Mit Telefonaten zu allen Tages- und Nachtzeiten, dem Auflauern vor Gaststätten und Verfolgungsfahrten mit dem Auto hat eine 31-Jährige ihrer Ex-Freundin über Monate das Leben zur Hölle gemacht. Jetzt hat sie selbst die „Nachbeben der Trennung“ zu spüren bekommen. Das Amtsgericht in Kitzingen hat die Frau zu einer Geldstrafe von 5250 Euro (150 Tagessätze zu 35 Euro) verurteilt.

Damit ist die Frau knapp an einer Freiheitsstrafe vorbeigekommen. Vier Monate hatte die Staatsanwältin für die Nachstellungen und zwei Beleidigungen gefordert. „Das war Psychoterror pur“, sagte Richter Marc Betz zu dem, was eine 41-Jährige nach der Trennung von ihrer Freundin erlebt hatte. Die verfolgte und belästigte sie praktisch rund um die Uhr. Telefon, SMS, auflauern oder mit dem Auto nachfahren – die 31-Jährige wollte die Trennung nicht wahrhaben und setzte das ganz Programm ein, das heute unter dem Begriff Stalking zusammengefasst wird.

Die Folgen waren gravierend. Nicht nur die 41-Jährige hatte Angst und bekam gesundheitliche Probleme, musste Beruhigungsmittel nehmen. Auch ihr Sohn litt unter den Attacken und eine neue Beziehung zu einem Mann ging in die Brüche. „Ich bin heute noch beschädigt“, sagte die Frau, die eine kurz vor der Verhandlung schriftlich übergebene Entschuldigung der Ex-Freundin nicht annehmen wollte.

Im Mai 2012 hatte das Gericht der Frau nach dem Gewaltschutzgesetz untersagt, die 41-Jährige weiter zu verfolgen und zu belästigen. Weil sie sich nicht daran gehalten hat, folgte im Juni ein Strafbefehl mit einer Geldstrafe wegen der Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz. Auch das interessierte die 31-Jährige nicht. Von August bis Oktober passierten die Fälle, für die sie jetzt vor dem Richter saß. Dort ließ sie ihren Rechtsanwalt eine Erklärung verlesen, in der sie alle Vorwürfe einräumte.

Das war ein Geständnis, das dem Gericht die Beweisaufnahme und der Ex-Freundin eine ausführliche Aussage ersparte. Es war aber auch ein durch verschieden spitze Bemerkungen gespicktes Geständnis, von dem der Richter sagte: „Ein bisschen Reue und Einsicht sehen anders aus.“ Die offensichtlich fehlende Einsicht und die Wirkungslosigkeit der Geldstrafe im Strafbefehl ließen die Staatsanwältin zu dem Schluss kommen, dass ein Geldstrafe nicht mehr das Mittel der Wahl sein kann.

Sie forderte vier Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Der Verteidiger hielt dies für das „Nachbeben einer gescheiterten Beziehung“ für überzogen: 50 Tagessätze hielt er für ausreichend. Am Ende war es das Dreifache. Die Kosten des Verfahrens kommen dazu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.