Rund um die Uhr war der Volkacher Karl Memmel in den vergangenen Jahrzehnten mit der Pflege seines schwerkranken Sohnes und seiner krebskranken Frau im Einsatz. Seit 23 Jahren ist er Ortsvorsitzender des Volkacher VdK. Für seine Leistungen für die Familie und das ehrenamtliche Engagement für den Sozialverband wurde der 75-jährige Rentner dieser Tage mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

"In einer für die heutige Zeit nicht mehr selbstverständlichen Weise kümmerten Sie sich mit viel Liebe und Hingabe um Ihre schwerkranke Frau sowie Ihren pflegebedürftigen Sohn", stellte Bayerns Innen- und Kommunalstaatssekretär Gerhard Eck in seiner Laudatio fest. In Würzburg überreichte er dem rüstigen Senioren die Verleihungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Memmel ist ein Volkacher Urgewächs. Nach dem Schulabschluss erlernte er den Beruf des Großhandelskaufmanns, später den des Bankkaufmanns. Bis zum Eintritt in den Ruhestand 2010 war er bei der Raiffeisenbank Volkach-Wiesentheid beschäftigt. Zusammen mit seiner Frau Rita und seinem Sohn Ralf, einem von drei Söhnen, trat er 1989 in den VdK ein. 1989 übernahm er den Vorsitz des VdK-Ortsverbands. Seit 1994 trägt er im Vorstand des VdK-Kreisverbandes Kitzingen Verantwortung als Revisor und Stellvertreter des/der Kreisvorsitzenden.

Sohn ist an Multiple Sklerose erkrankt

Seit 1993 pflegt Karl Memmel seinen in der Familie lebenden und an Multiple Sklerose erkrankten Sohn Ralf. Er hat einen Behinderung-Grad von 80 Prozent und ist bei allen Verrichtungen des täglichen Lebens auf fremde Hilfe angewiesen. Weil sein heute 52-jähriger Sohn nur noch mit Gehhilfen laufen kann, begleitet der Geehrte ihn zu sämtlichen Terminen wie Arztbesuchen und Krankengymnastik. Ralf kann nicht ohne Hilfe essen und muss seit 2014 gefüttert werden. Auch bei der Körperpflege ist Karl Memmel intensiv gefordert. Seit einigen Jahren besitzt Ralf einen internen Hausnotruf und seit 2018 zudem einen Notruf über das Rote Kreuz, um stets Hilfe holen zu können.

Nachdem Ralf im August 2018 schwer gestürzt ist, hilft die Sozialstation Volkach bei der Pflege. 2003 erkrankte Ehefrau Rita an Krebs. Es folgten verschiedene Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen. Bis zu ihrem Ableben 2017 pflegte er seine zuletzt erblindete Frau, mit der er 49 Jahre verheiratet war. "Die langjährige hingebungsvolle Pflege, die zwangsläufig oft bis an die Grenzen der körperlichen, nervlichen und seelischen Belastung geht und mit sehr großen persönlichen Einschränkungen verbunden ist, ermöglichte Ihrer Ehefrau und ermöglicht Ihrem Sohn bis heute den Verbleib in der Geborgenheit der vertrauten häuslichen Umgebung", würdigte Eck Memmels Einsatz und bescheinigte ihm segensreiches und vorbildliches Wirken.

"Man funktioniert einfach und macht sich keine Gedanken"

Wo Memmel die Kraft für das jahrzehntelange Kümmern um die Familienangehörigen hernimmt, weiß er selbst nicht. "Da funktioniert man einfach wie ein Automat und macht sich keine Gedanken. Irgendwie muss es immer weitergehen", schildert er. Dankbar ist er für die Unterstützung durch seine Söhne und Freunde.

Beim VdK organisierte er seit 23 Jahren die landesweite VdK-Sammlung "Helft Wunden heilen" in Volkach sowie Muttertags- und Weihnachtsfeiern, Tagesausflüge und Mehrtagesfahrten. "Das funktioniert nur mit einem guten Vorstandsteam", lobt Memmel seine Mitstreiter. Wie schon sein Vater, der Mitbegründer des Ortsverbands war, setzt er sich für die gute Sache ein. Die Gemeinschaft und die Geselligkeit liegen ihm schon immer am Herzen. Solange er fit bleibt, will sich Memmel dafür einsetzen.