"Schau mal Zeil" lautete das Motto der Gewerbeschau, die Zeil beim Kirchweihmarkt nach der Premiere im vergangenen Jahr zum zweiten Mal veranstaltete. "Schau mal Zeil" nahmen viele Besucher, die zu Tausenden in die Altstadt geströmt waren, wörtlich. Zum Beispiel im Hof der Zeiler Stadtwerke. Die liegen zwar außerhalb der Marktzone, aber Interessantes hatten die Stadtwerke gestern dort zu bieten. Das Unternehmen der Stadt, das auch Stromversorger ist, zeigte zusammen mit dem Energieberater des Landkreises, Günter Lieberth, vier Elektroautos der allerneuesten Generation. "Schau mal Zeil" bot Lieberth den Besuchern an, und schon scharten sich die Wissbegierigen um einen Renault Zoe, nachdem Lieberth die Motorhaube geöffnet und den Blick in das Herz des Elektroautos ermöglicht hatte.

Lieberth selbst fährt seit Monaten ein solches Auto und ist damit "absolut zufrieden.
Ich bin hellauf begeistert", sagt er über das Konzept und die technischen Möglichkeiten des Autos, dem andere Fabrikate nicht weit nachstehen. Neben dem Renault waren ein Peugeot, ein Nissan und ein Opel Ampera im Hof der Stadtwerke zu sehen.

Wirkliche Alternative zu herkömmlichen Autos

Laut Lieberth haben sich die Elektroautos mittlerweile so weit entwickelt, dass sie eine Alternative zu den herkömmlichen Autos sein können. Und auch preislich sind sie nach seiner Darstellung inzwischen interessant. Lieberth hat mit seinem Wagen bisher rund 5000 Kilometer zurückgelegt, und für Strecken in der Region ist das Fahrzeug mit seinem Elektroantrieb kein Problem. "Es geht alles", erklärt der Energieberater. "Die technischen Möglichkeiten sind da", und selbst die Reichweite, bisher immer das stärkste Argument gegen ein Elektrofahrzeug, sieht er nicht mehr als eine unüberwindbare Barriere beim Kauf eines solchen Autos an.

Das Netz der Ladestationen wird enger (ihre Standorte können über Navigationsgeräte rasch abgerufen werden). Es gibt die Möglichkeit des Schnell-Ladens (halbe Stunde), und nicht vergessen sollte man nach seiner Meinung, dass ein Elektrofahrzeug ein "Speicher auf vier Rädern" ist, aus dem man auch Strom für andere Zwecke als Fahren gewinnen kann. Taugt ein Akku-System nicht mehr fürs Auto, kann man es laut Günter Lieberth durchaus noch mehrere Jahre als Hausspeicher (im Keller) einsetzen.

Stadtwerke installieren zwei Ladesäulen

Dass Elektroautos jetzt auch in Zeil mit Strom "aufgetankt" werden können, dafür haben die Zeiler Stadtwerke gesorgt. Auf dem Altstadt-Parkplatz gleich neben ihrem Betriebsgelände haben die Stadtwerke zwei Ladesäulen für Elektroautos installiert. Sie kommen aus der Produktion der Firma "Belectric" mit Standorten in Kolitzheim und Kitzingen. Florian Dittert, der für die Firma arbeitet, hängte selbst seinen Elektro-Smart am Sonntag an eine der beiden Ladesäulen und war damit der erste Nutzer, wie Stadtwerke-Leiter Günther Bier schildert. Rund 300 Ladestationen hat die Firma "Belectric" laut Dittert bislang in der Region aufgestellt.

Er wie auch Günther Bier sind davon überzeugt, dass die Mobilität der Zukunft so aussehen könnte. "Die ganze Geschichte rollt jetzt an", meint Bier.

Die Stadtwerke haben bereits ein Elektroauto bestellt, das Ende Oktober/Anfang November geliefert werden soll. Bier freut sich auf die Dienstreisen mit diesem neuen Fahrzeug. "Ich habe mir schon einen Kreis gezogen" um Zeil, beschreibt er erste Reichweiten-Überlegungen.

Die Ladestation der Stadtwerke ist die erste in Zeil. Sie ist öffentlich und derzeit in der Testphase. Zwei Stellflächen auf dem Altstadt-Parkplatz sind reserviert für den Ladevorgang.