Derzeit sammelt Geiselwinds Bürgermeister Ernst Nickel in seiner Gemeinde Unterschriften seiner Bürger. Die Listen dazu liegen im Rathaus aus, in den Ortsteilen informieren Gemeinderäte oder -vertreter von Haus zu Haus, um das Ganze weiter zu verbreiten. Möglichst viele Geiselwinder sollen unterschreiben, denn es geht um eine Petition, die der Markt Geiselwind demnächst beim Bayerischen Landtag einreichen will.

Darin fordert die rund 2500 Einwohner zählende Gemeinde, dass der Fördersatz für die momentan laufende Sanierung der Wasserversorgung „deutlich angehoben und bereits für den Markt Geiselwind angewandt werden“, heißt es in dem Papier. Bürgermeister Nickel wird die Unterschriften am 17. Juli an Landtagspräsidentin Barbara Stamm überreichen, die an dem Tag in Castell ist.

Hohe Vorausleistung

Seit etwa zwei Jahren laufen die Arbeiten zur Erneuerung der Wasserversorgung in Geiselwind und den Ortsteilen. Bis Ende 2019 müssen sie abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten wurden mit etwa 8,7 Millionen Euro voraus berechnet, der Freistaat sicherte eine Förderung von 18 Prozent zu. Allerdings muss die Gemeinde 90 Prozent der Kosten in Vorausleistung erbringen. Ein dicker Brocken, an dem viele Bürger ziemlich zu schlucken haben. Je nach Fläche ihres Areals müssen die Grundstückseigentümer daran anteilig mit bezahlen.

Die Kommune hat die Beiträge in fünf Raten aufgeteilt, vier sind bereits eingezogen, die fünfte ist im September fällig. Eine sechste Schlussrate könnte hinzu kommen, auch weil der Hochbehälter in Geiselwind neu gebaut werden muss.

Bürger entlasten

Zwar hat der Freistaat Bayern in einem Fördertopf extra 70 Millionen Euro für so genannte Härtefälle im Bereich Wasserversorgung bereit gestellt, worunter Geiselwind fällt. Die daraus für seine Kommune zugesagte Zuwendung von 1,85 Millionen Euro erachtet Bürgermeister Nickel jedoch als zu wenig. Er wirft ein, dass für Projekte wie die Digitalisierung viel Geld zur Verfügung gestellt werde, beim Wasser nicht. „Wir brauchen mehr Geld, um die Bürger zu entlasten“, so sein Credo.

Zumal die Voraussetzungen in Geiselwind ungewöhnlich sind. Rund 52 Kilometer Leitungsnetz hat die Gemeinde mit ihren 17 Ortsteilen zu unterhalten, was bei der im Verhältnis niedrigen Anzahl der Einwohner ins Gewicht fällt. Pro Einwohner muss ein bestimmter Wert an Bausumme überschritten werden, um überhaupt in den Genuss der Förderung zu kommen, erläuterte Verwaltungsleiter Wilfried Hack. Lediglich ganze zwei Kommunen in Unterfranken schafften das, eine davon ist Geiselwind. In ganz Bayern gebe es „vielleicht sieben bis acht Gemeinden“, schätzt Bürgermeister Nickel, die das abgreifen.

Grund für die Petition

Also folgert das Gemeindeoberhaupt, dass der Freistaat im speziellen Fall von Geiselwind eine höhere Zuwendung ausschütten könne, weil ja Geld im Fördertopf vorhanden sei. Darauf zielt die Petition, für die Nickel die Bürger gewinnen will. Er ist zuversichtlich, dass sie erfolgreich sein werde. „Ich bin optimistisch. Das Geld würde sofort an die Bürger weiter geleitet, das wäre ein Traum.“ Das hieße wohl, dass dann wohl keine weitere Rate mehr nach den fünf bezahlten auf die Bürger zukomme.

Der Zeitpunkt für den Antrag beim Freistaat sei zudem günstig, im Oktober stünden die Wahlen zum Landtag an. Bis dahin weiß die Kommune Bescheid, ob es was wird mit der Zuwendung. Die Listen werden am 17. Juli überreicht. Das Gremium hat dann vier bis sechs Wochen Zeit, um den Antrag im Petitionsausschuss zu behandeln und eine Entscheidung zu fällen. Doch zunächst will auch Bürgermeister Nickel noch weitere Unterschriften der Bürger zur Unterstützung sammeln.