Lale stapft mit ihren blauen Gummistiefeln über den Acker. Mit der Gartenhacke zieht die Viertklässlerin eine Furche in die Erde. Dann platziert sie alle 30 Zentimeter eine Kartoffel und tippt sie leicht mit dem Fuß in den Boden: "Damit sie nicht verrutscht", erklärt die Schülerin. Ihre beiden Klassenkameradinnen Carolin und Nadja von der St.-Hedwig-Grundschule schieben mit der Hacke die Erde über die dunkle Knolle. Wie das geht, wissen die beiden schon: "Ich helfe auch meiner Mama im Garten bei den Gurken", sagt Nadja.

Die Grundschulkinder waren zu Besuch auf dem Bauernhof von Florian und Sandra Wallochny in Marktbreit. Dort drehte sich alles um die Kartoffel und das Korn.
Beim Erlebnistag durften die 50 Schüler riechen, schmecken, sehen und vor allem anpacken.


Mit allen Sinnen ins Gedächtnis

"Was die Kinder mit allen Sinnen wahrnehmen und selber in der Hand hatten, bleibt lange haften", sagt Annette Seizer. Sie ist Klassenlehrerin des dritten Jahrgangs. Zwar werde "gesunde Ernährung" auch im Unterricht behandelt, trotzdem bleibe es meist beim Theoretischen. "Die Kinder kennen die Nahrungsmittel oft nur aus dem Supermarkt." Auch deshalb gebe es einen Obsttag in der Schule, an dem den Schülern frische Früchte angeboten werden. Es sei besonders wichtig, dass die Kinder lernen, wie die Früchte entstehen und was passiert, bevor sie im Regal liegen. "Dafür sind wir hier auf dem Bauernhof genau richtig."


Stroh statt Stuhl

Die Schüler der dritten Klasse sitzen in der Scheune von Florian Wallochny. Heute nicht wie im Klassenzimmer auf Stühlen, sondern auf Strohquadern. Vor ihnen steht der 29-jährige Landwirt und erklärt, wo Getreide angebaut wird, welche Sorten es gibt und was man mit ihnen anfängt. Dass er Pflanzenschutzmittel einsetzen muss und wie der Müller das Korn weiterverarbeitet. "Das ist ganz weich", sagt Marla, als sie ihre Finger ins Mehl taucht. "Was die Kinder sehen und anfassen können, das nehmen sie mit", sagt Florian Wallochny.

Zusammen mit seiner Frau führt der Landwirt die Kinder zum Ursprung der Nahrungsmittel. Das wird immer wichtiger, denn "der Bezug zur Landwirtschaft verschwindet." Der 29-Jährige erklärt sich das damit, dass die Betriebe immer größer werden, weil sie sich der Massenproduktion zuwenden, um im Wettbewerb zu bestehen. "Der Kontakt geht so verloren." Deshalb sei es wichtig, die Kinder an die Landwirtschaft heranzuführen.

Ginge es nach der Lehrerin Annette Seizer, passiere das eher früher als später: "Die Kinder sind jetzt genau im richtigem Alter. Sie wollen jetzt selbst etwas tun."


Quark ersetzt Schokolade

Dann dürfen die Drittklässler auch selber ran: Aus Mehl, Haferflocken, Sonnenblumen- und Kürbiskernen, Wasser, Salz und Öl kneten sie einen Brotteig.Weil das Quellen und Backen zu lange gedauert hätte, haben Florian Wallochny und seine Frau schon am Tag zuvor ein Knäckebrot vorbereitet, damit die Schulkinder auch probieren können. Darauf streicht Sandra Wallochny hausgemachten Kräuterquark. Alle Schüsseln waren ausgekratzt, so gut kam der an: "Da schmeckt sogar der Kräuterquark und die Schokolade bleibt liegen", sagt Annette Seizer. Sie ist begeistert: "Wenn etwas selbstgemacht ist, schmeckt es eben gleich noch besser."


Ohne Frühstück zur Schule

Die Lehrerin merkt, welche Kinder sich mit Lebensmitteln schon besser auskennen. "Andererseits gibt es aber auch Kinder aus sozial schwachen Familien, die ohne Frühstück oder Pausenbrot zur Schule kommen." Vor allem für die Kinder sei der Tag ein Erlebnis gewesen.

"Die Schulkinder sind die Verbraucher von morgen", sagt Christine Bender vom Landwirtschaftsamt in Kitzingen. Sie betreut und organisiert das Lernprogramm auf dem Bauernhof. "Die Schüler sollen nicht nur lernen, wo die Lebensmittel herkommen und wie sie produziert werden, sondern auch den Wert der Landwirtschaft in ihrer Umgebung wertschätzen." Der Landwirtschaftsrätin geht es um das große Ganze: "Natur, Landwirtschaft und Umwelt kennenlernen und erleben." Und dabei noch das richtige Einkaufsverhalten und Verantwortungsbewusstsein vermitteln.


Besser essen

Die Lehrerin sieht in dem Vormittag nicht nur einen Ausflug: "Das war richtiger und direkter Unterricht." Sie glaubt, dass auch die Essgewohnheiten der Schüler positiv beeinflusst werden.

"Jedenfalls wissen die Schüler jetzt, dass es zum Brotbacken keinen Backautomaten braucht", sagt Florian Wallochny. "Und, dass Chips nicht aus dem Supermarktregal kommen, sondern aus der Erde", sagt seine Frau und lacht.