Mit Hammer und Brenner hantiert in der Reparaturwerkstatt des Autohauses Gelder & Sorg in Haßfurt kaum einer mehr. Die Männer im Blaumann haben Ratschen und Schlüssel, aber vor allem viel Papier in den Händen: Darauf sind die Ergebnisse der computergesteuerten Fehleranalysen.

"Das ist kein Vergleich zu früher", sagt Benedikt Büschelberger. Er schleift gerade einen Motorblock ab. Sein Kollege Felix Rippstein liegt wenige Meter weiter im Fußraum eines Kleinwagens und verlegt einen Elektriksatz. Beide erledigen in der Werkstatt dieselben Aufgaben, haben aber zwei unterschiedliche Ausbildungen. Der 27-jährige Büschelberger hat Mechaniker, der 22-jährige Rippstein Mechatroniker gelernt. Worin sich ihre Ausbildung unterscheidet, darüber haben die beiden noch nie nachgedacht. Warum sollten sie auch.

In der Praxis machen sie dasselbe.
In der Theorie lag der Schwerpunkt in Benedikt Büschelbergers Ausbildung aber auf dem Handwerk. Schweißen, Hart- und Weichlöten oder Bohrerfräsen gehörten bei ihm mit dazu.
Der Altershausener hat seine dreieinhalbjährige Ausbildung im Sommer 2005 abgeschlossen. Wenige Wochen später, ab September, wurden nur noch Mechatroniker ausgebildet.

Der Konzern bestimmt mit

Was der größte Unterschied zwischen Mechanik und Mechatronik ist? "Die Elektronik natürlich." Mechatroniker Felix Rippstein ist seit September 2008 im Betrieb und will heuer anfangen, seinen Kfz-Technikermeister mit Betriebswirt zu machen. Er wurde als Lehrling zum einen von der Handwerkskammer und zum anderen vom VW-Konzern ausgebildet. Konzernintern gibt es Dutzende von Lehrgängen, die die Teilnehmer schließlich zum Servicetechniker oder sogar Diagnose-Techniker qualifizieren. Letzterer ist gleichgestellt mit einem Meister, wurde aber speziell von und für die Marke VW ausgebildet.

Die Anforderungen an einen Mechatroniker beziehungsweise Mechaniker werden nicht nur vom Fortschritt, sondern auch vom Autohersteller diktiert. Denn die Tätigkeitsfelder richten sich nach den konzerneigenen Richtlinien. Beides ändert sich ständig.

Die Zeiten, in denen sich ein Mechaniker bei der Suche nach einem Motorfehler auf seine fünf Sinne verlassen musste (oder konnte), sind schon lange vorbei. Der 60-jährige Mechaniker Hans Dukorn erzählt noch heute mit Begeisterung davon, wie er als Stift den Motorfehler eines 1,9-Liter-Opel-Ascona fand. Durch Zufall hielt er damals seinen Schraubenzieher gegen eine der acht Ventilfedern - und genau die war defekt. "Eine Prüflampe habt ihr damals aber schon gehabt?", fragt Felix Rippstein misstrauisch. "Freilich", sagt Hans Dukorn. "Aber sonst nix!". Dann geht er wieder an die Arbeit.

Vor allem Elektrik

Ist der Beruf des Mechatronikers also noch das, was der des Automechanikers einmal versprach - Öl, Schweiß und Muskeln? Oder sitzen die Mechatroniker nur vor Computern? "Es geht vor allem um Elektrik. Vor dem Computer sitzen Mechatroniker nicht. Aber handwerkliches Geschick braucht man schon auch", stellt Rudi Funk klar.

Der Serviceberater und Kfz-Technikermeister hat mit 16 Jahren eine Ausbildung zum Nutzfahrzeugmechaniker gemacht und sich damit auf Lastwagen spezialisiert. 2007 begann er im Autohaus Gelder & Sorg als Mechaniker. 2011 hat er dort seine Meisterprüfung zum Servicetechnikermeister abgeschlossen. Als Verantwortlicher für die Mechatronik-Auszubildenden hat Funk schon viele Praktikanten kommen und gehen sehen. "Bei uns ist ein fehlender Schulabschluss kein Kriterium", sagt er. "Nach drei Tagen sieht man, wie die Leute arbeiten."

Diejenigen, die mit anpacken und handwerkliches Geschick zeigen, bekommen eine Chance. Andere, die nur rumstehen und sich nicht schmutzig machen wollen, schickt Rudi Funk wieder nach Hause. "Ich hab' ja nichts gegen ein gepflegtes Äußeres, aber in der Werkstatt wird man dreckig! Es ist nicht einfach, Jungs zu finden die handwerklich geschickt sind und mit anpacken." Derzeit bildet das Autohaus Gelder & Sorg sieben Kfz-Mechatroniker, einen Karosseriemechaniker, einen Lackierer, eine Kauffrau und zwei Lageristen aus.

Benedikt Büschelberger und Felix Rippstein gehören zu insgesamt 16 Mechanikern beziehungsweise Mechatronikern in der Werkstatt. Sie bilden sich ständig weiter . "Das macht man in anderen Berufen ja auch", sagt Rippstein.

Sein Kollege Büschelberger ist über die Erinnerung an die alten Zeiten ein wenig wehmütig geworden. "Früher haben wir viel öfter Motoren zerlegt und repariert", sagt er. Heute würden viele Teile im VW-Werk ausgetauscht. Altes Teil raus, neues Teil rein. "Naja, ist wenigstens nicht mehr so ein Dreck", sagt er. Aber schmutzig machen muss man sich trotzdem.