Es ist schön, begehrt zu werden. Gefragt zu sein. Wenn sich alle um einen reißen. Auf dem Brief stand: „Wir wollen Dich!“ Eigentlich hatte ich nicht vor, mich arbeitsmäßig zu verändern. Aber anschauen kann man sich das Angebot ja mal. Komischerweise kam der Brief von einem Polizeipräsidium in Nordrhein-Westfalen und unter dem „Wir wollen Dich!“ stand noch „Komm mit auf Streife!“

Hört sich nicht gerade nach einem Angebot an, das Amt des Polizeipräsidenten zu übernehmen. Streifendienst – eigentlich ein Grund, den Brief ungelesen wegzuwerfen. Dummerweise habe ich dann doch reingeschaut. Man wollte nicht mich, sondern mein Geld. 20 Euro für eine „Verkehrsordnungswidrigkeit“. Statt 100 war ich auf der Autobahn 112 gefahren.

Damit setzt sich eine lange Serie von Problemen fort, die ich mit der Polizei habe. Seit jeher. Das ging schon in der Jugend los, als ich zum ersten Mal von einer Polizeistreife gestoppt und nach Führerschein und Fahrzeugschein gefragt wurde. Woraufhin ich nur verständnislos mit dem Kopf schütteln konnte: „Führerschein? Welcher Führerschein? Ich dachte den gibt's erst mit 18?“

Das war jetzt natürlich nur ein Scherz. Weil ich nie öffentlich zugeben würde, jemals schwarz gefahren zu sein. Schon gar nicht über irgendwelche Wald- und Wiesenwege hinter dem Elternhaus.

Aber um noch mal auf die angeblich zu schnell gefahrenen zwölf km/h zurückzukommen. Ich kann das nicht gewesen sein. Es muss sich um eine Verwechslung handeln. Wobei ich gar nicht bestreite, zur fraglichen Zeit am fraglichen Ort gewesen zu sein. Doch die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten zu haben – das kann einfach nicht sein.

Im Gegenteil: Eher war ich viel zu langsam, bin geradezu gekrochen. Das lässt sich sogar beweisen: Ich befand mich damals nämlich auf dem Weg zu meiner Schwiegermutter.