Barbara Stamm hält der Politik Spiegel vor

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Zeit für persönliche Gespräche: Landtagspräsidentin Barbara Stamm (rechts) plaudert mit Ruth Bauer beim Politischen Ascherfreitag des CSU-Kreisverbandes in Wiesentheid.
Foto: Andreas Stöckinger

Wenn ein Politiker in Bayern aktuell den Menschen ins Gewissen reden kann, dann ist es am ehesten Babara Stamm. Das bewies die Präsidentin des Bayerischen Landtags in Wiesentheid.

Wenn ein Politiker in Bayern aktuell den Menschen ins Gewissen reden kann, dann ist es am ehesten Babara Stamm. Das bewies die Präsidentin des Bayerischen Landtags beim Politischen Ascherfreitag des CSU-Kreisverbandes in der Wiesentheider Steigerwaldhalle.

Hatten die großen Parteien die Aschermittwochsveranstaltungen wegen des Zugunglücks bei Bad Aibling abgesagt, stand dies für die Landkreis-CSU nicht zur Debatte. „Man kann so etwas auch mit leiseren Tönen bestreiten und muss nicht immer auf die anders Denkenden einhauen.“ So verzichtete die 71-jährige Unterfränkin auf einen Rundumschlag in Richtung der anderen Parteien. Sie regte in ihrer Rede eher zum Nachdenken an und hielt der Gesellschaft – wie auch der Politik – den Spiegel vor. Das war es wohl auch, was viele der rund 320 Zuhörer wollten.

Nach einer Gedenkminute für die Opfer des Zugunglücks begrüßte CSU-Kreisvorsitzender und Landtagskollege von Barbara Stamm, Otto Hünnerkopf, die Gäste. Er war sich sicher, dass viele Zuhörer ausschließlich wegen Barbara Stamm gekommen waren.

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Nachdenklich machten seine Worte zum Thema Asyl: Deutschland habe einen Teil seines Wohlstands vielleicht auch den Ländern zu verdanken, aus denen aktuell die Flüchtlinge kämen. Aus diesem Grund müsse Deutschland helfen, dürfe aber seine organisatorischen wie auch finanziellen Kräfte dabei nicht überfordern.

In der Folge zog die Hauptrednerin Barbara Stamm ihre Zuhörer in den Bann. Sie beschrieb eingangs ihre politische Rolle anhand einer Frage, die ihr kürzlich ein Kind gestellt hatte. „Sind sie als Landtagspräsidentin so etwas wie ein Klassensprecher?“, wollte eine Zehnjährige wissen.

Ein anderes Kind habe sie gefragt, ob es in der Politik Freundschaft gebe. Dies habe sie zum Nachdenken angeregt. Wie erleben uns die Kinder? Welches Bild gebe man ab?

Zur Politik allgemein hob Stamm hervor, dass es neben manchen Problemen auch vieles gebe, was in der Gesellschaft gut laufe. Sie merkte an, dass es in unserer Gesellschaft nicht nur Probleme, sondern auch vieles gebe, was gut laufe. Das werde allzu häufig vergessen.

Stamm betonte, dass man Kritik an Kanzlerin Merkel „ von mir nicht hören werden“. Es müsse aber möglich sein, in diesem Land auch kontrovers zu diskutieren.“ In den etwa 90 Minuten, die sie am Rednerpult stand, umschiffte die Landtagspräsidentin Zahlen bei der Obergrenze für Flüchtlinge.

Das Problem sei nur über die Weltpolitik zu lösen, wobei hier etliche Zusammenhänge zu berücksichtigen seien. Eine Europäische Union müsse auch in der Lage sein, in Krisenzeiten zusammen zu stehen. Stamm plädierte für einen offenen Dialog mit allen Staatsmännern und Beteiligten.

Sie sprach sich für eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen für Deutschland aus. Dies müsse sein, weil die Integration sonst nicht gelingen könne. Ohne Integration „wird es schwierig“, warnte Stamm.

Die Präsidentin rühmte den Einsatz der freiwilligen Kräfte beim Thema Asylbewerber, kritisierte aber auch den Staat. Dessen Bürokratie müsse beweglicher werden, um die Helfer zu unterstützen und nicht vor den Kopf zu stoßen.

„Es muss möglich sein, in diesem Land auch kontrovers zu diskutieren.“
Barbara Stamm, Landtagspräsidentin

Zusammen stehen, zusammen halten, mehr Vertrauen schaffen – dafür plädierte Barbara Stamm. Gerade den Menschen, die Verantwortung übernehmen, müsse man mehr Vertrauen entgegen bringen. Zeit für einander haben, sich Neuem nicht verschließen, das sind für Stamm dabei wichtige Faktoren.

Der stehende Beifall der Zuhörer zeigte am Ende, dass die Präsidentin „vielen aus dem Herzen gesprochen hat.“ So empfand es anscheinend nicht nur Wiesentheids CSU-Vorsitzender Michael Limbacher in seinem Dank an die Landespolitikerin. Diese freute sich über eine Orchidee, die sie – neben ganz viel Zuspruch – von Wiesentheid mit nach Hause nehmen durfte.