Was ein junger Autofahrer in einer Nacht im Oktober 2019 anstellte, hatte nun vor dem Amtsgericht in Haßfurt ein juristisches Nachspiel. Der heute 22-Jährige stieg damals betrunken in seinen Wagen, schrammte damit ein anderes Fahrzeug, kam dann in der Kurve auf einer Kreisstraße von der Fahrbahn ab, nietete zwei Straßenpfosten und ein Richtungsschild um und landete schließlich in einem frisch gepflügten Acker. Wegen Trunkenheit im Verkehr und Fahrerflucht wurde er zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 60 Euro verurteilt. Außer den 4800 Euro wurde eine weitere Sperrfrist für seinen bereits vor einem Jahr eingezogenen Führerschein angeordnet.

Der geständige junge Mann erklärte auf Nachfrage von Richterin Kerstin Leitsch, dass er an dem fraglichen Abend bei einer Feier in einer Sportgaststätte einer Kleinstadt gewesen sei. Dort habe er insgesamt sieben Flaschen Bier getrunken. Als er dann kurz vor Mitternacht zur nahe gelegenen Wohnung seiner Freundin gekommen sei, war diese nicht zu Hause. Er hatte vermutet, dass sie sich in einer Disco amüsieren würde und sei immer eifersüchtiger geworden. Wohl um sie zu suchen und vielleicht auch zur Rede zu stellen, habe er sich dann betrunken ans Steuer seines Autos gesetzt und sei losgefahren.

Dass er schon nach wenigen Metern ein am Straßenrand geparktes Fahrzeug angefahren hatte, will er damals nicht bemerkt haben. Allerdings muss es einen ordentlichen Rumms gegeben haben, denn eine Nachbarin sagte als Zeugin vor Gericht, dass sie von dem Schlag aufgewacht sei. Der später an dem angefahrenen Wagen festgestellte Schaden belief sich auf rund 2500 Euro. Nach dem Rempler bog der Betrunkene auf eine Kreisstraße ab. Aber schon nach rund zwei Kilometern war Endstation. Er baute einen Unfall. Der 22-Jährige stieg aus und lief zu Fuß zurück zur Wohnung seiner Freundin, wo er den erlebten Schrecken mit zwei weiteren Flaschen Bier heruntergespült haben will.

Als die Polizei am darauffolgenden Vormittag den Unfallort inspizierte, erschien auch der Unfallfahrer mit seinen Eltern und seiner Freundin am Tatort. Der Beamte, der damals vor Ort war, schilderte im Zeugenstand den seinerzeitigen Vorgang. Der Polizist ging davon aus, dass Alkohol im Spiel war. Diese Vermutung erwies sich bei der Blutprobe als Volltreffer, denn: Obwohl es bereits kurz vor 11 Uhr vormittags war, waren noch 0,97 Promille Alkohol im Blut nachweisbar.

Das praktisch neuwertige Auto im Acker war auf die Firma zugelassen, in der der 22-Jährige arbeitete und hatte einen wirtschaftlichen Totalschaden. Der Angeklagte war nach dem Vorfall heilfroh, dass sein Arbeitgeber viel Verständnis zeigte und ihn nicht vor die Tür setzte. Vor Gericht machte der Beschuldigte einen ruhigen und auch reuigen Eindruck. Von dem angerichteten Schaden hat er einen Teil bereits zurückgezahlt. Allerdings hielt ihm die Richterin sein bisheriges Sündenregister mit drei Einträgen vor. Zweimal musste er sich wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verantworten, und 2018 beging er im mittelfränkischen Zirndorf eine Fahrerflucht, als er ein Verkehrsschild demolierte und danach verduftete.

Die Staatsanwältin forderte in ihrem Schlussvortrag eine Geldstrafe von 6000 Euro. Das Urteil fiel etwas milder aus, wobei der junge Mann frühestens in drei Monaten seine Fahrerlaubnis neu beantragen kann. Mit klaren Worten an den Verurteilten begründete die Richterin den Schuldspruch: "Sie müssen sich langsam bewusst machen, was Sie im Straßenverkehr fabrizieren. So kann es nicht weitergehen! Beim nächsten Vergehen kommen Sie nicht mehr mit einer Geldstrafe davon, dann geht es um eine Freiheitsstrafe!"