Düster, windig und kalt präsentierte sich das Wetter bei der offiziellen Inbetriebnahme der neuen Aussichtsplattform in der Nähe der Vogelsburg am Freitagnachmittag. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt lechzte der mystische Ort oberhalb von Escherndorf förmlich nach dem Inhalt des "terroir f"-Mottos "Sonne, Licht und Feuer an der Mainschleife - Wein ergreift".
Warm ums Herz wurde es den Beteiligten lediglich bei heißem Glühwein, als der bayerische Staatsminister der Finanzen Markus Söder (CSU) gemeinsam mit den prominenten Taufgästen das symbolische Band durchschnitt.
Die Aussichtsplattform an der Vogelsburg ist nach Iphofen der zweite von mehr als zehn magischen Orten des Frankenweins, der jetzt nach fünfmonatiger Bauzeit eröffnet wurde.
An den großen Gabionsteinkörben findet der Besucher jede Menge Informationen zur Region und ihren Menschen sowie zu den klimatischen Verhältnissen und der geschichtlichen Entwicklung. Auf einem der höchsten Punkte zwischen Volkach und Prosselsheim bietet sich bei Sonnenschein ein herrlicher Ausblick in die Maintäler beidseits von "terroir f".

Ideenreiche Marketingoffensive

"Was sind schon die oberbayerischen Berge gegen dieses Panorama?", fragte Staatsminister Söder mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. Der Mittelfranke, dessen Großvater nach eigenen Angaben aus Münsterschwarzach stammt, zeigte sich begeistert von der "terroir f"-Idee. "Das ist ein echter Beitrag zur Stärkung unseres Selbstbewusstseins." Hinter der ideenreichen Marketingoffensive stecke Geschmack.
Söder wünschte den Einheimischen, dass sich viele Menschen den magischen Ort des Frankenweins anschauen und genießen. Bayern ohne Franken geht seiner Ansicht nach eben nicht. Sein Fazit lautete: "Ich bin beeindruckt, was hier auf die Beine gestellt wurde."
Der Präsident des Fränkischen Weinbauverbands, Artur Steinmann, dankte dem Finanzministerium, dass es in den Frankenwein und in den ländlichen Raum investiert. Der Weintourismus in Franken habe in den letzten 18 Jahren stark zugelegt. Der Umsatz stieg laut Steinmann von 500 Millionen Euro auf 1,8 Milliarden Euro. Der magische Ort sei eine gute Investition für die Menschen vor Ort und ihre Gäste zum Wohle einer intakten Landschaft. Dem Finanzminister gab Steinmann scherzend mit auf den Weg: "Ich hoffe, dass der Frankenwein bald einen festen Platz in der Münchner Residenz finden wird." Einen standfesten Platz auf der untersten Stufe der Treppenanlage fand Dr. Hermann Kolesch von der Landesanstalt für Weinbau- und Gartenbau Veitshöchheim. "Die fränkischen Winzer haben ihre Kulturlandschaft seit Jahrhunderten geformt."

Weltweit einmalig

Die Steillagen bei Escherndorf seien einmalig auf der ganzen Welt. Die Landschaft mit ihrer Fauna und Flora für die Gäste zu gestalten, ist Koleschs Ziel. "Dies führt natürlich zur Polarisierung der Meinungen bei den Menschen." Der magische Ort als alter Siedlungsort der Kelten und der Weine könne viele Geschichten erzählen. "Wer einmal hier war, wird ihn mit bleibenden Erinnerungen an einen schönen Ort wieder verlassen."
Den wunderschönen Blick auf die Ufer des Mains und die Weinberge konnte die Fränkische Weinkönigin Melanie Dietrich nur bestätigen.
Der Weinanbau sei ein wichtiger Wirtschaftszweig an der Mainschleife, erklärte Bürgermeister Peter Kornell (FWG). "Viele Winzer und ihre Familien leben davon." Sein Dank galt dem Weinbauverband, der sich als "tolle Ideenschmiede" entpuppt habe. Neben öffentlichen Fördermitteln und Sponsorengeldern habe auch die Stadt "Geld auf den Tisch gelegt", was heute nicht einfach sei.
Die Blechbläser der Musikschule Volkach unterstrichen die gute Stimmung rund um die Aussichtsplattform mit "Freude schöner Götterfunken". Folglich dürfte am Wochenende einem "aussichtsreichen" Tag nichts mehr im Wege stehen.