"Das wird der fantastischste Jahresrückblick aller Zeiten. Niemand hat je in so kurzer Zeit wie wir zurückgeblickt. Wir sind das beste Team, dass Sie sich je vorstellen können!" Mit diesem Anspruch haben Georg Koeniger, Florian Hoffmann und Michael A. Tomis vom Totalen Bamberger Cabaret (TBC) die Premiere ihres Jahresrückblicks vor "ihrem" Publikum beim Kulturamt Haßfurt live in der Stadthalle begonnen. Ihrer humorvollen Selbsteinschätzung wurden die Kabarettisten mehr als gerecht. Sie hielten Deutschland in 90 Minuten satirisch, zynisch und scharfzüngig den Spiegel vor und wurden dafür mit begeistertem Applaus bedacht.

"Premiere heißt: Das Programm ist frühestens in drei Wochen fertig", hatte Michael A. Tomis zu Beginn verdeutlicht. Doch auch, wenn es noch nicht richtig rund lief, nahm es das Publikum mit Humor und sah über kleine Pannen gerne hinweg. Denn der verbale Streifzug durch das Jahr 2017 war beeindruckend und ließ auch nicht die beliebten Anspielungen auf die fränkische Kultur und Sprache vermissen. So gehört der Sommerhit "Despacito" (ganz langsam) natürlich in die Rubrik "dreistester Diebstahl des Jahres".


Ein dreister Diebstahl von fränkischem Kulturgut

Denn er ist eigentlich ein fränkisches Volkslied und lautet im Refrain: "Des passt eh scho, wenn du mich fragst, find ich es schö so, is was langsam, is der Frangge sehr froh, wenn er was hasst, dann is es Tembo." Mit dem Lied fingen die Kabarettisten ihre Zuhörer ein und führten sie von einem "Negativ-Ereignis" zum anderen in diesem Jahr. Mit schwarzem Humor inszenierten sie den eigentlichen "Dieselgipfel", ein Gespräch zwischen "Golf-Father" mit seinem Hund "Adac" und Alexander Dobrindt, in dem der Verkehrsminister gezwungen wird, seinen Amtseid zu erfüllen: "Ich gelobe dem deutschen Volk zu dienen, solange es die Autoindustrie nicht stört". Denn schließlich steht schon im Grundgesetz: "Alle Macht geht vom Volkswagen aus." Passend dazu gab es den Deep Purple Song: "Smog aus dem Auspuff. Und er wird teuer nur für Euch!"


"Mutti auf Lebenszeit"

Ein weiteres großes Thema war die Bundestagswahl, die die drei Kabarettisten in einer Revue "Revue passieren" ließen. Darin traten Angela Merkel - "Ich bin so gut drauf, ich hör nie auf. Ich bleib die Mutti auf Lebenszeit" - oder Christian Lindner - "I'm to sexy for Politik" - mit den Vertretern der anderen Parteien in einen Wettstreit. Vielleicht wären ja die Jamaika-Koalitionsverhandlungen besser verlaufen, hätten die Verhandlungsführer das geplante Joint-Venture ernst genommen und erst mal einen Joint geraucht.

Georg Koeniger, Florian Hoffmann und Michael A. Tomis verschafften dieser fiktiven Diskussionsrunde mit ihrer Wortakrobatik jedenfalls einen ungewöhnlich humorvollen Anstrich. Die Jonglage mit Wörtern beherrschen sie ja auf außergewöhnliche Weise. So wurde das Publikum Zeuge einer Bundestagsdebatte über "die von der EU geforderte Bananenrückbiegeverordnung", die einerseits die verschiedenen Ansichten der Parteien über das Flüchtlingsproblem und andererseits die immer stärker werdenden "Töne der Verächtlichmachung und der Erniedrigung" (O-Ton Wolfgang Schäuble) überspitzt darstellten.

