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Plastikmüll vermeiden: Fränkische Supermärkte bieten umweltfreundliche Alternativen

Die Vermeidung von Plastik ist nicht nur ein Gebot des Umweltschutzes, sondern auch ein Dienst an der eigenen Gesundheit. Die Supermärkte im Landkreis bieten bereits viele Alternativen, um beim täglichen Einkauf Plastik zu reduzieren.
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An der Fleischtheke des Rewe-Marktes in Ebelsbach ist es gang und gäbe, dass Kunden ihre eigenen Behälter zum Befüllen mitbringen. Die Mitarbeiter stellen das Gefäß auf ein Tablett, setzen die Waage auf Null und befüllen es dann. Den Deckel setzt der Kunde drauf. Fotos: Jutta Rudel
An der Fleischtheke des Rewe-Marktes in Ebelsbach ist es gang und gäbe, dass Kunden ihre eigenen Behälter zum Befüllen mitbringen. Die Mitarbeiter stellen das Gefäß auf ein Tablett, setzen die Waage auf Null und befüllen es dann. Den Deckel setzt der Kunde drauf. Fotos: Jutta Rudel
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Plastik ist ein großartiges Erzeugnis des menschlichen Forschergeists. So schützt Plastik beispielsweise Lebensmittel vor Keimen. Lebensmittel können auf diese Weise länger für den Verzehr gelagert werden.

Der Triumph des Plastiks aber hat eine dunkle Seite. Plastik zerstört die Umwelt und attackiert darüber hinaus auch ganz unmittelbar die menschliche Gesundheit. Da Plastik sich nur sehr langsam abbaut, sammelt sich immer mehr Müll an. Eine einzige Flasche aus Kunststoff braucht laut Umweltbundesamt bis zu 450 Jahre, um komplett abgebaut zu sein.

Alternativen im Supermarkt

"Nicht zuletzt landen mikroskopisch kleine Kunststoffe, so genanntes Mikroplastik, über die Nahrungskette früher oder später wieder auf unseren Tellern", sagt Matthias Zeuner-Hanning von der Verbraucherzentrale Bayern. Von heute auf morgen komplett auf Plastik zu verzichten - das geht. Diese radikale Umkehr allerdings setzt die Bereitschaft voraus, auf viele für selbstverständlich gehaltene Annehmlichkeiten zu verzichten.

Die andere Möglichkeit ist, Schritt für Schritt, und mit jedem Schritt ein bisschen mehr, Plastik aus seinem Leben zu verbannen. Das kann gelingen, ohne dass darunter die eigene Lebensqualität leidet. Supermarkt-Ketten geben einen Anstoß: Durch das Plastiktütenverbot gibt es in vielen Märkten an den Kassen nur noch Stoffbeutel oder Einkaufkartons. So auch im Rewe-Markt in Ebelsbach, wie Geschäftsführer Stefan Helmreich berichtet. Auch im Knetzgauer Edeka-Markt gibt es die Kartons, die gut angenommen werden. "Wir verkaufen etwa 50 Stück pro Woche", sagt Geschäftsführer Arnold Karais. Diese würden monatelang halten und ein Gewicht von bis zu 25 Kilogramm tragen.

Ausgenommen vom Plastikverbot sind die Tüten in der Obst- und Gemüseabteilung. Doch auch hier gibt es umweltfreundliche Lösungen. "Wir haben Mehrwegnetze und Papierbeutel als Alternativen zur Plastiktüte", erzählt Michael Meyer, Juniorchef des gleichnamigen Edeka-Markts in Zeil. Wenn die Papiertüten ausgehen, fragen einige Kunden sogar nach ihnen, weil sie die kleinen Plastikbeutel nicht benutzten woll, ergänzt Arnold Karais, "Kunden kaufen auch allgemein mehr lose Ware", weiß er in Bezug auf eingeschweißtes Gemüse.

"Es gibt auch Einige, die ihre eigenen Behältnisse mitbringen", sagt Meyer. Auch in den anderen Supermärkten ist das keine Seltenheit, wenn an der Fleisch- und Käsetheke die Lebensmittel direkt in die Tupperdose kommen, anstatt in einer Folie eingewickelt zu werden. Das Umweltbewusstsein steige schon seit den letzten drei bis vier Jahren, meint Karais.

