Zum 875. Jubiläum der Ersterwähnung von Segnitz, die dieses Jahr mit einem Veranstaltungsreigen gefeiert wird, lohnt sich auch ein Blick in die Geschichte der einst lebendigen jüdischen Kultusgemeinde und ihrer Synagoge. Vor 120 Jahren, am 23. März 1897, wurde die Segnitzer Synagoge verkauft.

Die Notariatsurkunde von 1897 unterzeichnete Samuel Spier als letztes Mitglied der Segnitzer Kultusgemeinde und ehemaliger Leiter des Brüsselschen Instituts. Käufer des Anwesens in der heutigen Linsengasse war der „Oekonom“ Valentin Meuschel. Dieser veräußerte das Haus nur wenig später an die Gemeinde Segnitz, die damals ein geeignetes Objekt für ein Armenhaus suchte.

Lehrer, Schächter, Vorsänger

Zu dieser Zeit existierte die jüdische Gemeinde von Segnitz aber schon lange nicht mehr und auch das Brüsselsche Institut hatte seinen Schul- und Internatsbetrieb bereits 1881 eingestellt.

Mit der allmählichen Lockerung der heimatrechtlichen Gesetze für die Juden im Königreich Bayern in den 1860er Jahren, spätestens aber mit der völligen Gleichstellung im Deutschen Reich ab 1871 verließen immer mehr Landjuden ihre Heimatdörfer, um sich in wirtschaftlich interessanteren Orten und Städten anzusiedeln.

Erst Armenwohnung, dann Leerstand

1871 gab es in Segnitz nur noch vier jüdische Bürger, die in religiösen Angelegenheiten ohnehin schon seit geraumer Zeit von Lehrern des Brüsselschen Instituts betreut wurden. Die Synagoge diente zudem seit dem Wegzug der letzten Religionslehrerswitwe um 1880 zeitweise als Armenwohnung und stand zuletzt leer.

Das Gebäude in der Linsengasse war seit März 1786 Eigentum der israelitischen Kultusgemeinde von Segnitz. Bis dahin fanden die Gottesdienste und der Religionsunterricht in Privatwohnungen statt. Nach Verhandlungen mit der Gemeinde und mit den Dorfherren Ansbach und Zobel genehmigte man der „hiesigen Judenschaft die Errichtung einer Synagoge in dem erkauften Schuhmacher Pfeifferschen Haus“.

Dort wohnte fortan der „Judenschulmeister“, der auch den Vorsänger- und Schächterdienst zu erledigen hatte.

Religionsunterricht im Wohnzimmer

Der Unterricht für die Religionsschüler spielte sich im Wohnzimmer des Lehrers ab. Die Plätze im Betraum, das heißt die „Männer- und Frauenstände“ waren ein, an das jeweilige Wohnhaus der Gläubigen gebundenes Recht. Das Gebäude hatte zwei Eingänge, von denen einer zur Wohnung und der andere zur Synagoge führte. Die Mikwe befand sich unter dem Betraum. Sie war 4,50 m tief und wurde mit dem Grundwasser des Mains gespeist, was allerdings je nach Pegelstand Probleme mit der Temperatur, der Tiefe und der Beschaffenheit des Wassers zur Folge hatte.

Die Namen der Religionslehrer und Vorsänger des 19. Jahrhunderts aus Segnitz sind mit Abraham Treu, Julius Brüssel, Marx Oberndorfer und den Institutslehrern Isaak Silberschmidt, Isaak Ullmann und Maier Schmidt bekannt. Vorher werden bis 1803 Simon Jandoff und sein Sohn Assor Leon Buchbinder als Bewohner der Synagoge und als Vorsänger genannt.

Das letzte begüterte Mitglied

Nach der Auflösung der Kultusgemeinde und der Einstellung des Lehrbetriebes am Brüsselschen Institut versuchte Samuel Spier „als das zur Zeit letzte begüterte Mitglied der früheren Cultusgemeinde, der seit vier Jahrzehnten alle Auslagen der, der Cultus-gemeinde gehörenden Synagoge allein bestritten hat“, die Synagoge, die Institutsgebäude und das Inventar zu verkaufen. Zuletzt brachte er 1897 die Synagoge zum Preis von 660 Mark an den Mann, beziehungsweise an die Gemeinde Segnitz. Warum dieser Deal aber nicht direkt zwischen Spier und der Gemeinde abgewickelt wurde, bleibt wohl für immer ein Geheimnis.

Ab 1920 diente das Haus als Wohnung für den Gemeindediener und weiteren Familien als Sozialunterkunft. Später gelangte es in Privatbesitz und wurde 1979 aus- und umgebaut. Einzig die Spur einer Mesusa an einem der Eingänge erinnert noch an die einstige religiöse Bedeutung.