Den 21. Februar 2012 muss eine Frau aus dem Maintal schon oft verflucht haben. An diesem Faschingsdienstag gerieten ihr Freund und ihr Liebhaber auf dem Ebelsbacher Rewe-Parkplatz aneinander. Wenig später zeigten sich die Kontrahenten gegenseitig an und die Frau musste vor dem Amtsgericht in Haßfurt als Zeugin aussagen. Dabei hat sie allerdings Falschaussagen gemacht, wie sich jetzt herausstellte.
Das Verfahren wegen Körperverletzung gegen den Liebhaber wurde bereits im Oktober 2012 eingestellt. Amtsrichter Roland Wiltschka ging in seinem Urteil von Notwehr aus. Denn bevor der mittlerweile Ex-Liebhaber den Freund schlug, hatte der mehrfach auf sein Auto eingeschlagen und mindestens ein Mal auch getreten.

Und wieder vor Gericht

Nun fiel auch das Urteil gegen den Freund, seit Juli 2012 Ex-Freund der Frau.
Der arbeitslose 44-Jährige wurde wegen Sachbeschädigung zu 90 Tagessätzen zu je zehn Euro verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Bald kommt auf die Frau ein dritter Gerichtstermin zu. Die Staatsanwaltschaft leitet gegen sie ein Verfahren wegen Falschaussage in die Wege. Aber der Reihe nach.
Im Oktober 2012 ging es im Amtsgericht Haßfurt hoch her. Der Ex-Freund der Frau wurde während seiner Verhandlung immer wieder laut und musste mehrfach ermahnt werden. Der 44-Jährige stand wegen Sachbeschädigung vor Gericht. Er soll die Beifahrertür des Mercedes seines Kontrahenten mit einem gezielten Fußtritt eingedellt haben. Für den Angeklagten ging es nun darum zu beweisen, dass die Delle schon vorher da war.
Die größte Unterstützung bekam er dabei ausgerechnet von seiner Ex-Freundin. Die beteuerte vor Richter Roland Wiltschka mehrfach, dass die Beule schon vorher da war. Das Verfahren wurde schließlich ausgesetzt, um bei der Fortsetzung mit Hilfe von Zeugen und der Kfz-Kundendienst-Werkstatt zu klären, ob die Beule schon vor der Auseinandersetzung da war - oder nicht. Sechs Zeugen - darunter ein Kfz-Werkstattmeister und ein Polizeihauptkommissar - versicherten glaubhaft, dass die Beule durch den Tritt entstanden sein muss.

Ex-Freundin knickt ein

Alle waren sich einig - alle, bis auf eine. Die Frau beharrte bei ihrer Zeugenaussage erneut darauf, dass der Schaden am Auto alt sei. Und wieder erklärte ihr Richter Roland Wiltschka, dass ihr Ex-Freund nur vor Gericht stehe, weil er gegen einen Strafbescheid von 20 Tagessätzen zu je 40 Euro Einspruch eingelegt hätte. "Ihnen drohen bei einer Falschaussage mindestens drei Monate Freiheitsstrafe. Unser ganzes System fußt darauf, dass uns die Zeugen die Wahrheit sagen. Darum bestrafen wir Falschaussagen", ergänzte Staatsanwältin Nora Reim.
Nach diesen Worten knickte die 40-Jährige von einer Sekunde auf die andere ein. So ganz sicher sei sie sich vielleicht doch nicht, erklärte sie. Dass Richter Roland Wiltschka darauf verärgert reagierte, war verständlich. Warum ihr Ex-Freund, den sie letztlich mit ihrer Falschaussage schützte, sie beschimpfte, weniger.