Große, dunkle Augen, ein muskulöser Körper. Und dann das hübsche Hinterteil... Findus ist ein Traummann. Unter den Veldener Teckeln auf jeden Fall. Und das nicht nur äußerlich. Der Zwerg-Rauhaardackel, der im September drei Jahre alt wird, hat auch innerliche Qualitäten.

Damit hat er es sogar geschafft, sein Frauchen, die Kitzinger Zahnärztin Katharina Orlob, auf Abwege zu locken - im wahrsten Sinn des Wortes.

Frauchens Herz im Sturm erobert

Als Katharina Orlob nach Velden an der Pegnitz fuhr und sich dort, bei Züchterin Monika Heiß, in den kleinen Findus verliebte, war sie eigentlich auf der Suche nach einem Familienhund. Ein kleines, freches Dackelkind eroberte ihr Herz im Sturm. "Allerdings sollte Findus auf jeden Fall gut erzogen werden", berichtet die 34-jährige Zahnärztin.
Deshalb ging sie mit ihm in die Hundeschule und freute sich, dass "Findus Prinz von Bretano", wie er offiziell heißt, sich dort sehr gelehrig zeigte.

Ganz locker gingen Hund und Frauchen die so genannte "Begleithundeprüfung gesamt" an. "Findus erreichte die volle Punktzahl und den ersten Preis", erinnert sich Katharina Orlob. "Und der Test machte ihm ganz offensichtlich richtig Spaß."

Hund und Besitzerin angestachelt

Dass er diesen Spaß behält und seine Talente ausleben kann, war der Zahnärztin wichtig. Deshalb trat sie in den Dachshundclub Nordbayern ein, in dessen Würzburger Sektion sie den Vorsitzenden Reinhold Meyer kennen lernte. "Der ist Jäger durch und durch. Und sein Dackel Gero ist sowohl mehrfacher Schönheits-Champion als auch Sieger mehrerer jagdlicher Prüfungen." Meyer stachelte Orlob an, Findus doch auch jagdlich auszubilden, er habe die besten Anlagen dafür.

Warum eigentlich nicht? "Zunächst haben wir die erschwerte 'Begleithundeprüfung gesamt' abgelegt, wieder mit der Höchstpunktzahl und dem 1. Preis. Das war eine tolle Erfahrung." Katharina und Findus hatten nun quasi Blut geleckt. Und das, obwohl die Runde nur aus Jägern bestand - einer bis dato völlig fremden Welt.

Hart, aber herzlich

"Zwischen all den grünen Männern in ihrer Funktionskleidung und mit ihrer Fachsprache sind wir ganz schön aufgefallen", erinnert sich die Jeans-Trägerin lachend. "Hart, aber herzlich" sei es zugegangen. Und während Katharina lernte, dass ein Hund keinen Schwanz hat, sondern eine Rute, und dass ein Wildschwein ein Schwarzkittel ist, absolvierte Findus auch die Spurlautprüfung phänomenal. Bei diesem Test muss der Hund Laut gebend die Spur eines Hasen ausarbeiten, ohne Meister Lampe gesehen zu haben. Je länger und intensiver der Hund das tut, desto besser. "Findus wollte gar nicht mehr aufhören", erzählt Katharina Orlob.

Waldtaugliche Kleidung zu weiteren Prüfungen

Danach war es nur logisch, dass der kleine Dackel weitere Jagdprüfungen ablegen sollte. "Mir war klar, dass sich nun auch für mich ein waldtaugliches Outfit lohnen würde", erzählt die Zahnärztin lachend. Sie fuhr also zu Frankonia nach Würzburg - und absolvierte die nächsten Jagdaufgaben in echtem Jägergrün.
Während die Waidmänner den neuen Look mit Applaus quittierten, war Findus die Farbe der Frauchenkleidung herzlich egal. Er stellte neben der Spurlautprüfung auch seine Schussfestigkeit und seine Eignung zur Stöberjagd mit Schwarzwild unter Beweis und erreichte jedes Mal souverän die Höchstpunktzahl, also den 1. Preis.

Wieder die Bestnote

Auch beim Wassertest bekam er die Bestnote, ebenso wie bei der Schweißprüfung, bei der 20 Stunden zuvor auf 1000 Meter genau 0,25 Liter Wildschweiß, also Wildblut, getropft wird. "Das hat den Zweck, dass der Hund zum Beispiel angeschossenes Wild schnell aufspüren kann", erklärt Orlob. "Findus war so fix, dass zwei der drei Richterinnen gar nicht hinterherkamen. Auch ich war danach völlig verschwitzt."
Findus aber war glücklich. "Er liebt den Wald und seine Jagdinstinkte sind außergewöhnlich", hat sein Frauchen erfahren. "Er ist genau so, wie ich mir einen Hund gewünscht habe." Zuhause erlebt sie ihn ganz lieb und sanft. "Aber wenn er Wald sieht oder riecht, wird er zum Jagdhund."

Mittwoch nachmittags, wenn die Zahnarztpraxis geschlossen ist, gibt es für Katharina Orlob und ihren Dackel deshalb nur eins: Raus ins Grüne und rein ins Training. "Ich bin da richtig reingewachsen und brauche das auch als Ausgleich zum Praxisalltag."

Auf weitere Prüfungen freuen sich beide, Frauchen und Findus. Für den Veldener Traumtypen wird das "kraftvoll Zubeißen" dabei nie ein Problem sein. Katharina Orlob kann gar nicht anders: "Zahnstein wird regelmäßig entfernt und die Zähne werden mindestens einmal pro Woche geputzt." Dass sie sich für ihren Dackel auf Abwege begibt, ist das eine. Aber auf Mundhygiene zu verzichten, das könnte nicht einmal Findus von ihr verlangen.