Sechs Jahre können schon eine sehr lange Zeit sein. Erst recht, wenn man voller Tatendrang ist. Weil der Bund der deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) nach der überaus gelungenen Premiere 2013 eine bundesweite "72-Stunden-Aktion - Uns schickt der Himmel" erst wieder in drei Jahren plant, startete der Regionalverband am späten Donnerstagnachmittag nun (s)eine eigene Sozialaktion im Dekanat Haßberge.

Im Mittelpunkt stehen bis zum Sonntagabend Organisation sowie handwerkliche Fähigkeiten wie hämmern, sägen, bohren, mauern, schleifen, schaufeln, streichen, pflanzen oder säubern. In erster Linie geht es aber um Teamwork sowie viel Spaß unter- und miteinander. "Das Interesse an der Aktion ist ungebrochen.
Kinder und Jugendliche wollen sich einbringen und wir schaffen Rahmen und Möglichkeiten", erklärte BDKJ-Vorsitzende Sandra Hartmann (Ottendorf), Leiterin des zumeist ehrenamtlichen Koordinierungskreises bei der offiziellen Eröffnung des dreitägigen "Non-Stop-Workshops".

Zahlreiche der knapp 350 Teilnehmer aus den elf verschiedenen Gruppen waren dazu in die Haßfurter Stadtpfarrkirche gekommen. "Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz, da sehr viele Kinder und Jugendliche die Chance nutzen, sich für soziale Projekte zu engagieren", freute sich die 21-Jährige.


"Generation voller Elan"

Begeistert zeigte sich Landrat Wilhelm Schneider, zusammen mit Dekan Stefan Gessner (Baunach) Schirmherr der 72-Stunden-Aktion, über "so viele junge Menschen, die sich freiwillig gemeinnützig engagieren, sich Zeit für andere Menschen nehmen und ihre Heimat aktiv mitgestalten". Für ihn "einfach grandios und eine grandiose Idee." Die "junge Generation" sei "tatkräftig" und "voller Elan. Sie sprüht voller guter Ideen, übernimmt Verantwortung und strengt sich gemeinschaftlich an, um jede Menge Positives für unseren Landkreis und seine Bürgerinnen und Bürger zu bewegen. Dieses Engagement hat Vorbildcharakter", lobte Schneider im Vorfeld.

Der Landrat bedankte sich bei allen, die an der Planung und Organisation der Sozialaktion mitwirkten, in erster Linie beim Koordinierungs-Kreis mit Sandra Hartmann, Maximilian Gerschütz (ebenfalls Ottendorf), Johannes Lang, Sherry Zipperer, Regionaljugendseelsorger Matthias Vetter (alle BDKJ-Regionalverband), Wolfgang Winter (DPSG Haßfurt), Laura Besendorf (Gädheim), Dominic Meinhof (Baunach) und Jonas Kollmann (Ibind). "Das war sicher ein hartes Stück Arbeit, die sich aber lohnt, denn die Aktion wird für eine lange Zeit positive Spuren in den einzelnen Orten hinterlassen. Macht weiter so."

Peter Schleich ist angesichts von "soviel ehrenamtlichem Engagement für die Zukunft unseres Landkreis nicht angst und bange". Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Ostunterfranken, die die Aktion unterstützt, hält die Bereitschaft, sich für die Belange der Region und Themen vor Ort einzubringen für klasse. Dies sei in der heutigen Zeit "nicht selbstverständlich".

In manchen Ortschaften haben sich derweil Gruppen extra für die 72-Stunden-Aktion zusammengefunden. "Gutes Tun schweißt zusammen. Wir freuen uns, wenn die Gruppen am Sonntagabend nicht auseinander gehen, sondern sich Freundschaften entwickeln und gepflegt werden", wünscht sich Sandra Hartmann. "In 72 Stunden lernt man Menschen von den unterschiedlichsten Seiten kennen und wird sehr häufig positiv überrascht, was in dem oder der Nächsten für Talente verborgen sind."


Raum für Engagement

Sie erinnerte an das tolle Event vor drei Jahren, bei der sie selbst für eine Ortsgruppe verantwortlich war. "Die Erfahrungen der letzten Aktion sind für uns Ansporn und Motivation auch diesmal wieder Raum zu schaffen, in dem sich Kinder und Jugendliche einbringen und engagieren können", machte sie deutlich. Die intensiven gemeinsamen Erfahrungen sollen "Bereichern und Mut machen sich auszuprobieren, sich zu wagen Dinge anzupacken". Nächstenliebe und der Einsatz für andere seien "Grundpfeiler, nicht nur der christlichen Nächstenliebe sondern der Gesellschaft". Durch ihre Teilnahme würden die Kinder und Jugendlichen zeigen, dass "sie an dem interessiert sind, was um sie herum geschieht, sie anpacken wollen und die Zukunft mitgestalten möchten", zeigte sich Sandra Hartmann bei der Eröffnung überzeugt.
Als ein "Zeichen von Lebendigkeit im Dekanat" bezeichnete Dekan Stefan Gessner die große Resonanz seitens der Jugendlichen auf die 72-Stunden-Aktion. Für ihn ist die Aktion ein Beweis dafür, dass die heutige junge Generation interessiert und engagiert ist. "Die große Anzahl macht Mut, dass in den Gemeinden auch Leben ist und weiter gehen wird."
Der angesprochene Tatendrang war derweil sicht- und spürbar: Bei den "Oberthereser Helden", die bis Sonntagabend einen Spielplatz in ihrer Gemeinde renovieren wollen, ebenso wie beim "Hoha Clan-Horhausen" (Renovierung Bushäuschen), bei den "Eltmänner Waldmusikanten" (Gestaltung eines zur Verfügung gestellten Geländes als öffentlicher Platz), den Zeiler "Bolzplatzhelden" (Erneuerung des Bolzplatzes und des Spielplatzes), der "Lust-und-Laune-Gruppe" aus Buch, die unter anderem den Barfußpfad erneuern und am Sonntag beim Pfarrfest helfen wollen, sowie bei all den Anderen der sogenannten "Do-it"-Gruppen, die ihre Aufgaben im Vorfeld kannten und sich deshalb Gedanken über die Verwirklichung machen konnten.


"Jo, wir schaffen das!"

Sie alle bekamen symbolisch ihre "Aufgaben" an grünen Luftballons überreicht. An vielen Stellen und Ecken im Landkreis sind die meist jungen "Laien"-Handwerker, oft natürlich tatkräftig unterstützt von erwachsenen "Profis", noch bis Sonntagabend am Werk, um ihre Vorhaben in die Tat umzusetzen. Auf die Frage, "Bauarbeiter, könnt ihr eure Vorhaben schaffen?", gab es bei der Eröffnung nur eine Antwort: "Jo, wir schaffen das!" Und spätestens dann wird wohl öfters zu hören sein: "Euch schickte wirklich der Himmel."