Herzlicher Dank, tiefer Respekt und große Anerkennung wurde dem gemeinnützigen Verein "Haßfurt hilft" in seiner Feier zum 20-jährigen Bestehen zuteil. Denn der rührige Verein, der 1995 von Wilhelm Wolpert mit elf Mitstreitern ins Lebens gerufen wurde und mit seinen knapp 50 Mitgliedern heute von Helga Schumacher geleitet wird, kümmert sich vor Ort um die Ärmsten der Armen in Ost- und Südosteuropa.

Bei der Feier erinnerte Helga Schumacher daran, dass sich "Haßfurt hilft" anfangs in Litauen und der Ukraine engagierte und seit zehn Jahren Menschen im Norden Albaniens, dem ärmsten Land des europäischen Kontinents, unterstützt. In dem Bergdorf Fushë-Arrëz leisten die drei Franziskaner-Schwester Gratias, Bernadette und Martina in ihrer Missionsstation geistige und materielle Hilfe für die arme Bevölkerung, vor allem für die Kinder und Jugendlichen.



Kontakt mit den Schwestern

"Sie verteilen die von uns geschenkten Hilfsgüter und hoffen, damit die Situation ein wenig zu verbessern und diesen Menschen zu einem menschenwürdigen Dasein zu verhelfen", so Schumacher. "Wir schicken nicht, was uns gerade so angeboten oder geschenkt wird, sondern wir stehen in ständigem Kontakt mit den Schwestern und besorgen genau das, was diese benötigen. Wir gehen sparsam mit den Spendengeldern um und jeder gespendete Euro kommt vor Ort den Menschen zugute", sagte sie mit einem großen Dankeschön an alle Vereinsmitglieder und Spender.

"Als der Kommunismus in Osteuropa zusammenbrach, war mir klar, dass man den Menschen dort helfen muss, ihren Weg zu einer freiheitlichen Ordnung in Frieden zu finden, wie das seit Jahren in Westeuropa wunderbar funktionierte", berichtete Wilhelm Wolpert, der damals begann, für "Renovabis" zu spenden. "Bei einer Reise nach Litauen 1995 erinnerte ich mich in Vilnius daran, dass Renovabis die integrierte Schule der Christkönigsschwestern finanziell stark unterstützte. Ich überzeugte mich vor Ort, dass die Spendengelder dort ankommen und erfuhr gleichzeitig, dass die Schule noch dringend einen Bus benötigte, um die Slumkinder zur Schule zu fahren."


Ein Bus für 22 000 D-Mark

So habe er nach seiner Heimkehr mit dem "Hasenterzett" mehrere Abende veranstaltet und Spenden gesammelt. Mit der Summe von 22 000 D-Mark sei ein Bus gekauft und zur großen Freude des Erzbischofs und der Schwestern auf abenteuerliche Weise nach Vilnius gebracht worden. "Da die Haßfurter Katholische Pfarrgemeinde die Spendenquittungen nicht ausstellen wollte - der damalige Finanzverwalter der Kirchenverwaltung meinte in seiner Einfalt, das sei Geldwäsche - gründeten wir den kleinen Verein ,Haßfurt hilft‘", so Wolpert.

"Das war ein Glücksfall für viele Kinder in Osteuropa. Man sieht, auch aus einer Dummheit kann etwas Großes entstehen." In den letzten 20 Jahren habe dieser Verein Schulen und Krankenhäuser in Litauen sowie einer Schule in der Ukraine geholfen. Seit drei Jahren gingen fast sämtliche Hilfsleistungen nach Fushë-Arrëz.

Was die Schwestern in ihrer dortigen Missionsstation leisten, beschrieb Schwester Bernadette, die eigens zu der Feier nach Haßfurt gekommen war. "Wir betreiben Landwirtschaft, eine Ambulanz und einen Kindergarten, in dem die 60 Kinder dreimal täglich eine Mahlzeit erhalten, da sie sonst nichts zu essen haben. Außerdem unterstützen wir die Bevölkerung bei der Renovierung und den Reparaturen baufälliger Häuser, haben ein Tierprojekt ins Leben gerufen, bieten Kurse für Schwangere an, unterhalten eine Nähschule und übernehmen Patenschaften für derzeit 350 Kinder und Ausbildungspatenschaften für rund 80 Jugendliche", sagte sie. All dies sei notwendig, da nach der Schließung der einzigen Fabrik die Arbeitslosigkeit auf 90% gestiegen sei. Durch die Hilfslieferungen könne man bedürftige Menschen auch mit Nahrung und Kleidung versorgen. Einzigartig sei, dass "Haßfurt hilft" die Schwangeren mit Babykleidung und Babyausstattungsgegenständen unterstütze und für die Nähkurse Nähmaschinen spende.

