• Schwarzenbach an der Saale: Fleischhauerei Vider öffnete am 1. Oktober 2021
  • "Wir werden überrannt": Stefan Vider und seine Frau freuen sich über großen Andrang
  • Metzger (36) wendet sich gegen Fleischindustrie und kritisiert ihre Prozesse
  • Mit diesem Konzept will die Fleischhauerei Vider "den Zeitgeist" treffen

Stefan Vider und seine Frau Amaya Vider-Schubert haben nach der Eröffnung ihrer Fleischhauerei Vider in Schwarzenbach an der Saale alle Hände voll zu tun. Ihr Projekt, einer 30 Jahre leer gestandenen Metzgerei aus den 1970er-Jahren neues Leben einzuhauchen, kommt an. Und zwar nicht nur seit der Eröffnung. Schon Monate vorher ließ das Ehepaar die Öffentlichkeit an seinen Plänen teilhaben. So ist Familie Vider ein positives Beispiel dafür, dass es in Zeiten von schwindenden Metzgereibetrieben auch anders geht. Vider erklärt inFranken.de sein Erfolgsrezept.

Fleischhauerei Vider in Schwarzenbach: Neuer Metzgereibetrieb feiert Eröffnung

In Bayern sinkt die Zahl der Metzgerei-Betriebe stetig. Laut Angaben des Fleischerverbands Bayern gab es 1995 noch 5186 Betriebe, 2020 sind es nur noch 3011. Im Schnitt haben bayerische Betriebe 20 Mitarbeitende, berichtet Lars Bubnick vom Fleischerverband Bayern inFranken.de. Die größte Gefahr für das Metzgerhandwerk sieht Bubnick im Fachkräftemangel. Dabei sei "der Job ist so vielseitig und abwechslungsreich, da können nur wenige Berufe mithalten", meint er. Mehr in das öffentliche Bewusstsein zu gelangen, sei die Lösung gegen den Fachkräftemangel. Auch Stefan Vider findet, im Fleischerhandwerk werde viel zu wenig Öffentlichkeitsarbeit betrieben. 

Viders Betrieb - bestehend aus einem festen Metzger und einer festen Verkäuferin - läuft am Montag (4. Oktober 2021) auf Hochtouren. Viele Kund*innen aus Schwarzenbach und Umgebung waren am Freitag zur Eröffnung gekommen, um Probeeinkäufe zu machen. "Fantastisch kam unser Rohschinken an", berichtet Vider. Der Kontakt mit der Kundschaft endet für die Metzgerei indes nicht, wenn sie den Laden wieder verlässt: Am Tag nach der Eröffnung teilte die Metzgerei auf Facebook einen begeisterten Post eines Kunden von einer frisch gegrillten Bratwurst. Amaya Vider-Schubert ist Fotografin und bespielt die Social-Media-Kanäle der Fleischhauerei. Auf Instagram sind sie seit Juli 2021 aktiv und die Rückmeldungen der Leute seien mehr als befriedigend.

Stefan Vider ist es laut eigener Aussage wichtig, transparent zu machen, woher die Produkte kommen und wie die Waren entstehen. Deshalb wurde ein großes Glasfenster in die Wand eingebaut, durch das Besucher*innen bei der Produktion zusehen können. Die Sehnsucht nach regionalen Produkten und Gewissheit über ihre Transportwege sei "gerade der Zeitgeist", meint der 36-jährige Familienvater. Das Fleisch bezieht er von Landwirten aus einem Umkreis von zehn Kilometern. Auch diese werden in Porträts auf den Social-Media-Seiten der Fleischhauerei vorgestellt.

Familienmetzgerei will mit regionalen Produkten und Transparenz überzeugen

Vider verzichte bewusst darauf, keine Produkte 500 Kilometer durch Deutschland fahren zu lassen, nur weil sie zwei Euro günstiger seien. Seine Kund*innen, die hauptsächlich aus Schwarzenbach und den umliegenden Dörfern kämen, wüssten bei ihm genau, dass das Fleisch einen geringst möglichen Radius zurückgelegt habe. "Im Supermarkt kann man mit QR-Codes auch die Herkunft zurückverfolgen, aber sieht dann doch meistens, dass das Fleisch aus Westfalen stammt."

Die Familie betreibt außerdem eine Fischzucht auf einer Fläche von 3,5 Hektar. Den Fisch von dort verkaufen sie nun auch in ihrer Metzgerei. "Wir verkaufen auch Wild, das aus der unmittelbaren Umgebung kommt. Wir bekommen es von Berufsjägern in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Forstverband." Dass das Paar überzeugt von seinem Konzept ist, zeigte es bereits in seinem ersten Instagram-Post am 23. Juli 2021: "Das sind wir! Mein Mann und ich wollen dem Fleisch- und Fischgenuss den schlechten Ruf nehmen.. einen eigenen kleinen Laden eröffnen, in dem wir Euch regionale Köstlichkeiten anbieten können, in enger Zusammenarbeit mit unseren lokalen Landwirten."

Nachdem Stefan Vider schon als Kind seinem Großvater beim Schlachten zugesehen hatte und nach seiner Ausbildung verschiedene Führungspositionen in der Industrie innehatte, möchte er nun "zurück zu den Wurzeln" und den Menschen das echte Handwerk des Metzgers nahebringen. Und durch die Zustimmung der Leute mache seine Arbeit besonders viel Spaß. Für seine Zukunft will der junge Betrieb vorbauen: So wird die Fleischhauerei Vider in Schwarzenbach ab nächstem Jahr voraussichtlich auch Azubis einstellen.

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