Bei einem Erste-Hilfe-Kurs 1967 hat es Heinrich Grötsch erwischt. Schnell hat der gelernte Raumausstatter gemerkt: "Das ist es!" Noch im selben Jahr machte er die Ausbildung zum Sanitäter - und fand seine Berufung. Nach fünf Jahren im Ehrenamt wechselte er in den hauptberuflichen Rettungsdienst.
Fast 200 Erste-Hilfe-Kurse hat er in den vergangenen Jahrzehnten angeleitet. Für ihn sind das aber nicht nur Kurse. "Es geht ums Lebenretten. Viele Menschen würden heute noch leben, hätte jemand Ersthilfe geleistet", sagt er. Das Wichtigste sei, im Notfall überhaupt etwas zu unternehmen. Die meisten Unfälle passierten im Haus und auf dem Arbeitsplatz, da sei es enorm wichtig reagieren zu können.

Die Angst nehmen

"Wenn die Leute aus meinem Kurs gehen und keine Angst mehr davor haben etwas falsch zu machen, dann ist das für mich ein Erfolg." Durch Üben hätte er versucht
den Teilnehmern seiner Lehrgänge die Angst zu nehmen. "Heinrich ist im ganzen südlichen Landkreis bekannt. Sämtliche Feuerwehren schätzen ihn als Vermittler der Ersten Hilfe", sagt Sven Appold. Er ist Bereitschaftsleiter im Ehrenamt und hauptberuflicher Rettungsdienstleiter im BRK-Kreisverband Kitzingen. Auch er wurde von Heinrich Grötsch an die Erste Hilfe herangeführt und war zur Sanitätsausbildung bei ihm in der Lehre.
Mittlerweile gehört Heinrich Grötsch seit 46 Jahren zum Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Während seiner aktiven Zeit hat er alle Leitungs- und Führungsausbildungen durchlaufen, die der BRK hergibt. "Gott sei Dank hatte ich aber nie einen Katastrophen-Einsatz", sagt der Rentner.
Für seine Verdienste haben sich mittlerweile fast ein Dutzend Auszeichnungen angesammelt. Das Staatliche Ehrenzeichen in Gold oder die BRK-Ehrennadel in Gold sind nur zwei davon.
Am Sonntag kam eine weitere Auszeichnung dazu, die nicht viele tragen: Das Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes. Dr. Rudolf Seiters, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, hat Heinrich Grötsch im Bad Kissinger Regentenbau am Sonntag damit geehrt. "Das ist schon ein besonderes Lob", sagt Heinrich Grötsch und freut sich bescheiden.
In seiner Freizeit ist er mit seiner Ehefrau viel unterwegs. "Nicht umsonst sagt man, Rentner haben keine Zeit", sagt Heike Grötsch. Zum Wandern zieht es ihn in die Region seines Geburtsorts. Im baden-württembergischen Todtmoos kam er im Sommer 1945 zur Welt. Der Schwarzwald ist nicht nur Ausflugsziel, sondern auch Motiv für die Bilder, die er malt. Seine vier Enkelkinder hat er sowieso gerne um sich: "Bei uns ist immer was los." Alle paar Wochen trifft er sich mit aktiv gebliebenen Rotkreuz-Helfern zum Stammtisch der gegründeten Gruppe "55+", mit der er noch viel vor hat. Auf vielen Veranstaltungen, wie Weihnachts- oder Herbstmärkten, spielt er für den guten Zweck auf seiner Drehorgel. Das gesammelte Geld spendet er der Kitzinger Bereitschaft.
Heinrich Grötsch ist froh, dass die Rotkreuzarbeit auch heute viel Unterstützung bekommt: "Zum Glück gibt es so viele engagierte junge Leute." Und Menschen wie ihn, die als Vorbild dienen.