Die Kämpfer für ein Waldschutzgebiet im Steigerwald sind in einem Verfahren am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof unterlegen - aufgeben aber wollen sie nicht. Der Gerichtshof lehnte am Donnerstag die Anträge von Naturschützern ab, die fordern, dass der "Hohe Buchene Wald" bei Ebrach erneut unter Schutz gestellt wird. Gegen das Urteil kann aber beim Bundesverwaltungsgericht Revision eingelegt werden, wie die Behörde am Donnerstag in München mitteilte. Diese Option wollen der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) nutzen (über das Urteil hatte unsere Zeitung bereits kurz in der Freitagsausgabe auf der Frankenseite berichtet).


Breite Diskussion

Im mündlichen Verfahren war breit diskutiert worden, ob das zunächst ausgewiesene Schutzgebiet "Hoher Buchener Wald" optisch abgrenzbar ist - und das auch sein muss.
Aus Sicht des Gerichts war es nun wohl entscheidend, dass diese Abgrenzbarkeit nicht gegeben ist - und deshalb schon die Ausweisung als Schutzgebiet rechtswidrig gewesen sei. Mit den schriftlichen Gründen für das Urteil des Gerichtshofs ist allerdings nach Angaben der Behörde voraussichtlich nicht vor September oder Oktober zu rechnen.


Der Streit geht weiter

Die Regierung von Oberfranken hat das 775 Hektar große Schutzgebiet "Hoher Buchener Wald" im Ebracher Forst (Kreis Bamberg) im vergangenen Jahr aufgehoben, nachdem ihr die Staatsregierung mit einer Änderung des Naturschutzgesetzes die Zuständigkeit dafür übertragen hatte. Das zuvor zuständige Landratsamt Bamberg hatte das Schutzgebiet im April 2014 als mögliche Vorbereitung für einen "Nationalpark Nordsteigerwald" ausgewiesen und sich gegen eine Aufhebung stets gewehrt. Das Landratsamt in Bamberg hatte auf dem Verordnungsweg das Schutzgebiet festgesetzt, um dem Kreis Bamberg auch die Möglichkeit einer Bewerbung um den Titel Weltnaturerbe offen zu halten. Eine Holznutzung fand seither nicht mehr statt. In dem Waldareal stehen nach einer Kartierung des Bundes Naturschutz noch hunderte Buchen mit einem größeren Stammdurchmesser.
Gegen die Aufhebung des Schutzgebietes hatten die Naturschützer geklagt - bisher vergeblich. Der Streit ist außerdem auch beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof anhängig.


Bewertungen

Die Reaktionen auf das Urteil fallen naturgemäß sehr unterschiedlich aus. "Dass die Revision zugelassen wurde, ist das Erfreuliche an dem Urteil", sagte der Landesgeschäftsführer des Bundes Naturschutz in Bayern, Peter Rottner. "Wir werden sie auch sicher einlegen."

"Ich bin enttäuscht, dass die Entscheidung nicht pro Naturschutz fiel", sagte der LBV-Landesvorsitzende Norbert Schäffer. "Ich gehe davon aus, dass auch wir weitere rechtliche Schritte einleiten." Ein Vergleich, also die Möglichkeit, einen Kompromiss zu finden, war während des Verfahrens gescheitert. Auch das bedauerte Norbert Schäffer.

Der Bund Naturschutz kritisiert: "Die Staatsregierung hat ihr Ziel leider erreicht, dass auch im ehemaligen Schutzgebiet der Holznutzung einen klaren Vorrang vor dem Schutz des Waldes eingeräumt wird. Nun droht über 6000 Starkbäumen und vielen weiteren Bäumen die Fällung", meint Hubert Weiger, der Landesvorsitzende des BN.

Das habe nicht nur fatale Folgen für die Waldnatur, sondern auch für die Steigerwaldregion rügt Norbert Schäffer: "Mit ihrer Verweigerungshaltung schadet die Staatsregierung der Steigerwaldregion, weil eine Weltnaturerbe-Bewerbung der Buchenwälder im Nordsteigerwald ohne ein flächiges Waldnaturschutzgebiet, wie es zum Beispiel im ,Hohen Buchenen Wald' vorlag, unmöglich ist."


Weiterer Ansporn

Bund Naturschutz und Vogelschützer sehen das Urteil als einen Ansporn, sich weiter und noch intensiver für einen Nationalpark Steigerwald stark zu machen. "Wir werden uns für einen Nationalpark Steigerwald in einer bayernweiten Kampagne bis zur Landtagswahl und vor Ort im Steigerwald einsetzen", kündigte Hubert Weiger an.
Der Verein "Unser Steigerwald", der vehement gegen einen Nationalpark ist, begrüßt das Urteil aus München. In einer Stellungnahme bezeichnet Oskar Ebert, der Zweite Vorsitzende des Vereins, die Verordnung des Bamberger Landratsamtes 2014 als "beispiellosen Willkürakt". Oskar Ebert sagt: "Dieses Vorgehen wurde auch von Juristen als ungeheuerlich und sogar als Rechtsbeugung bezeichnet."


"Scheinheilig"

Es sei "mehr als scheinheilig, wenn nun behauptet wird, dass es der Bayerischen Staatsregierung nur um die Holznutzung geht und die Bayerischen Staatsforsten diesen Wald nun rigoros abholzen werden. Gerade der nachhaltigen und verantwortungsvollen Waldbewirtschaftung der Bayerischen Staatsforsten ist es zu verdanken, dass sich der Steigerwald zu einem der wertvollsten Laubwaldgebiete Deutschlands entwickelt hat", betont Ebert. Der Verein empfiehlt den Staatsforsten, sich von den verbalen Attacken des Bundes Naturschutz nicht beeindrucken zu lassen und weiterhin eine nachhaltige und weitsichtige Waldbewirtschaftung mit einem integrativen Waldnaturschutz über die ganze Fläche sicherzustellen. Dieser Weg werde vom Verein "Unser Steigerwald" ausdrücklich unterstützt. Und diesen Weg wollen die Staatsforsten auch gehen, wie sie in einer Stellungnahme zum Münchner Urteil schreiben.
Keinen Sinn mehr macht laut Oskar Ebert der laufende Dialogprozess der Umweltministerin. Der frühere Bürgermeister von Rauhenebrach rügt die Ankündigung des Bundes Naturschutz, das Urteil soll neuer Ansporn für einen Nationalpark sein. Der BN habe neue Gräben aufgerissen und wolle offenbar keinen Dialog, bedauert Oskar Ebert. ks/MW, sw, dpa