Die Energiewende. Sie bereitet einigen Menschen Kopfschmerzen, weil sie so kompliziert ist. Das betrifft Gegner wie Befürworter.

Und jetzt? Jetzt sollen erstmal wieder die Gegner Kopfschmerzen bekommen, wenn es nach der Stadt Haßfurt und dem Hamburger Ökostrom-Anbieter "Greenpeace Energy" geht: In wenigen Wochen soll die Power-to-Gas-Anlage im Hafengebiet der Kreisstadt in Betrieb gehen, die mit Hilfe von Windstrom Wasserstoff erzeugt.

Haßfurt hat dabei Pionierarbeit geleistet, wie "Greenpeace-Energy"-Vorstand Nils Müller gestern vor Ort erklärte. "Die Windgas-Technologie ist ein zentraler Baustein für das Gelingen der Energiewende", sagte er, und man wolle "dieses Verfahren noch wirtschaftlicher" machen und "ihm so im großen Stil zum Durchbruch verhelfen".


Kunden zahlen freiwillig mehr

"Greenpeace Energy" bietet einen "proWindgas"-Tarif an, mit dem Kunden
freiwillig solche Projekte fördern. Auf jede Kilowattstunde zahlen sie einen Aufschlag von 0,4 Cent, den das Unternehmen in den Aufbau der Windgas-Technologie steckt. Deutschlandweit sollen so in den kommenden Jahren weitere solche Projekte anlaufen, wie es sie in Haßfurt und an einigen weiteren Standorten wie zum Beispiel in Mainz bereits gibt.

Wie stehen die Chancen, dass es klappt? Zum Technischen: Das Prinzip der Elektrolyse ist seit über 200 Jahren bekannt. Die Möglichkeit, mit elektrischem Strom Wasser in seine Elemente Sauerstoff und Wasserstoff zu zerlegen und letzteren als Energieträger zu verwenden, der anteilig ins Gasnetz eingespeist wird, könnte der Energiewende zum Siegeszug verhelfen.

Zum Wirtschaftlichen: Die Entwicklung und der Bau großer Elektrolyseure zur Wasserstoffgewinnung in (noch) geringer Stückzahl ist selbstredend nicht wirtschaftlich. Ein Problem könnte darin bestehen, dass sich die Anlagentechnik nicht am Markt etablieren kann.

Wie Bürgermeister Günther Werner gestern bei der Vorstellung des von Siemens gebauten, zwei Millionen Euro teuren 1,25-Megawatt-Elektrolyseurs erklärte, müsse man bereit sein, ein gewisses Risiko einzugehen. "Wo stünden wir heute, wenn keiner je ein Risiko eingegangen wäre?", fragte er.


Einflussnahme in Berlin

Zum Politischen: das Hauptproblem der Energiewende. Das umfangreiche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) etwa hat noch viel Verbesserungspotenzial, wie Nils Müller sagte: "Wir betreiben Lobbyarbeit in Berlin, um die Energiewende voranzubringen." Aber es gibt ja auch noch die Lobbyisten von der anderen Seite... womit wir wieder bei den Kopfschmerzen wären.