Dramatische Frostschäden bei Kirschen

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Frostschäden in Südbaden
Erfrorene Kirschen an einem Kirschbaum.
Frostschäden in Südbaden
Patrick Seeger (dpa)

Die Kirschernte hat begonnen, viele der roten Früchte gibt es aber nicht. Immense Frostschäden sind der Grund. Eine Chance, sich zu schützen, haben Obstbauern jedoch kaum.

Die Kirschernte in Franken hat begonnen – doch viel wird es wohl nicht zu ernten geben. Von „dramatischen Schäden“ spricht Thomas Riehl, Obstbau-Experte beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Kitzingen. In der Region gebe es Ernteausfälle bis zu 70 Prozent, bei einigen Betrieben sogar Totalausfälle. Allerdings sei dies regional sehr unterschiedlich und lasse sich nicht pauschalisieren.

Eine einzige Nacht sei Schuld an der „Katastrophe“ gewesen, so der Obstbau-Experte. In der Nacht auf den 20. April fielen die Temperaturen in Unterfranken auf bis zu minus sieben Grad (wir berichteten) . Das Problem: Die Kirschbäume standen zu diesem Zeitpunkt in voller Blüte – und waren dadurch besonders anfällig. Die Folgen der verheerenden Frostnacht werden erst allmählich sichtbar. Viele Kirschbäume tragen kaum Früchte.

Kaum Schutz vor Frost möglich

Nicht nur Kirschen seien betroffen, auch bei Birnen und Äpfeln gibt es laut Riehl „große Ausfälle“. Weniger schlimm als befürchtet habe es hingegen Zwetschgen getroffen. Und auch bei Erdbeeren seien die Ausfälle noch relativ gering, so Riehl.

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Für die Obstbauern gebe es kaum Möglichkeiten, sich vor Frost zu schützen, sagt Alexander Zimmermann, Versuchsingenieur für Obstbau an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Die sogenannte Frostberegnung sei in der Region wegen Wassermangels keine Option. „Für einen Hektar braucht man pro Stunde rund 30 000 Liter Wasser“, erklärt Zimmermann. Eine Möglichkeit seien Windräder, die kalte Luft vom Boden nach oben und warme Luft nach unten befördern. Denn: „Kalte Luft ist schwerer als warme und deshalb weiter unten.“ Diese Methode sei aber nicht nur sehr teuer; sie schaffe zudem lediglich eine Verbesserung von ein bis zwei Grad – zu wenig für die eisige Nacht im April.

Immerhin: „Es wird Kirschen geben“, sagt Zimmermann. Inwiefern sich die Ausfälle auf den Preis und somit auf die Verbraucher auswirken, sei aber noch unklar.