• Heftiges Unwetter in Köditz (Landkreis Hof): Familienunternehmen geflutet
  • Wassermassen strömen zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage auf Holzfirma zu
  • Schneller Einsatz der Feuerwehr verhindert Horror-Schaden
  • Chef und Mitarbeitende ohne Hose: Ungewöhnliche Rettungsaktion

Familienunternehmen in Köditz (Landkreis Hof) wird zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage geflutet: Das Holzhandelsunternehmen von Thomas Kramer und seinen beiden Kindern in Köditz hat am Dienstagnachmittag (13.07.2021) zum zweiten Mal eine heftige Überflutung durch Starkregen getroffen. "Wir wurden schon am Freitag geflutet, aber dieses Mal lief das Wasser vorne ins Gebäude rein und hinten wieder raus", erzählt der Geschäftsführer gegenüber inFranken.de. In einer Rettungsaktion mit ungewöhnlich wenig Bekleidung haben er und seine Angestellten gerettet, "was noch zu retten war". 

Familienunternehmen in Köditz geflutet: Ungewöhnliche Rettungsaktion

Wegen der ersten Überflutung am Freitag (09.07.2021) hätten die Feuerwehrleute dieses Mal genau gewusst, was zu tun sei, erzählt Kramer. Auch Nachbarn seien sofort da gewesen, als am Dienstagnachmittag gegen 17.30 das Gelände der R&K Hochfranken Holz überschwemmt worden sei. "Die Feuerwehr hat gleich Sandsäcke gebracht. Dafür sind wir dankbar, auch für die Woge der Hilfsbereitschaft, die wir erfahren haben", erzählt der Chef. 

Nach einer halben Stunde sei bereits die gesamte Lagerhalle mit 3.000 Quadratmetern und auch das Bürogebäude mehrere Zentimeter unter Wasser gestanden. "Wir waren am Arbeiten und die Mitarbeiter haben sehr schnell mit angepackt. Wir haben versucht zu retten, was noch zu retten war, aber uns war klar, dass man viel mehr als die Sandsäcke kaum tun konnte. Wir haben die wichtigsten Dinge höher gestellt, damit kein Wasser drankommt."

Gleichzeitig sei es wegen der Überschwemmung auf dem Gelände auch kaum möglich gewesen, das Gebäude zu verlassen. Die Situation habe ihn und die Angestellten dann zu einer ungewöhnlichen Aktion bewegt. "Keine Hose ist besser als eine nasse Hose", sagt der Geschäftsführer und lacht. "Dann haben wir uns irgendwann die Hosen, Strümpfe und Socken ausgezogen. Wir mussten ja schließlich auch heim, um uns umzuziehen und mal zu duschen."

Chef von Holzfirma von Gebäude abgeschnitten: Schwere Schäden erst am Morgen nach der Flut sichtbar 

So sei er dann nur in Unterhose zu seinem Auto durch den Wasserschlamm gewatet und nach Hause gefahren. Gegen 21 Uhr habe er die Firma verlassen. "Eigentlich wollte ich um 23 Uhr zurückkehren, aber da war längst alles dicht, selbst die Schleichwege waren nicht mehr befahrbar." So sei ihm nichts übriggeblieben, als bis zum Morgen zu warten, um zum Firmengelände zurückzukehren. "Ein paar Stunden konnte ich schlafen. Morgens habe ich gleich den Bürgermeister getroffen, der sich die Schäden in der Gegend angeschaut hat", so Kramer.

Auch seine Holzbaufirma hat es ordentlich erwischt. "Die unteren Holzpaletten haben Wasser gezogen und es muss komplett umgeschichtet werden, die Europaletten kann ich nur noch gebraucht verkaufen. Die Ladegeräte der Elektrostapler sind alle kaputt und im Bürogebäude muss der ganze Boden neu gemacht werden, obwohl wir erst vor zwei Jahren alles saniert haben." Trotzdem findet Kramer, sei die Firma noch "glimpflich davongekommen".

Das liege vor allem an der schnellen Reaktion der Feuerwehr. Am heutigen Mittwochmorgen hätten sich gleich mehrere Mitarbeitende, "die eigentlich freihätten" zum Mithelfen gemeldet. Der Betrieb, das wünscht sich Kramer, soll so schnell wie möglich, weitergehen. "Kommende Woche werden wir auch im geplanten Firmenurlaub arbeiten. Wir haben höchstes Auftragsniveau und können es uns nicht leisten, Aufträge nicht zu erfüllen." Den Schaden schätzt der Geschäftsführer auf rund 50.000 Euro. 

Köditzer Bürgermeister: Kirche geflutet, dringender Appell an Kita-Eltern 

Kramers Firma ist nicht das einzige Unternehmen in Köditz, das vom heftigen Unwetter stark betroffen war, erzählt der Köditzer Bürgermeister Matthias Beyer im Gespräch mit inFranken.de. "Im gesamten Gewerbegebiet ist es zu schwereren Schäden gekommen", berichtet Beyer. So sei auch ein bekanntes Gartencenter geflutet worden. Von rund 50 gefluteten Kellern spricht der Politiker außerdem - und von der Kita neben dem Köditzer Rathaus. 

"Wir haben dort schon länger eine Zwischenlösung mit Containern und ein festes Gebäude", so Beyer. Die Container seien am Mittwochmittag allerdings noch immer nicht trocken. "Die Kita ist heute geschlossen und wir haben an die Eltern appelliert, ihre Kinder, wo es möglich ist, zu Hause zu lassen, damit sich die Lage etwas entzerrt." 

Straßensperrungen gebe es kaum noch. "Heute gegen 11 Uhr war der Stand, dass die Staatsstraße Richtung Joditz noch gesperrt ist", so Bayer. Die B173 sei seit dem Morgen wieder frei - ebenso wie die Ortsdurchfahrt Köditz. Dort "hatten wir noch Angst, dass es einen Kran auf einer Baustelle neben dem Rathaus komplett unterspült hat." Das sei "glücklicherweise nicht der Fall", so Beyer. 

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