Ebrachs Bürgermeister erklärt, dass sich die Entwicklung bei der Erlebnis Akademie schon vor Ostern abgezeichnet habe. Der Ausstieg sei deshalb, als es so weit war, nicht wirklich überraschend gekommen.
Max-Dieter Schneider sieht die neue Situation ebenfalls mit einem lachenden und einem weinenden Auge. So habe sich die Gemeinde einerseits „genug bemüht“ und alles in ihrer Macht Stehende getan, um die Vorgaben zu erfüllen.
Genehmigung im Eiltempo
Von der kleinen Verwaltung und dem Gemeinderat war bekanntlich die rechtskräftige Bauleitplanung als Voraussetzung für die Genehmigung des Bauantrags im Eiltempo „durchgepeitscht“ worden. Sogar die Sitzungsferien des Gemeinderats wurden für die erforderlichen Sondersitzungen im Sommer 2013 gestrichen.
Die Ausschreibungsunterlagen für den Bau des Großparkplatzes am Radstein samt Linksabbiegespur sowie zur Erschließung des Baumwipfelpfades mit Wasser und Abwasser lagen ebenfalls schon fix und fertig in der Schublade. Am Ende hatte man sich, wie man weiß, umsonst gestresst.
Ein trotz alledem nicht unglücklich wirkender Bürgermeister betont: „Der Staat ist zwar nicht der schnellste Partner, aber der Verlässlichste.“ Schneider stellt weiterhin nüchtern fest: „Wenn die Herrschaften meinen, woanders mehr Geld verdienen zu können, soll es so sein.“
Der Ausstieg der Baumwipfelpfadbetreiber aus Bad Kötzting war allerdings nicht der erste Rückschlag auf dem Weg zum Baumwipfelpfad. Ursprünglich gab es einen zweiten Interessenten, und zwar aus Unterfranken. Der erhielt auch den Vorzug, nachdem er die Verantwortlichen mit seinem innovativen, auf die Region zugeschnittenen Konzept überzeugt hatte. Die Erlebnis Akademie, die sich im Wesentlichen mit einer „Kopie“ ihrer Anlage im Bayerischen Wald bewarb, musste sich zunächst mit dem zweiten Platz begnügen.
Die Verhandlungen mit dem favorisierten Betreiber aus Unterfranken waren auch schon weit gediehen, als dieser eines Morgens im August 2012 per E-Mail wissen ließ, dass er das Projekt nicht weiter verfolgen werde. Ein konkreter Grund für den Rückzieher wurde nie genannt.
So wurden erneut die Verhandlungen mit dem in Sachen Baumwipfelpfad erfahrenen Interessenten aus Bad Kötzting aufgenommen. Der überarbeitete daraufhin sein Konzept, um es auf den Standort im Steigerwald zuzuschneiden. Nachdem die Finanzierung gescheitert war, warf nun mit der Erlebnis-Akademie der zweite Investor das Handtuch.
Eröffnung im Schwarzwald
Unterdessen feiern die Bad Kötztinger nicht nur am 19. September die Eröffnung des Baumwipfelpfades im Schwarzwald, sondern bereits zuvor am Dienstag, 9. September, das fünfjährige Bestehen des Baumwipfelpfades vor ihrer Haustür in Neuschönau. Mit 1,75 Millionen Besuchern seit der Eröffnung gilt er als einer der Besuchermagneten.