Eines wurde schnell deutlich, als der SPD-Unterbezirk (UB) Rhön-Haßberge in der Stadiongaststätte in Haßfurt sein 50. Jubiläum feierte: Die Geschichte des UB ist mit dem Namen Heiner Schneier untrennbar verbunden, der diesen von der Gründung an über 20 Jahre lang führte. Am 9. Mai 1964 schlug im damaligen "Bayerischen Hof" in der Hauptstraße in Haßfurt die Geburtsstunde des Unterbezirks, der die Kreisverbände Bad Kissingen, Bad Neustadt, Ebern, Haßfurt, Hofheim, Königshofen, Mellrichstadt und Hammelburg vereint.

Und wie sieht der UB-Ehrenvorsitzende selbst die zurückliegenden fünf Jahrzehnte? Scheier: "Mir lag es immer am Herzen, Menschen, die sich an mich gewandt haben, zu helfen. Ich war gerne für die Leute da, die sich mit Anliegen an mich wandten. Stets habe ich die Unterstützung meiner Partei und die meines unmittelbaren Umfeldes gehabt. Dafür bin ich dankbar."

"Die behäbige SPD aufgemischt"

Die Verdienste Schneiers würdigten auch seine beiden Nachfolger an der Spitze des UB - insgesamt gab es in dessen 50-jähriger Geschichte nur drei Vorsitzende: Schneier, dann Susanne Kastner (1985 - 2003) und schließlich Jürgen Hennemann (2003-2014). Matthias Kihn wurde im 51. Jahr Vorsitzender und begrüßte als solcher die Festteilnehmer. Ludwig Leisentritt, der als langjähriger Geschäftsführer des Unterbezirks zurückblickte, bezeichnete Schneier, der im Dezember 89 Jahre alt wird, als "unterfränkisches Maschinengewehr", das die etwas behäbige SPD im Kreis Haßfurt aufgemischt habe. "Der UB hätte wohl kaum diesen gewaltigen Aufschwung ohne den quirligen Heiner Schneier genommen", zeigte sich Leisentritt überzeugt. Unermüdlich habe Heiner Schneier an die Türen von Volksvertretern geklopft, um seine Ziele zu erreichen. Und Jürgen Hennemann, der elf Jahre an der Spitze des Unterbezirks stand, ergänzt: "Heiner Schneier hat unermüdlich Aufbauarbeit geleistet."

Im Gespräch mit Hennemann wird aber auch deutlich, dass es in den vergangenen fünf Jahrzehnten auch Tiefen für die SPD gab. Dazu gehörte das Abschneiden der SPD bei den Wahlen. "Eine schwere Zeit waren die Austritte von Sozialdemokraten wegen der Agenda von Kanzler Schröder", sagt Hennemann. "Es fehlt dem UB an jugendlichem Nachwuchs in der Fläche, die Ortsvereinszahlen gehen zurück, es gibt zu wenige aktive Ortsvereine, das finde ich bedauerlich."

Höhen und Tiefen

Beim Blick zurück in die Vergangenheit zeigte Leisentritt denn auch Höhen und Tiefen, Erfolge, aber auch Rückschläge "gnadenlos" und gleichzeitig kurzweilig und humorvoll auf. Er verhehlte nicht die vielen vergeblichen Kandidaturen von SPD-lern für den Land- und Bundestag. So habe auch Heiner Schneier 1974 nach zwölf Jahren seinen Sitz im Landtag verloren. "Die SPD, das ist kein stolzes Schiff, schon gar nicht ein Traumschiff, sondern ein Floß. Man hat zwar öfters kalte und nasse Füße, aber dafür sinkt es nicht", sagte Leisentritt.

Der "totale CSU-Staat" sei stets gegenwärtig gewesen und so habe auch Bernhard Ruß gegen Sebastian von Rotenhan bei der Landtagswahl 1998 den Kürzeren gezogen. Leisentritt ging auf Plänkeleien aus "unruhigen Zeiten" zwischen örtlichen Mandatsträgern der SPD und der CSU ein. Jahrelang habe die Gebiets- und Gemeindereform für Widerstand gesorgt. "Unsere Partei im Raum Maroldsweisach befand sich im Dauerclinch mit Ermershausen. Wir verloren zahlreiche Mitglieder und Wähler."

Besonders die Bundestagswahl 1972, die "Willy-Wahl", sei bei den Älteren dagegen noch in guter Erinnerung. "Der Wahlsieg hat die Partei bis in die kleinsten Orte beflügelt. Eine derartige Eintrittswelle hat es seitdem nicht mehr gegeben", sagte Leistentritt.

Kein Blatt vor den Mund

Kurz nach der erfolglosen Bundestagswahl 1980 suchte man eine bodenständige Kandidatin. Deshalb habe er Susanne Kastner bei einem Ausflug in die Bundeshauptstadt gefragt und diese habe spontan geantwortet: "Ja, ich würde das machen!" So habe die 24-jährige Ära der etwas "aufmüpfigen" Susanne Kastner als Bundespolitikerin begonnen, die weder in der Kommunalpolitik in ihrem Heimatort Maroldsweisach noch auf Kreisebene ein Blatt vor dem Mund genommen habe. Schließlich konnte Susanne Kastner 1989 in den Bundestag einziehen und dort 24 Jahre wirken, ja sogar das Amt einer Bundestagsvizepräsidentin erreichen.

Heute stehe man insgesamt nicht schlecht da. "Zumindest im Landkreis Haßberge wachsen die Bäume der Union nicht in den Himmel." Mit einem Zitat von Hans-Jochen Vogel schloss Leistentritt seinen kurzweiligen Vortrag: "Das sind die Weisen, die durch Irrtum zur Wahrheit reisen. Die bei dem Irrtum verharren, das sind die Narren."