Simon Klawitter mag es, dass er abends sieht, was er getan hat. Der 25-Jährige hat eine Kletterpflanze aufgepäppelt. "Die Prunkwinde war klein und vernachlässigt." Einige Wochen hat sich der gelernte Zierpflanzengärtner um sie gekümmert, bis sie sich um den Stamm eines Baumes gewickelt hat. Zusammen mit zehn anderen sorgt sich Simon Klawitter aus Obertheres um den Garten des Kolping-Bildungszentrums in Haßfurt. Der ist Teil des Projekts "Team Arbeit". Ziel ist es, Menschen, die Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben, zu stabilisieren und einzugliedern.

Zurück in die Arbeit

"Der wichtigste Punkt ist, sie ins Arbeitsleben zurückzuführen", sagt Kornelia Schamberger. Sie ist pädagogische Betreuerin und hat immer ein offenes Ohr für die Teilnehmer. "Wir unterstützen die Leute, damit sie einen passenden Arbeitsplatz finden." Bewerbungstraining, Hilfe bei Formalitäten - oder auch einmal Unterstützung bei der Wohnungssuche oder die Begleitung zur Schwangerschaftsberatung: "Wir sind für alles da", sagt Kornelia Schamberger und lächelt. "Viele haben Probleme, überhaupt aufzustehen. Wir wollen wieder Kontinuität in ihr Leben bringen." Die Teilnehmer müssen sich erst daran gewöhnen, längere Zeit Arbeit zu verrichten, meint die Betreuerin. Drei bis acht Stunden sind sie am Tag beim Kolping-Bildungszentrum beschäftigt. Wenn sie einmal nicht gut drauf sind, werde darauf Rücksicht genommen. "Einige haben psychische Probleme und auch mal einen schlechten Tag."

Gemüse statt Dschungel

Bis 2011 war das Projekt für junge Frauen ausgelegt, um sie mit kreativer Arbeit in einer Näh-Werkstatt aus der Arbeitslosigkeit zu holen. Seit zwei Jahren machen auch Männer mit, und jetzt sogar alle Altersklassen. "Der jüngste Teilnehmer ist 16 Jahre, der älteste 55", sagt Kornelia Schamberger. Wie lange jemand mitmachen kann, ist begrenzt. Die meisten Männer der Gruppe leisten einen gesellschaftlichen Beitrag im Garten des Bildungszentrums.
Den hat Biologe Michael Hauck mit ihnen angelegt. Noch vor zwei Jahren haben sie sich mit Macheten durch den dichten Brombeerdschungel geschlagen, erzählt der 43-Jährige. Jetzt wartet saftiges Gemüse darauf, geerntet zu werden. Bunte Libellen flitzen durch die Kräutersträucher bis zu einem der Teiche. Mispel, Maulbeer- und Mandelbaum, Erdbeermais und Seifenkraut: Der Biologe setzt "uralte, einheimische Pflanzen, die leider vergessen werden". Das Stückchen Erde soll zu einem Schau-, Genuss- und Nutzgarten werden. Jeder kann dort einkaufen, wie die frisch gepflückten, gestreiften Zucchini.

"Der Garten hat eine positive Wirkung auf die Leute, die hier arbeiten", sagt Michael Hauck. Es tue den Teilnehmern gut, unter Menschen und an der frischen Luft zu sein. "Weg vom Computer in die Sonne. Ich sage ihnen immer: Ihr seid hier, damit Ihr ein gutes Gefühl mit nach Hause nehmt."

Kreativität und Handwerk

Simon Klawitter und die anderen, die im Garten arbeiten, können sich in eigenen Projekten auch selber einbringen. Der Obst- und Gemüseanbau ist aber nicht für jeden etwas. Die anderen der Projektgruppe "Team Arbeit" lassen ihrer Kreativität in der Schneiderei und in der Werkstatt freien Lauf. Auch Lydia Michel fühlt sich dort wohl.

Die 28-Jährige mag es, mit den Händen zu arbeiten. Gerade näht sie einen Zugluftstopper. Die allein erziehende Mutter ist seit dem vergangenen Dezember jeden Tag drei Stunden im Bildungszentrum. "Das ist viel besser als Computerkurse, die mich nicht interessieren." Während der Schulferien kann sie auch ihre beiden Kinder mitbringen. Weil sie sich allein um ihre achtjährige Tochter und ihren zehnjährigen Sohn kümmert, ist es für sie schwierig, eine Ausbildung zu starten. "Schreinerin finde ich gut." Bisher habe es aber nicht geklappt. In der Kreativwerkstatt in Haßfurt kann sie auch stricken oder häkeln. Ihre Handarbeit kommt an. Die Frauen fertigen unter der Anleitung einer Schneiderin auch Taschen, Türstopper, Kinderkleider oder Schlüsselanhänger. Auch Auftragsarbeiten nehmen sie an, wie vor Kurzem ein neuer Bezug für einen Autositz.

"Alle sind total stolz, wenn ihre Sachen verkauft werden", sagt Kornelia Schamberger. "Es ist schön, wenn man etwas bewegen kann. Auch wenn es nur ein kleiner Schritt ist."