Maria Teresiña Pinto und ihr Mann Salvio Joao sprachen ihren Landsleuten aus der Seele, als sie ihre Gefühle beschrieben, die sie von Rödelsee mit nach Hause - nach Brasilien - nehmen. "Die Leute sind so gastfreundlich und so offenherzig, auch das kalte Wetter und der Regen machen nichts. Es ist so schön gewesen. Wir haben viele schöne Städte gesehen."

Die beiden Vorsitzenden des Musikvereins Rödelsee, Johannes Wandler und Ulrich Heß, hatten zusammen mit Rudolf Wandler den Aufenthalt in Rödelsee für ihre brasilianischen Freunde organisiert - und dafür viel Lob bekommen.

Gleich am Dienstag besuchte die fast 50 Personen zählende Gruppe die Domstadt Würzburg. Am Abend wurden die Gäste in die deutsche Tradition des Maibaumholens eingeweiht.
Dabei ließen die singenden Brasilianer es sich nicht nehmen, für ihre Rödelseer Freunde das erste Konzert zu geben.

Der Chor aus dem brasilianischen Blumenau hat in diesem Jahr seine 25-jährige Freundschaft mit dem Musikverein Rödelsee zu feiern. Viele Chormitglieder sprechen sehr gut deutsch und tragen heute noch deutsche Familiennamen.

Trotz allem war es für sie dann doch etwas ungewöhnlich - aber auf einer solchen weiten Reise macht man gerne viel mit - , dass sie am Mittwoch schon um 8 Uhr zu einem "Weißwurstfrühstück" eingeladen wurden. Das Bier war glücklicherweise alkoholfrei. Schließlich ging es gleich anschließend weiter nach Miltenberg und am Nachmittag stand ein Empfang beim Kitzinger Hofrat auf dem Programm.

Eine pure Herausforderung war auch der Donnerstag: Die brasilianischen Sangesfreunde besuchten Bamberg und Bayreuth; zurück ging´s über die Fränkische Schweiz.

Gewinnende Sympathie

Angelina Wittmann ist für die Öffentlichkeitsarbeit des "Centro Cultural 25 de Julho de Blumenau" - so der offizielle Name des Chores - verantwortlich. Sie ist immer gut aufgelegt und überwindet mit gewinnender Sympathie ihre fehlenden Deutschkenntnisse. Das Übersetzen übernimmt stets ihr Mann Roberto. Als ihre Gastgeber - Heinz und Annette Zippelius - erfuhren, dass sie hauptberuflich Architektin ist, luden sie Angelina und ihren Mann Roberto spontan zu einem ganz besonderen Ausflug ein: zu einer Sight-Seeing-Tour rund um die architektonischen Sehenswürdigkeiten der Umgebung. Sie besuchten die Schlösser in Fröhstockheim und auf dem Schwanberg und vor allem die berühmten Figuren von Tilman Riemenschneider in der Antoniuskapelle in Großlangheim.

Heinz Zippelius entpuppte sich als orts- und geschichtskundiger Führer und präsentierte stolz die Schätze seiner Region. "Ich war selbst schon bei einer Reise des Musikvereins in Brasilien dabei gewesen", erklärte er, "und habe dort die einzigartige Gastfreundschaft genießen können. Deshalb war es für uns selbstverständlich, wenigstens einen Teil davon zurückzugeben".

Am Abend fanden sich alle wieder in der katholischen Kirche in Rödelsee zum Gottesdienst ein, bei dem der Chor auf eine solch rührende Weise mitwirkte, dass selbst die Chormitglieder mit den Tränen zu kämpfen hatten.
Am Freitag gab es noch eine Bahnfahrt nach Nürnberg, bevor es am Abend zum Abschiedsessen ins Rödelseer Musikheim ging. Die großen Emotionen wollten nicht enden. Der Chorleiter, José Carlos Oechsler, stockte immer wieder in seiner Dankesrede: "Wir sind sprachlos... Es ist unglaublich, was ihr für uns gemacht habt."