Für Demokratie und Menschenrechte, gegen Intoleranz: In vierter Auflage fand eine Demonstration unter diesem Motto statt, organisiert vom Arbeitskreis Ge(h)wissen. Statt auf dem Kitzinger Marktplatz stehend, saßen die Teilnehmer wegen möglichen Regens in der Ratshaushalle, die gut gefüllt war. Hanjo von Wietersheim bat alle, sich ein Stück von dem Gehörten mitzunehmen und an andere weiterzugeben.

Alle Demokratinnen und Demokraten sind aufgerufen, sich für Demokratie und Menschenrechte einzusetzen und die wichtigen Errungenschaften unserer Gesellschaft aktiv zu stärken und gegen intolerante und nationalistische Strömungen zu verteidigten. Mit diesen Worten hatte der Arbeitskreis Ge(h)wissen zu der Demonstration am Tag der Deutschen Einheit aufgerufen und viele konnte Kitzingens Bürgermeisterin und Integrationsreferentin Astrid Glos begrüßen.

Im Mittelmeer ertrinke die Menschenwürde

Hochschulpfarrer Burkhard Hose sagte, dass er am 3. Oktober die Bevölkerung feiere, die miteinander verbundenen Menschen. Die Würde jedes Menschen hob er als zentralen Punk heraus.

In ruhigen Worten, die umso mehr bewegten, erzählte die Würzburger Ärztin Barbara Hammerl-Kraus von Sea-Eye-Lokalgruppe von ihrer Arbeit. Sie beklagte, dass die Seenotrettung im Wahlkampf kein Thema gewesen sei und sie klagte die EU an, die lieber die libysche Küstenwache unterstütze. Auch gebe es immer noch kein Verteilungssystem für Flüchtlinge in Europa. "So lange Menschen noch im Mittelmeer ertrinken, ertrinkt mit ihnen die Menschenwürde", sagte die Ärztin.

Der Imam der Ahmadiyya Gemeinde Kitzingen, Shergil Khan, zitierte aus dem Koran Stellen, die die Vielfältigkeit der Menschen belegten. Der Imam sprach auch von einem geschaffenen Schutzmantel für alle Menschen.

Antisemitismus noch immer ein Problem

Auf Antisemitismus und Antijudaismus lenkte Dekanin Kerstin Baderschneider den Blick und fragte, warum sich noch nichts geändert habe. Immer noch hielten sich bestimmte Bilder. Deshalb dürfe nicht Schluss sein mit der Aufarbeitung. Sie wünscht sich mehr Begegnungen und mehr Austausch.

Den Fokus ihrer Worte setzte die Landtagsabgeordnete Barbara Becker auf die Religionsfreiheit, die ein Menschenrecht ist. Dieses Recht sei heute in vielerlei Hinsicht bedroht. Mehr als drei Viertel aller wegen ihrer Religionszugehörigkeit Bedrängten seien Christen, erläuterte sie. "Wir hier in Deutschland können Vorbild sein für das friedliche Zusammenleben der Religionen."

Gerald Möhrlein von der AWO Unterfranken erzählte von Treffen mit Kindern und Jugendlichen, die sich über den stärker werdenden Rassismus Sorgen machten. Die Jugend sähe in der Bildung die Lösung. Auch forderten sie zum Nachdenken auf und zum Zusammenhalt.

Richard Roblee gestaltete die Veranstaltung musikalisch. Den Song "We shall overcome" ließ er am Schluss von den Besuchern singen, die auch schon zuvor Europa- und Nationalhymne gesungen haben.