In diesen Zeiten fallen Veranstaltungen wie ein "Astronomischer Evensong" besonders auf, viele Menschen lechzen nach Kultur und freuen sich, wenn sie daran teilhaben können. Für die Organisatoren bedeuten diese Veranstaltungen, unter den Hygienevorschriften alles bis ins kleinste Detail vorzubereiten. Regionalkantor Christian Stegmann begab sich am Samstag geradezu in himmlische Sphären. In dem Evensong, einer ursprünglich aus der anglikanischen Kirche kommenden Abendandacht mit Psalmengesängen, griff er gemeinsam mit einem Vokalquartett und Pater Christoph Gerhard nach den Sternen. Dieser betreut im Kloster Münsterschwarzach die Sternwarte und hat so einen lebendigen Bezug zu den Himmelskörpern. In seiner Ansprache stellte er auch mit Bildern aus dem Weltall die Schönheit der Sterne heraus und appellierte am Ende an die Menschen, die wunderbare, wohl einzigartige Schöpfung Erde zu erhalten.

Nun wäre eine solche Andacht kein richtiger Evensong, wenn keine Musik dabei wäre: Ein Vokalquartett aus den Chören von St. Johannes (Katrin Pfeuffer, Christine Stoppel, Bernhard Kressirer und Rüdiger Krehbiel) widmete sich ebenfalls den himmlischen Körpern. Neben Psalmvertonungen erklangen "Die Himmel rühmen die Ehre Gottes" von Ludwig van Beethoven und "Der Mond ist aufgegangen" in der Fassung von Max Reger. Gerade dieses letzte Stück entfaltete im Kirchenraum in seiner Einfachheit die größte Wirkung und schwebte gleichsam lichterfüllt von der Empore auf die Zuschauer hinunter.

Natürlich reihte sich auch die Königin der Instrumente in diese himmlische Musik ein. Stegmann ließ impressionistische Orgelwerke von Sigfried Karg-Elert in der abgedunkelten Kirche sich im Raum entwickeln, aus den "Drei Impressionen" op. 72 spielte er "Mondschein" und "Abendstimmungen". Man konnte sich gut einfühlen in diese Musik, Steigerungen bauten sich auf und ruhige, flächige Klänge ließen einen am Ende in die Ruhe der Nacht hineingleiten.

In der Einleitung und Begleitung des "Magnificat" entlockte der Organist der Vleugels-Orgel glitzernde Klänge und einzelne Töne hingen wie funkelnde Sterne einen Augenblick lang im Kreuzgewölbe. Bereichert und dankbar gingen die Zuhörer aus dieser Andacht heraus, manch einer weilte wohl gedanklich noch in astronomischen Weiten, bis ihn – leider wegen des Regenwetters nicht in Betrachtung des Mondes – diese seltsame Wirklichkeit wieder erreichte, in der Corona nicht nur der Hof um einen Planeten ist.