Einige Mitarbeiter sind schon seit Mai im Rettungszentrum untergebracht - und begeistert. Die Bürger können sich am Sonntag davon überzeugen.
Es riecht noch ganz frisch. Und so sieht es auch aus. Das neue Rettungszentrum, das der Markt Wiesentheid in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Roten Kreuz errichtet hat, ist ein kleines Schmuckstück – und dennoch funktional. Am Sonntag wird es mit einem Festakt offiziell seiner Bestimmung übergeben.
Seit Ende Mai sind die haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräfte bereits in dem rund 700 Quadratmeter großen Bau in der Korbacher Straße untergebracht. „Es hat sich alles wunderbar eingespielt“, sagt Christian Sturm. Etliche Einsätze sind schon gefahren worden. „Der erste ausgerechnet am Tag des Umzuges“, erinnert sich der Bereitschaftsleiter des BRK in Wiesentheid. Die rund 60 Mitglieder der Bereitschaft seien jedenfalls begeistert von den neuen Räumen. Die Bevölkerung kann sich am Sonntag, von 11 bis 18 Uhr, beim Tag der offenen Tür einen Eindruck von dem Neubau verschaffen.
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Wege sind kürzer geworden
„Hier sind drei Standbeine unter einem Dach untergebracht“, freut sich der Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes, Harald Erhard. Die Folge: Synergieeffekte, die jetzt deutlich besser genutzt werden, weil die Wege viel kürzer geworden sind. Bis zum Umzug war der Rettungsdienst auf dem Gelände des Blutspendedienstes untergebracht. Die Kapazitäten reichten allerdings nicht mehr aus. Gleiches galt für die Bereitschaft, die am Marienplatz, mitten im Ort untergebracht war. 2009 zogen die Fahrzeuge ins ehemalige Feuerwehrhaus in der Frommgasse. „Das war schon nicht ideal“, erinnert sich Sturm.
Noch schwieriger wurde die Situation, als vor drei Jahren die Decke im Lehrsaal am Marienplatz einbrach. „Eine Sanierung wäre nicht zielführend gewesen“, betont Sturm. Die Gemeinde entschied sich – in enger Abstimmung mit dem BRK vor Ort – für einen Neubau. „Die richtige Entscheidung“, sagt Bürgermeister Werner Knaier und blickt sich um. Jetzt gibt es einen hellen und geräumigen Schulungsraum und eine modern eingerichtete Küche. Der Notarztdienst und die ehrenamtlichen Einsatzkräfte finden auf dem Gelände ebenfalls ein zweckmäßiges Umfeld.
Mehr Platz musste her
„Die Notärzte haben für ihre Arbeit einfach mehr Platz gebraucht“, sagt Knaier und führt in das Zimmer, in dem Bett, Schreibtisch, TV und ein separates WC mit Dusche eingebaut sind. „Ärzteappartement“, nennt es Harald Erhard scherzhaft und zählt die Vorteile auf: Nach dem Einsatz kann sich der Notarzt zurückziehen und sich ausruhen. Er kann sogar seine Familie empfangen, wenn der Dienst auf ein Wochenende fällt. Hat er Lust auf Geselligkeit, geht er einfach einen Stock tiefer. Sechs bis zehn haupt- beziehungsweise ehrenamtliche Kräfte verrichten dort über den Tag verteilt ihren Dienst – es sei denn, sie sind zu einem Einsatz gerufen worden.
Der findet in einem Radius von rund 20 Kilometern statt. Dank der Lage im Gewerbegebiet in Richtung Rüdenhausen, sind die Rettungskräfte schneller als früher auf der Autobahn. Wobei: „Internistische Einsätze sind nach wie vor häufiger“, sagt Erhard. Kreislauf- oder Herzprobleme beschäftigen die Männer und Frauen am häufigsten. Die vielen Einsätze bei den Weinfesten im Landkreis nicht zu vergessen.
Absprachen sind einfacher
Kreisgeschäftsführer Erhard ist stolz auf die Entwicklung in Wiesentheid. Nicht nur wegen des Neubaus, der vom Spatenstich bis zur Fertigstellung weniger als ein Jahr dauerte. Erhard imponiert auch die Altersstruktur der ehrenamtlichen Helfer vor Ort. „Das Durchschnittsalter liegt bei 25 Jahren“, informiert Bereitschaftsleiter Christian Sturm, selbst gerade mal 33 Jahre alt. Rund 8900 Stunden haben die Frauen und Männer im vergangenen Jahr ehrenamtlich geleistet. 45 Mal sind sie mit dem Rettungswagen ausgerückt.
Die hauptamtlichen Kräfte kamen auf etwas mehr als 1500 Einsätze im Rettungswagen. „Durch den gemeinsam genutzten Bau könnte die Zahl noch steigen“, meint Sturm. Ehrenamt und Hauptamt sind jedenfalls besser miteinander verzahnt. „Die Absprachen sind einfacher geworden.“ Nicht nur das. Der Standort im Gewerbegebiet ermöglicht deutlich mehr Stellplätze. „Und es gibt auch keine Anlieger mehr, die sich über zugeparkte Zufahrten ärgern müssen“, ergänzt Sturm. Die gute Anbindung hat sich schon ganz praktisch ausgewirkt. Die Ausrückzeiten sind kürzer geworden. Und beim Rettungsdienst zählt nun mal jede Sekunde.
Vertrag über zehn Jahre
Rund eine Million Euro hat der Neubau gekostet, die Gemeinde ist Träger, das BRK hat die Räume angemietet. Auf zehn Jahre ist der Vertrag zunächst geschlossen. „Dann sehen wir weiter“, meint Erhard. Ein Teil des Grundstücks ist ganz bewusst unbebaut geblieben. „Wer weiß“, sagt Bürgermeister Knaier. Vielleicht denken wir eines Tages an eine Erweiterung.