Text von Andreas Lösch und Katja Müller

Die Bilder des brennenden Wracks des am Montag auf der A 9 verunglückten Reisebusses waren schockierend. Das Fahrzeug ist den Ermittlungen zufolge derart schnell in Flammen aufgegangen, dass die Rettungskräfte bei ihrem Eintreffen nur zehn Minuten nach der Alarmierung keine Chance hatten, das Feuer zu stoppen. 18 Menschen starben, darunter der Fahrzeuglenker, 30 Menschen wurden verletzt, drei davon schwebten am Dienstag noch in Lebensgefahr. Wie ist es um die Sicherheit von Reisebussen bestellt, insbesondere mit Blick auf den Brandschutz?

Das sei immer davon abhängig, wie ernst man den Aspekt Sicherheit nehme und welche gesetzlichen Vorgaben es gibt, sagt der Zeiler Busunternehmer Heinz Will. Was das schwere Unglück vom Montag betrifft, will er sich nicht auf Spekulationen einlassen, wen hier Schuld treffe. Nur soviel: Ein so schwerer Unfall sei immer eine Verkettung von mehreren unglücklichen Ereignissen. Dass es so tragisch enden musste, "ist einfach nur bedauerlich, da ist man baff, wenn man das erfährt".


Risiken minimieren

Will ist seit 43 Jahren selbstständiger Busunternehmer, war in etlichen Ländern mit den unterschiedlichsten Reisebussen unterwegs. Der 72-Jährige hat sich im Laufe seiner Karriere viel mit der Technik der Fahrzeuge beschäftigt, wie er sagt. Für ihn ist klar: Es gibt durch die aufwendige Verkabelung der Elektronik und viele eng verbaute Teile in modernen Bussen mehr mögliche Angriffs- und Ausbruchsflächen für ein Feuer. Man habe nicht alles in der Hand, aber man könne selbst viel dafür tun, das Risiko eines schweren Unglücks zu minimieren. Das A und O seien dabei "Pflege und Wartung" der Busse. In Wills Unternehmen arbeiten Kfz-Mecha-troniker für Bustechnik, die die Fahrzeuge vor und nach jeder Fahrt gründlich überprüfen. Alle drei Monate gibt es zudem eine Überprüfung durch den TÜV.

Im Falle des verunglückten Busses auf der A 9 liegt Heinz Will eine Information des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) vor, dass es sich bei dem Unfallfahrzeug um ein nur drei Jahre altes Modell des niederländischen Unternehmens VDL handelt. Will hat selbst schon Busse dieser Firma gefahren, "das sind brauchbare Reisebusse". Den Angaben des BDO zufolge habe der Unglücksbus im April dieses Jahres eine Sicherheitsprüfung "ohne Beanstandungen" überstanden.

Wie kann es dennoch zu dem Unglück kommen? Heinz Will, der ebenso wie sein Sohn und Juniorchef Alexander Will (42) unzählige Fernreisen absolviert hat, kann sich vorstellen, dass es in der Technik Probleme gegeben hat. Wenn während der Fahrt im Motorraum (das Dieselaggregat sitzt bei den hier üblichen Reisebussen hinten) ein Feuer ausbricht, kann es sein, dass der Fahrer es eine Zeit lang gar nicht bemerkt, da die Flammen durch den Fahrtwind flach nach hinten weggedrückt werden und so auch Rauch nicht in den Passagierbereich gelangt. Hält der Bus dann plötzlich, kann das Feuer um sich greifen. Die vielen Kunststoffteile im Motorraum seien zwar schwer entflammbar, aber sie brennen eben doch, sagt Will.


Brandschutzanlagen keine Pflicht

Auslöser könne etwa eine beschädigte Leitung des Turboladers sein, durch die sehr heiße Abgase zurück in die Verbrennungszylinder geführt werden, um die Leistung zu verbessern. Ebenso ein Kabelbrand sei denkbar. In modernen Reisebussen sind deswegen Brandschutzanlagen eingebaut, die automatisch ein Feuer im Motorraum löschen oder eindämmen können. Das sei aber keine gesetzliche Vorgabe und um Geld zu sparen, verzichten Unternehmer auf den Einbau. Will hat eine einbauen lassen.

Wichtig ist für Heinz Will auch, dass man die gesetzlichen Vorgaben beim sogenannten Abstandstempomaten (hält automatisch Abstand zum Vorderfahrzeug) verschärft: Die Technik ist zwar in vielen modernen Bussen vorhanden, aber sie kann manuell deaktiviert werden. Das machen viele Fahrer, um nicht automatisch abgebremst zu werden, wenn sie zum Überholen ansetzen. "Ich fordere, dass der Abstandstempomat Plficht wird", sagt Will.

Auch Busunternehmer Holger Bengel aus Wonfurt verfolgte die Berichterstattung über den Auffahrunfall des Reisebusses mit großem Interesse - und Betroffenheit. "Diese Strecke fahren wir laufend zu", erklärt der Unternehmer. Von insgesamt 19 Bussen hat Bengel sechs Fernreisebusse auf der Straße. "Und ich bin immer froh, wenn alle heil wieder zurück sind." Als Konsequenz aus dem Unglück will Bengel seinen Fahrgästen künftig nach der Begrüßung eine kurze Sicherheitseinweisung geben. "Wenn die Elektrik ausfällt, kann man die Bustüren über Nothähne öffnen. Über den Fenstern hängen Nothämmer", erklärt er.

Auch Thomas Frosch kennt die Strecke, auf der das Unglück passiert ist. "Auf dem Münchberg fahren die Lkw teilweise sehr langsam, aber ob das ein Grund für den Auffahrunfall war - das ist reine Spekulation", sagt der Busunternehmer aus Haßfurt. Und spekulieren und damit die Branche verunglimpfen, das will er auf keinen Fall. "Der Bus ist nach wie vor eines der sichersten Verkehrsmittel", betont der Unternehmer.

Eine Studie gibt ihm Recht: Im aktuellen Verkehrsträgervergleich von Allianz pro Schiene und Automobilclub Verkehr (ACV) liegt der Bus in puncto Sicherheit klar vor dem Pkw. Das sicherste Verkehrsmittel ist die Bahn.