"Nachdem wir bereits drei Ausrüstungen für Zahnarztpraxen erhalten haben, behandeln die Ärzte nun auch Bedürftige kostenlos", so die Schwester weiter. "Wir sind sehr dankbar für Ihre Hilfe und es ist wunderbar, dass Sie uns immer genau das schicken, was wir brauchen", betonte sie. Ebenso dankbar nahm sie die Spende in Höhe von 5000 Euro an, die ihr Helga Schumacher an diesem Abend überreichte.


Paradies Deutschland

Angesichts der Flüchtlingswelle erzählte Schwester Bernadette, dass wahrscheinlich rund 60 000 Albaner auf der Flucht seien. "Sie können hier einfach nicht existieren, sie haben vor allem für ihre Kinder keine Perspektive mehr und verkaufen ihr gesamtes Eigentum, um beispielsweise nach Deutschland zu gehen. Und sie hoffen, dass sie dort bleiben können." Die Lebensmittel in Albanien seien so teuer wie in Deutschland, der Sprit koste rund 1,40 Euro, der Strom sei durch Korruption total überteuert und kein Dorf habe fließendes Wasser. Da erscheine die Sozialhilfe in Deutschland wie das Paradies.

Schwester Bernadette verwies auch auf die weitverbreitete Korruption, vor allem bei der Polizei, und schilderte, dass der Rechtsstaat nicht funktioniere und der Rauschgiftkonsum nicht verfolgt werde. "Auch aus unserem Dorf sind schon Menschen nach Deutschland geflüchtet, doch es ist bisher noch niemand zurückgekommen. Wenn Deutschland diese Flüchtlinge sofort wieder zurückschicken würde, würden nicht so viele von hier weggehen", sagte sie.

In ihren Grußworten zollten verschiedene Redner dem Verein Anerkennung, Respekt und Dank. "Ihr seid der Zeit vorausgegangen und leistet Hilfe vor Ort. Wir hätten wahrscheinlich weniger Asylbewerber, wenn ihnen in ihren Heimatländern geholfen worden wäre", so Landrat Wilhelm Schneider voller Hochachtung.

MdL Steffen Vogel bezeichnete den Vorschlag des Vereins, dass sich Haßfurt oder der Landkreis Haßberge eines armen Städtchens oder Landstrichs annehmen sollte, als gute Idee. "Wenn jedes Land in Europa ein Land gezielt unterstützen würde, wäre das gut. Denn den Zustrom der Flüchtlinge können wir nur stoppen, wenn wir deren Lebensbedingungen verbessern! Insofern ist "Haßfurt hilft" ein Vorreiter, weil er vor Ort hilft."

Der zweite Bürgermeister Michael Schlegelmilch lobte den ehrenamtlichen und selbstlosen Einsatz der Mitglieder, die die vom Verein unterstützten Menschen persönlich kennen gelernt und viele Freundschaften geschlossen hätten. Er erklärte, dass der Verein jederzeit auf die Unterstützung der Stadt Haßfurt zählen könne.

"20 Jahre Haßfurt hilft bedeutet auch 20 Jahre ehrenamtliches Engagement, viel Zeit und Energie, ein hohes Maß an Idealismus, Flexibilität und Kreativität, aber auch viel Freude und Erfüllung", betonte Pfarrer Stephan Eschenbacher, der die gute Verbindung des Vereins zu der katholischen Pfarrei und der evangelischen Gemeinde heraushob. "Ihre selbstlose Nächstenliebe ist ein starkes Glaubenszeugnis, denn Sie arbeiten daran, dass Gottes Reich Wirklichkeit werden kann", sagte er. Es sei bewundernswert, dass der Verein schon vor 20 Jahren die Vision gehabt habe, arme Menschen in ihren Ländern zu unterstützen. "Ich finde Ihre Initiative großartig, aber ich denke auch mit großem Respekt an die Menschen, die vor Ort, in Litauen, der Ukraine und Albanien mit Unterstützung Ihres Vereins den Menschen beistehen und helfen", so der Pfarrer.