Kreis Haßberge "Grandsigneur der CSU", "Glücksfall für den Landkreis", "Mister Haßberge" und "Gallionsfigur seiner Partei". Wenn einer sich so viele Meriten erworben hat und nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik noch so lange präsent bleibt wie Albert Meyer, dann wird er zur lebenden Legende. In der Nacht zum Donnerstag ist der frühere Finanzstaatssekretär Albert Meyer im Alter von 94 Jahren verstorben.

Der gebürtige Schweinfurter, der 1963 als Vorsteher des Finanzamts nach Zeil kam und seine Heimat in Haßfurt fand, galt als eines der Schwergewichte der CSU in Unterfranken. Über 32 Jahre hinweg, von 1966 bis 1998, war er Mitglied des bayerischen Landtags. 19 Jahre lang, von 1974 bis 1993, wirkte er als Staatssekretär im Staatsministerium der Finanzen. Eine ungeheuer lange Zeit, wenn man bedenkt, wie rasch heute Minister und Staatssekretäre ausgetauscht werden. Und ein Beleg für die Beliebtheit, Integrität und Kompetenz des unterfränkischen MdL, der unter vier Ministerpräsidenten wirkte.

Strippenzieher in München

Meyer stand für Kontinuität, Zuverlässigkeit, Fleiß und Loyalität. Im Finanzministerium saß er an der "Quelle" und war derjenige, der den Städten und Gemeinden in seinem Stimmkreis und somit dem Landkreis Haßberge Zuschüsse für wichtige kommunale Projekte sicherte. Zwar war es nicht sein Geld, mit dem er segensreich wirkte, aber er war der Bote, der die guten Zuschussraten möglich machte und erfreuliche Nachrichten überbrachte. Und er war derjenige, der bei Gewerbe- oder Industrieansiedlungen mit viel Geschick und Beharrlichkeit die Strippen zog.

Der Jurist gehörte nicht zu den Polterern und Marktschreiern in der Politik sondern wirkte eher im Stillen, bescheiden, nachhaltig und effektiv. Von 1967 bis 1971 stand der Jurist dem CSU-Kreisverband Haßfurt vor, anschließend war er bis 1993 Vorsitzender des CSU-Bezirksverbandes Unterfranken.

Wichtige Impulse

Zu den großen Taten Meyers gehörte auch das politische Wirken in Zusammenhang mit der Gründung des Landkreises Haßberge im Jahr 1972. Meyer war zur damaligen Zeit als Abgeordneter des Stimmkreises Gerolzhofen-Haßfurt und stellvertretender Fraktionsvorsitzender im bayerischen Landtag. Gemeinsam mit Landrat a. D. Walter Keller (ebenfalls CSU) trug er damals maßgeblich dazu bei, dass es den Landkreis Haßberge in der heutigen Form gibt, denn ursprünglich war Anfang der 1970er Jahre geplant gewesen, dass die Städte, Märkte und Gemeinden der Kreise Haßfurt, Hofheim und Ebern aufgeteilt werden auf die Landkreise Bamberg, Schweinfurt und Coburg.

Der Ehrenbürger der Stadt Haßfurt (2011) war all die Jahre ein gern gesehener Ehrengast bei öffentlichen Veranstaltungen. In den letzten Jahren, vor allem seit der Krankheit und dem Tod seiner Frau, war es jedoch merklich stiller um Albert Meyer geworden.

"Ein toller Mensch"

Viele seiner politischen Weggefährten und Erben schätzten ihn als Vorbild. Steffen Vogel, heutiger CSU-Kreisvorsitzender im Kreis Haßberge und als Landtagsabgeordneter Nach-Nach-Nachfolger von Meyer (im erweiterten Stimmkreis Haßberge/Rhön-Grabfeld), spricht vom Abschied von einem "Freund, Wegbegleiter, Mentor, dessen Verdienste für die Heimat nicht zu beschreiben sind".

Traurig über die Todesnachricht äußert sich auch Landrat Wilhelm Schneider. Ein großartigen Politiker, Mentor "und - trotz des Generationenunterschiedes - ein sehr enger Freund unserer Familie" sei gegangen. "Albert Meyer war ein toller Mensch, der immer ein Lächeln auf den Lippen hatte und den wir gerade wegen seiner charmanten, optimistischen, unkomplizierten und warmherzigen Art und Weise ins Herz geschlossen hatten", erklärt Schneider. Er habe Meyer als Gesprächspartner, Ratgeber und bürgernahen Politiker geschätzt, "der sich vorbildhaft für unseren Landkreis Haßberge eingesetzt und immer mit großer Verantwortlichkeit gehandelt hat". Sein unermüdlicher Einsatz für die Gesellschaft werde unvergessen bleiben.

Unvergessliche Begegnungen

Als "besonderen Menschen und einen einzigartigen Politiker, wie man ihn heute suchen muss", bezeichnet ein spürbar bewegter Günther Geiling den Verstorbenen. "Er war für mich über viele Jahrzehnte so etwas wie die Lichtgestalt des CSU-Kreisverbandes bis zu seinem Tode", sagt der frühere Bürgermeister von Breitbrunn und Vorsitzende der CSU-Kreistagsfraktion. Geiling schildert unvergessliche Begegnungen im Lauf einer 50-jährigen Freundschaft, unter anderem Treffen mit dem einstigen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß oder bei der Öffnung der Zonengrenze bei Käßlitz: "Ich bin dankbar, dass ich ihn ein Stück auf seinem Weg begleiten durfte, und werde ihn immer in bester Erinnerung behalten."