Obstbäume und Pappeln sind begehrte Wirte: Misteln lassen sich im Landkreis Kitzingen immer häufiger beobachten. Vor allem im Winter fallen die Halbschmarotzer auf.
Obstbäume und Pappeln sind begehrte Wirte: Misteln lassen sich im Landkreis Kitzingen immer häufiger beobachten. Vor allem im Winter fallen die immergrünen Halbschmarotzer auf, die als große, kugelige Büsche in kahlen Baumkronen hängen.
Für den Erwerbsobstbau scheint dies kein Problem zu sein, wie Thomas Riehl, Obstbauberater im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen, erklärt. Denn beim regelmäßigen Rückschnitt werden auch die Misteln entfernt. Dieser Schnitt soll nicht das ganze Gefüge des Baumes durcheinander bringen, rät Markus Schmitt vom Landschaftspflegeverband Kitzingen, aber an dünneren Ästen sei er angeraten.
Vor allem am Untermain
In Europa sind weiß- und rotbeerige Arten der Mistel vertreten, die auf rund 40 verschiedenen Baumarten siedeln. Neben Laubholzmisteln gibt es auch Tannen- und Föhrenmisteln, die in der Region keine Rolle spielen. In Franken ist die Mistel in den vergangenen Jahren verstärkt am Untermain Richtung Aschaffenburg vorgekommen.
1#googleAds#100x100
Betroffen sind auch Bäume im Landkreis Kitzingen: „Bei uns breiten sich Misteln relativ stark im Streuobstbestand aus, vor allem wenn die Bäume nicht mehr geschnitten werden“, meint Fachberater Riehl. „In die hohen Bäume will niemand rauf. Da können sich die Misteln festsetzen.“Haben die Samen der Halbparasiten einmal Fuß gefasst, dringen ihre Saugwurzeln durch die Rinde in den Baum ein und entziehen der Wirtspflanze Wasser und Nährstoffe. Die für ihr Wachstum benötigte Energie gewinnt die Mistel dann über ihre Blätter mittels Photosynthese. „Misteln können sehr große Büsche werden und schwächen die Bäume“, erklärt Riehl. Dies gelte insbesondere, wenn sie bereits durch Trockenheit, Pilze oder Krankheiten angeschlagen sind.
Befall beeinträchtigt Vitalität
Das beobachtet auch Mechthild Engert vom Amt für Gartenkultur und Landespflege in Kitzingen: „Der Wirt ist in jedem Fall bei großem Befall stark beeinträchtigt in seiner Vitalität.“ Sie schiebt ein, es sei „eine Frage der Menge“, und weist darauf hin, dass es normal sei, dass sich Arten ausbreiten. Dazu trage das Schneeballprinzip bei: Je mehr Pflanzen es gibt, desto mehr Samen können verbreitet werden. Damit dies geschieht, greift ein raffiniertes Räderwerk: Ab September reifen die weißen Beeren, in deren Mitte ein Kern steckt.
Sie dienen Vögeln als Nahrung, besonders der Misteldrossel. Durch den klebrigen Schleim in den Beeren bleibt der innen liegende Samenkern am Schnabel hängen. „Die Vögel streifen dann ihren Schnabel an der Rinde ab“, so dass unter den richtigen Bedingungen ein Keimling heranwachsen könne, informiert die Fachfrau.
Entwicklung dauert mehrere Jahre
Die Entwicklung der Pflanze dauert lange. Nur ein Sprossglied pro Jahr wächst die Mistel und erst nach sechs bis sieben Jahren blüht sie zum ersten Mal.