Mitte Mai fand zum fünften Mal das Kitzinger Europaseminar statt; organisiert vom CSU-Ortsverband und der Paneuropa Jugend zur deutsch-französischen Zusammenarbeit. Das geht aus einem Presseschreiben von Daniel Nagl von Paneuropa Jugend Unterfranken hervor, dem folgende Informationen entnommen sind: Bei einem Euro-Café erörterte Philipp Siegert (HSS Paris), dass politisch-kulturelle Unterschiede die Zusammenarbeit erschweren. Durch globale Präsenz sei in Frankreich strategisches Denken ausgeprägter als in Deutschland, das sich an wirtschaftlichen Interessen orientiere. "EU ohne strategisch-machtpolitische Grundlegung klappt aber nicht, da andere geopolitischen Akteure internationale Politik als Nullsummenspiel begreifen", so PEJ-Landesvorsitzender Frederik Ströhlein (Albertshofen). Neben Zukunftsprojekten – etwa Batterien, Wasserstoff und Datenwirtschaft – sei es daher wichtig, zeitnah zu klären, was Europa sein wolle.

Nach der Vorführung des Antikriegsfilms "Die große Illusion" diskutierte der PEJ-Regionalbeauftragte Daniel Nagl (Kitzingen) im Roxy Kino mit Siegert, dem langjährigen Europaabgeordneten Bernd Posselt und dem Bezirksvorsitzenden der JU Schwaben, Manuel Knoll, die aktuelle französische Innenpolitik zwischen Präsidentschafts- und Parlamentswahl und ihre Auswirkungen aufs "Couple franco-allemand". Da in Frankreich eher Bewegungen um charismatische Führungspersönlichkeiten existieren, sei die Gefahr einer Beeinflussung durch ausländische Propaganda und die Sammlung Unzufriedener an den Rändern größerer, waren sich Posselt und Knoll einig. Putin finanziere daher Kommunisten wie Faschisten. Hauptsache gegen Europa.

Vorschlag: Neun-Euro-Ticket europäisch verlängern

Durch eine grundsätzlich proeuropäische Einstellung der Mehrheit der Franzosen, biete eine "Bewegungs-Parteienlandschaft" aber auch Chancen. "Ich war 2019 auf dem Kongress der Jungen Republikaner. Bei uns wurden die, neben En Marche, für politisch tot erklärt. Dann sind da 10.000, die über Politik diskutieren und sich auch dafür interessieren, wie man Frankreich oder einzelne Themen im Ausland sieht", so Knoll. Diesen Austausch gelte es zu intensiveren.

Ein Mittel, berichtete Posselt aus seiner Jugend, sei Interrail. Durch hohe Kosten sei dies heute wenig attraktiv, so Katja Schuppert (Schweinfurt). Da auch von den verlosten, kostenlosen Tickets für 18-Jährige, die der Paneuropäer Manfred Weber initiierte, nur wenige profitieren, warf Nagl eine Idee für einen CSU-Parteitagsantrag auf: das 9-Euro-Ticket europäisch verlängern. "Energiekosten steigen europaweit. Mit einem bezuschussten Interrail für alle könnte man zur Arbeit pendeln und bezahlbar Europa erleben und verstehen", angesichts der Rückkehr des Krieges nach Europa sei dies wichtiger denn je, so Nagl.

Eine von Michael Holl (Randersacker) geleitete Debatte zum Potential eines "Schüleraustausch" auf Staatssekretärsebene zwischen Deutschland und Frankreich rundete das Seminar am Stadtschoppen ab.