Die 49-jährige Angeklagte hatte im Februar 2012 am Amtsgericht Haßfurt einen Antrag auf Gewaltschutz gegen ihren geschiedenen Mann gestellt. Sie versicherte einem Rechtspfleger, dass ihr "Ex" sie bedrängt, beschimpft und ihr Haus verwüstet habe. Der Mann dementierte die Vorwürfe, und so landete das Ehepaar vor Gericht: sie wegen falscher Versicherung an Eides Statt und er als Zeuge.

Lautstarke Anschuldigungen

Da die 49-Jährige zum ursprünglich angesetzten Gerichtstermin nicht erschienen war, wurde die Frau dieses Mal von zwei Polizisten zur Verhandlung ins Amtsgericht gebracht. Dort saß sie, völlig abgemagert: ein Häufchen Elend auf der Anklagebank.

Doch das zerbrechliche Äußere täuschte: Richter Roland Wiltschka musste die Hartz-IV-Empfängerin mehrfach zur Ordnung rufen.
Sie hielt an ihren Anschuldigungen lautstark fest.

Der Ex-Mann sei am Morgen des 3. Februars 2012 in ihr Haus eingedrungen, habe sie und ihre Söhne als "asoziale Objekte" beschimpft, Porzellan zerschlagen und sie geschubst. "In Todesangst" habe sie daraufhin die Polizei verständigt. Währenddessen habe ihr Ex-Mann versucht, die Türschlösser auszutauschen.

Kontakt nur mit Zeugen

Aus Sicht des fünf Jahre jüngeren Ex-Mannes klang der Vorfall völlig anders. Als eingetragener Haus- und Grundstücksbesitzer lässt er seine Ex-Frau mit ihren beiden Söhnen dort zur Miete wohnen. Er habe die "Ex" im Beisein zweier Zeugen aufgesucht, um zu klären, was mit dem Haus passieren soll.

Denn seit über einem halben Jahr sei die Haus-Übernahme samt finanzieller Verbindlichkeiten durch die Söhne geplant, erklärte er dem Richter. Doch die Stiefsöhne von einst und die Ex-Frau kümmerten sich um nichts. "Das Drama geht seit Jahren. Ich weiß inzwischen, wie sie ist", schilderte der Mann dem Richter resigniert.

Staatsanwalt Alexander Baum bewertete die Aussagen des Ex-Manns und der beiden Zeugen als glaubwürdig. Sie hatten bestätigt, dass es zu keinen Handgreiflichkeiten gekommen war.
Die Darstellung der 49-jährigen Angeklagten schien dem Staatsanwalt dagegen "bei weitem übertrieben". Durch ihre Falschaussage habe sie sich strafbar gemacht.

Söhne zur Falschaussage gedrängt?

Eigentlich war die Sache damit klar - aber nicht für die Angeklagte. Sie bestand darauf, ihre 22 und 23 Jahre alten Söhne als Zeugen zu vernehmen. "Wollen Sie Ihre Söhne wirklich zu einer Falschaussage drängen?", fragte Roland Wiltschka mehrfach nach. Sie wollte. Also wurden die Söhne in aller Eile ins Gericht zitiert, wo sie sich prompt in Widersprüche verstrickten. "Überlegen Sie sich ganz genau, was Sie sagen", ermahnte der Amtsrichter die beiden jungen Männer. Es half nichts. Selbst dann nicht, als der Richter laut wurde und Staatsanwalt Baum mit der Einleitung eines Verfahrens wegen Falschaussage drohte.

Schließlich wurde die Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten verurteilt - ihre siebte Verurteilung seit 2003 und zugleich die vierte Straftat während einer laufenden Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. "Wir machen viel mit, aber nicht alles", schloss Roland Wiltschka die Verhandlung. Die beiden Söhne werden in Kürze vorgeladen.