehr!“ rufen einige, als die kleinen Bakterien unter dem Mikroskop gezeigt werden. „Wie tanzende Regenwürmer,“ wispert ein Mädchen ihrer Sitznachbarin zu.
Zum Glück sind die Bakterien nicht mehr zu sehen, als die Schüler dann im unteren Labor-Stockwerk vor kleinen Gläsern mit Milch stehen. Außerdem haben sie Chymosin auf dem Tisch, ein gentechnisch erzeugter Stoff, der das Kälberlab ersetzt, das früher zur Käseherstellung eingesetzt wurde. Es sorgt dafür, dass die Milch eindickt, ohne sauer zu werden. Dritter Helfer ist eine Calciumchlorid-Lösung, also eine Salzlösung. „Stellt euch vor, ihr seid Chef eines Labors. Ihr müsst herausfinden, ob die Calciumchlorid-Lösung taugt, um Käse herzustellen. Und ob man das Ganze besser auf 37 Grad erhitzt oder auf Raumtemperatur belässt“, lautet dann der Auftrag.
Die jungen Forscher messen Flüssigkeiten ab, rühren, mischen, stoppen die Zeit bis zum Eindicken. Die langen weißen Kittel hängen fast bis auf den Boden, Schulternähte baumeln irgendwo zwischen Oberarm und Ellenbogen. Zusammengekniffenen Augenbrauen, Zähne, die konzentriert auf den Lippen herum kauen, Luftanhalten beim Pipetten aufziehen.
„Ich bin hier der Pressesprecher“, erklärt Thilo Kohlmann als es daran geht, die Forschungsergebnisse seiner Dreiergruppe vorzustellen. „Sven Feller ist unser Chef und Raphael Höhn der Manager,“ sagt der Zehnjährige und weist auf seine beiden gleichaltrigen Kollegen. Die perfekte Kombi für eine ertragreiche und schnelle Käseherstellung ist „Milch mit Calciumchlorid bei 37 Grad“, verkündet die Gruppe stolz ihr Ergebnis. „Richtig!“