Für die einen gibt es keine Alternative, die anderen kämen niemals auf die Idee: Baden im Main. Trotzdem, oder deswegen, werden die Badestellen und sandigen Abschnitte am Mainufer im Landkreis immer beliebter.

In Marktsteft probten die Anwohner gerade den Aufstand, sperrten den Parkplatz und planten eine Art Sitzstreik. So wollten sie nicht nur die überwiegend auswärtigen Badegäste, sondern auch die Verantwortlichen im Rathaus auf die im wahrsten Sinne ausufernde Situation aufmerksam machen. Aber: Wer ist denn überhaupt verantwortlich? Und wie läuft es in anderen Main-Gemeinden?

Martina Michel von der Marktbreiter Außenstelle des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Würzburg bringt ganz schnell Klarheit in die undurchsichtige Lage. „Die Gemeinden pachten die Grundstücke“, erklärt sie.

„Für null Euro.“ Was jede einzelne dann aus ihrem Uferabschnitt macht, ist ihre eigene Sache, muss aber immer mit dem Amt abgesprochen werden. „Das alles läuft unter dem Stichwort „Mainufergestaltung“ und obliegt der Gemeinde.“

Höpper auf der „Gelben Welle“

In diesem Zuge wurde zum Beispiel in Albertshofen eine Anlegestelle für Wasserwanderer, die ihre Fahrzeuge mit Muskelkraft bewegen, installiert.

Die Gemeinde ist dafür vor zehn Jahren auf der „Gelben Welle“ mitgeritten, einem Projekt, das als Ergänzung zum Rad- und Wanderwegenetz im Landkreis gilt. In diesem Zuge griffen die Albertshöfer zur Selbsthilfe und schufen eine Bucht mit Sand- und Kiesstrand als Anleger. Der wird heute hauptsächlich von den Einheimischen besucht – und gepflegt. „Da fliegt nicht mal eine einzelne Kippe herum“, freut sich Bürgermeister Horst Reuther darüber, wie sorgfältig die Albertshöfer mit „ihrem“ Strand umgehen.

Viel Platz für Gäste bleibt dort nicht übrig, das haben Bürgermeister und Einwohner aber auch nicht beabsichtigt. Und Schwimmen ist ohnehin schwierig: Um den Zugang zum tiefen Wasser zu sperren, haben die Helfer dort einen schweren Steinhaufen aufgeschüttet.

Diese und alle anderen baulichen Maßnahmen mussten vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt genehmigt werden. Ansonsten mischt sich das Amt nicht groß in die Nutzung der verpachteten Flächen ein. Martina Michel weiß aber, dass die wenigsten Badestellen in Bayern offiziell als solche gemeldet sind. „Das wäre mit weiteren Auflagen verbunden, und die wollen die wenigsten Gemeinden.“ Dazu gehören zum Beispiel verschiedene Abstands-, Hygiene- und Aufsichtsregelungen – auch schon vor Corona.

Das Baden im Main ist aber grundsätzlich nicht verboten, sondern im Rahmen der Bayerischen Badeverordnung durchaus erlaubt. Wichtig für die Gemeinden mit inoffiziellen Badestränden ist der Hinweis: Baden auf eigene Gefahr. „Jeder Besucher ist für sich selbst verantwortlich“, sagt Martina Michel.

In Sulzfeld gibt es sogar eine Wasserwacht-Ortsgruppe, das Baden an der Mainlände zu beaufsichtigen ist dort aber nicht nötig. Vor einigen Jahren wurden Park- und Wohnmobilstellplätze angelegt, auf dem Alten Sportplatz findet sich heute eine große Spiel- und Freizeitwiese und direkt am Ufer eine kleine Badebucht.

Neben dem Einstieg auf Sand können sich die Besucher auch auf die Natursteinterrasse setzen und die Beine im Wasser baumeln lassen. Zu viele werden es selten. „Dafür ist die Bucht zu klein“, sagt Bürgermeister Matthias Dusel und sieht sich weit entfernt von den Verhältnissen auf der anderen Mainseite.

„Wir haben keine Schwierigkeiten.“ Eine Ausnahmesituation erlebe er zwar gerade mit den Campern, von einem überlaufenen Badestrand könne man in Sulzfeld aber nicht sprechen. Dabei finden die Besucher im „Bauwagen“ ein kleines gastronomisches Angebot vor, Toiletten sind ebenfalls vorhanden.

„Natürlich sind am Montagfrüh nach einem Sommerwochenende auch bei uns die Papierkörbe voll“, gibt Dusel zu, sagt aber auch: „Die Gemeinde hat den Platz gestaltet und sorgt dafür, dass er ordentlich aussieht.“

Initiative der Einheimischen

Die Badestelle in Marktsteft ist – und das macht wohl auch ihren besonderen Reiz aus – nahezu vollständig naturbelassen. Den Einheimischen liegt sehr viel daran, dass sie trotzdem nicht sich selbst überlassen wird. Schon vor Jahren bildete sich eine Initiative namens „M.S.H.“ („Marktstefter Sandhasen“), die das Gelände pflegte, das sandige Ufer von übermäßigem Bewuchs freischnitt, Müll entsorgte, Hinweisschilder aufstellte.

Diese Aufgaben müssen nun andere übernehmen. Ob das letztlich engagierte Bürger oder Mitarbeiter der Stadt sind, spielt keine Rolle. Martina Michel erklärt jedenfalls: „Die Gemeinden sind für die gepachteten Flächen selbst zuständig.“