Da schimpfte "Alexander Gauland": "Es vergeht kein Tag, an dem nicht Tausende von Bananen ungehindert die Grenze überqueren, um dem deutschen Apfel den Platz in der Obstschale wegzunehmen. Deswegen fordern wir die sofortige Abschiebung aller Bananen, nur die braunen dürfen bleiben!" "Martin Schulz" hingegen forderte die Fünf-Tage-Woche für Bananen und betonte: "Die übergroße Mehrheit der Bananen, die zu uns kommen, ist nicht faul!"
Was die "CDU/CSU-Fraktion" zu dem Zwischenruf animierte: "Aber darunter sind jede Menge Schmarotzerbananen, die es auf unsere Sozialsysteme abgesehen haben!"

Mit Zitaten hat sich TBC ebenfalls befasst und den "Goldenen Vollpfosten" an Lothar Matthäus vergeben. Der hatte sich im Sender Sky in einer Diskussion um einen verschossenen Elfmeter zu dem Bonmot "Wäre wäre Fahrradkette, so ungefähr. Oder wie auch immer" hinreißen lassen.

Das Jahr 2017 als das Jahr des Separatismus" und der Unabhängigkeitsbewegungen bot den Kabarettisten eine Steilvorlage. Sie setzten ein solches Szenario in Franken an, genauer gesagt im fränkischen Strunzleinshausen, das nun seine Unabhängigkeit von der Gemeinde Drossenried fordert. Stolz präsentierte der Bürgermeister des Rebellendorfes eine eigene Flagge für den neuen "Staat Strunzleinshausen", drei rote Flaschen auf weißem Grund, und kündigte an, den "Strunz" als Währung einzuführen.

Viele weitere Themen, ob "kleine Jubiläen" wie 50 Jahre BigMac, 200 Jahre Fahrrad oder zehn Jahre iPhone, ob Großvaterfreuden in einer Patchworkfamilie, ob der Streit zwischen Seehofer und Söder oder die "Aussagekraft" von Überschriften in verschiedenen Zeitungen, wusste TBC in gewohnt satirischer, überspitzter und launiger Art und Weise ins Gedächtnis zu rufen. Außerdem ließ Michael A. Tomis mit seinem "Comeback des Jahres" als Adolf Hitler und dessen Freude über die zunehmenden Rechtsextremen und Rechtspopulisten in den europäischen Parlamenten das Blut in den Adern gefrieren.

Besonders viel Beifall erntete der ausgezeichnete Stimmenimitator für seinen Sketch "Neulich im Himmel", bei dem er Helmut Kohl, Willy Brandt, Marcel Reich-Ranicki und Franz-Josef Strauß in einen Dialog treten ließ.


Grund zur Feier ...

Am Ende wurde das "zuschauerigstes Publikum" für seinen Schlussbeifall mit dem Eingangslied "Des passt eh scho" verabschiedet. "Wir haben Grund zur Feier, weil wir das Jahr geschafft ham, was wir nicht gedacht ham. Viel ging uns auf die Eier, doch es geht voran, das neu Jahr fängt an".
"Das war pfiffig, interessant und gut gemacht", lobte Helga Stegner aus Augsfeld. Auch Matthias Schneider, Bürgermeister von Theres, fand den Jahresrückblick gut. "TBC ist eine schlagfertige Kabarettgruppe, die sich was traut und deswegen vielleicht den einen oder anderen nicht so mitreißt. Ich finde es aber gut, dass sie so offen von der Leber weg reden", sagte er.

Reiner Schuster aus Haßfurt wiederum war davon angetan, "dass sie das Fränkische herausheben und unser Sprachproblem mit den harten Konsonanten so schön auf den Arm nehmen." Der Auftritt hatte ihm sehr gut gefallen und so lobte er: "Der Abend war sehr unterhaltsam und der Vortrag sehr gekonnt. Wie sie die Automobilindustrie hergenommen haben, hat mich besonders beeindruckt. Ich hätte es bereut, wenn ich nicht gekommen wäre!"