Die Tradition lebt in Königsberg. Kinder und Erwachsene feierten das Katzenkopffest der Regiomontanus-Grundschule. Wie seit vielen Jahren begann das Katzenkopffest auf dem Marktplatz der Stadt. Die Spottverse der Kinder, wie "Es leb' der Herr von Katzenkopf, mit seiner Frau, die hat kein' Zopf! Vivat hoch!", posaunten die Kinder lautstark durch die Altstadt. Mit der alten Tradition des Katzenkopffestes verabschieden die Schülerinnen und Schüler das endende Schuljahr.

Seit mehr als 150 Jahren wird dieses Kinderfest in Königsberg gefeiert. Es entwickelte sich aus dem einst weit verbreiteten Fest zu Ehren von Papst Gregorius I., der sich unter anderem als Förderer der Schulen hervortat. Ursprünglich im März zelebriert, zeigte man mit dem Katzenkopf einem Winterdämon seine Verachtung. Irgendwann wurden die Feierlichkeiten jedoch als Schuljahresabschluss auf einen Tag vor die Sommerferien verlegt.
An diesem Tag dürfen sodann zwei Viertklässler in den schwarzen Gehrock sowie die fränkische Bauerntracht schlüpfen, sich zwei Pappmaché-Masken überstülpen und, ausgestattet mit Zylinder und Regenschirm, den Tross der mit Blumenkränzen, Fahnen und Wedeln ausstaffierten Schulkinder bei ihrem feierlichen Zug durch die Altstadt hinaus zum Bleichdamm anführen. Begleitet von der schmissigen Marschmusik der "Sterzelbacher Musikanten" aus Prappach muss das Katzenkopfpaar Spottverse über sich ergehen lassen.

Auf dem Festplatz vor den Toren der Altstadt führen dann zunächst die Mädchen der zweiten, dritten und vierten Klassen die mittlerweile auch zur Tradition gewordene Polonaise vor. Im Anschluss daran boten die Schüler den Eltern und allen Zuschauern bezaubernde Vorführungen unter dem Motto "Eine Reise ans Meer". Beeindruckend dabei waren nicht nur die vielen bunten Kostüme, sondern auch die Aktionen der einzelnen Gruppen. So führte eine Gruppe, ausgestattet mit den unterschiedlichsten Schwimmutensilien, einen Tanz am Meeresstrand vor, bekämpften tapfere Taucher mit einer selbst gebastelten Kanone und in der entsprechenden Ausrüstung eine gefährliche Seeschlange und halfen fesche Meerjungfrauen mit bei ihrer Befreiung. Mutig hüpften Taucher ins Meer in Form einer Weichbodenmatte und legten etliche Schülerinnen und ein mutiger Schüler zum Ende der Darbietungen einen flotten Rock'n'Roll auf das Pflaster des Bleichdamm-Parkplatzes.

Nach den Vorführungen und dem gemütlichen Beisammensein der Kinder mit ihren Eltern und Lehrern vor der Stadthalle, marschierte die bunte Gruppe am späten Nachmittag gemeinsam, wiederum mit dem Katzenkopfpaar vorneweg, zurück auf den Marktplatz.

Dabei wurde augenscheinlich, dass von Jahr zu Jahr weniger Schüler durch die Straßen der Stadt ziehen. Wo sich früher der Marktplatz in ein mitunter unüberschaubares Meer aus bunten Fahnen und Wedeln verwandelte, sammelte sich nunmehr eine überschaubare Gruppe Kinder, die zum Abschluss des Tages gespannt die Enthüllung des maskierten Paares erwarteten: Es waren Leon Spath und Melissa Thieler, denen heuer die große Ehre zuteil geworden war, den Herrn von Katzenkopf und seine Gemahlin darstellen zu dürfen.

Zum Abschluss des Schuljahres bedankten sich sodann die Viertklässler in einem Wechselgespräch bei ihren Lehrerinnen, dem Elternbeirat und allen Personen, die sie in den vier Jahren ihrer Schulzeit begleiteten, mit Worten und einer gebastelten Blume. Ein besonderer Dank ging an Lehrerin Marie-Luise Egerer, die zum Ende dieses Schuljahres in den Ruhestand versetzt wird.

Nach dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne endete das Katzenkopffest, das bei vielen Außenstehenden die Erinnerung an die eigene Schulzeit ein bisschen zurückgebracht hat.