Im Gerichtssaal ging es um eine Straftat, die sich in aller Regel im vertrauten Familien- oder Bekanntenkreis abspielt: einen sexuellen Missbrauch von Kindern. Dieses Muster bestätigte sich bei der am Mittwoch vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Haßfurt verhandelten Tat. Ein 50-jähriger Arbeiter wurde wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in Tateinheit mit dem Besitz von kinderpornografischem Material zu einer rechtskräftigen Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt (auf Bewährung).

Was in dem Ort im nördlichen Haßbergekreis genau geschah, lässt sich nur grob skizzieren, weil bei der Aussage des Angeklagten und der Zeugin die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde. Jedenfalls trug Staatsanwalt Markus Englich in seiner Anklageschrift das Ungeheuerliche vor, das am 2. November letzten Jahres in der Wohnung des Mannes geschehen war.

In den Wohnräumen befand sich an dem Abend der zwölfjährige Bub einer befreundeten Familie. Der Vater des Jungen war an diesem Tag beruflich unterwegs, die Mutter hatte anderweitige Verpflichtungen. Da bot sich der 50-Jährige an, auf den Buben aufzupassen. Nichts Böses ahnend, schickten die Eltern ihren Sohn in die Wohnung des Nachbarn. Man kannte und vertraute sich.

Im Computer

Neun Tage später klingelte die Kriminalpolizei Schweinfurt an der Wohnungstür der Mutter. Was sie dann im Gespräch von den Beamten erfuhr, schockierte und entsetzte sie über alle Maßen. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten am 5. November hatten die Ermittler im Computer 1132 Fotos und 684 Videos kinderpornografischen Inhalts gefunden.

Aber das war noch lange nicht alles: Zudem gab es fünf Aufnahmen ihres Sohnes mit eindeutig sexuell geprägtem Inhalt. Der Angeklagte hatte den Buben mit 20 oder 30 Euro gefügig gemacht. Heute noch leide der Junge unter diesem Ereignis, sagte die Mutter als Nebenklägerin. Obwohl er sich seit geraumer Zeit in psychotherapeutischer Behandlung befinde, rede er immer wieder im Schlaf von den Ereignissen.

In seinem Plädoyer lastete der Staatsanwalt dem Angeklagten insbesondere an, dass er "in perfider Weise das Vertrauens- und Abhängigkeitsverhältnis" eines Kindes ausgenutzt habe. Zudem sei der Besitz von Tausenden von Dateien mit kinderpornografischem Inhalt beileibe keine Lappalie. Dass der Beschuldigte bereits dreimal vorbestraft ist, wog nicht ganz so schwer, weil keine einschlägigen Verurteilungen dabei sind. Der Vertreter der Anklage forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren. Aufgrund der positiven Sozialprognose - der Mann arbeitet seit über 30 Jahren bei ein und derselben Firma -, räumte er eine Bewährungschance ein.

"Mit großer Angst"

Verteidiger Thomas Gärtner betonte das vorbehaltlose Geständnis seines Mandanten und die Tatsache, dass er sich im Gerichtssaal bei der Mutter des Buben entschuldigt hatte. Auf den Seelenzustand des Sexualstraftäters eingehend, beschrieb er ihn als "einfach strukturierten Menschen mit großer Angst, der immer ein schlechtes Gewissen hatte und dem ein Stein vom Herzen fiel, als alles aufflog." Wie er ausführte, hat sein Mandant volle Schuldeinsicht und besucht regelmäßig eine ambulante Therapie in Würzburg. 1500 Euro hat er als Schmerzensgeld bereits an die Familie des Jungen gezahlt. Er plädierte auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.

Das vom Schöffengericht ausgesprochene Strafmaß bewegte sich zwischen dem, was die Parteien beantragt hatten. Die Vorsitzende Richterin Ilona Conver wies in ihrer Urteilsbegründung darauf hin, dass von jedem Foto oder Video mit kinderpornografischem Inhalt ganz konkrete Kinder betroffen seien und der Besitz solchen Materials daher zurecht unter Strafe stehe. Der Missbrauch der Kinder entstehe nur, weil es eine entsprechende Nachfrage gebe.

Geldauflagen

Die Vollstreckung der Strafe wurde für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt und der Verurteilte darf seine begonnene Therapie nicht vorzeitig abbrechen. Die weiteren Geldauflagen bestehen darin, dass der Mann 600 Euro an den Weißen Ring und 2400 Euro an die geschädigte Familie zu zahlen hat.