"Der Trend geht definitiv weg von Plastik", sagt Helmreich auch in Bezug auf die Flaschen. Hier merke man das sich ändernde Verbraucherverhalten aber nicht so stark wie bei den restlichen Produkten im Supermarkt, so Meyer. Dass sich aber grundlegend das Verhalten der Kunden ändert - und zwar nicht nur aufgrund von Verboten - darin sind sich die Filialleiter einig. Aus eigenem Interesse greifen immer mehr Kunden auf umweltfreundliche Verpackungen und Alternativen zurück.

Um Plastik zu reduzieren, gibt es also viele Alternativen, die in den Supermärkten angeboten werden. Zur Übersicht geben die Verbraucherzentralen in Bayern und Nordrhein-Westfalen grundlegende Tipps für die Reduzierung von Plastik im Alltag.

Plastik beim Einkaufen reduzieren: 6 Tipps der Verbraucherzentralen

1. Auf Mehrwegtaschen setzen

Seit Plastiktüten nicht mehr unentgeltlich, sondern nur noch gegen einen - wenn auch geringen - Betrag im Handel abgegeben werden, sinkt ihr Verbrauch merklich.

Trotz ihres vordergründig guten Images gelten Einwegtaschen aus Papier oder auch Biokunststoff als keine wirklich umweltfreundliche Alternative. Abfallfreie und umweltfreundliche Wegbegleiter für Einkäufe sind die bewährten Stoffbeutel und der Einkaufskorb. "Praktisch für Spontaneinkäufe und aus ökologischer Sicht noch besser als Baumwolltaschen sind leichte Mehrwegtaschen aus robustem Polyestergewebe", sagt Matthias Zeuner-Hanning von der Verbraucherzentrale Bayerb. Sie ließen sich klein falten und in die Handtasche stecken.

2. Dünne Tüten bei losen Waren vermeiden

Kleine Stoffbeutel mit Zugband sind nach Überzeugung der bayerischen Verbraucherzentrale "eine gute Alternative" zu den dünnen Plastikbeuteln, mit denen offenes Obst und Gemüse transportiert werden.

Zugbeutel werden in Bioläden sowie auch im Internet angeboten. Sie können übrigens auch aus Stoffresten hergestellt werden. Ein Weihnachtsgeschenk? Zugbeutel sind auch für trockene Produkte wie beispielsweise Brot eine umweltfreundliche Alternative: "Allein für Ihre Sonntagssemmeln sparen Sie um die 50 Papiertüten im Jahr ein", sagt Matthias Zeuner-Hanning.

3. Läden mit unverpackten Waren ausprobieren

Das Engagement von Supermärkten und Discountern soll nicht geleugnet werden. Aufgescheucht von Debatten für mehr Umwelt- und Klimaschutz sowie sich wandelnden Kundenpräferenzen sind auch sie zunehmend an einer Vermeidung von Plastikmüll interessiert.

Daneben sind nach Auskunft der Verbraucherzentrale Bayern insbesondere Bioläden, Hofläden oder Wochenmärkte Alternativen, um Waren unverpackt und damit ohne die sie umgebenden Plastikverpackungen zu kaufen. Das Geschäftsmodell der "Unverpackt-Läden" , einen davon gibt es in Bamberg in der Luitpold-Straße, ist das Angebot von losen Waren, die der Kunde bei seinem Einkauf in selbst mitgebrachte oder wiederverwendbare Behälter abfüllt. Im Bamberger "Unverpackt-Laden" gibt es inzwischen einen großen Teil an Waren des täglichen Bedarfs - sogar Putz- und Waschmittel zum Selbstabfüllen.

4. Eigene Verpackungen verwenden

Die in Deutschland geltenden Hygienevorschriften sind streng. Der Bereich hinter der Theke ist Sperrgebiet für Materialien, die nicht aus dem Geschäft selbst stammen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sind inzwischen aber "mehrere Praktiken" entstanden, um die Problematik zu umgehen: So wird die Ware über die Theke direkt an die Kunden gereicht, teilweise mithilfe von Papier oder einer Zange.

Oder der Kunde stellt seine Vorratsbox auf ein Tablett auf der Theke. Das Verkaufspersonal füllt sie dort. Die Coffee-to-go-Mehrwegbecher befüllen viele Cafés und Bäckereien.

5. Auf Plastikflaschen verzichten

Das Leitungswasser in Deutschland besitzt eine hohe Qualität und punktet mit weiteren Vorteilen wie einem unschlagbar günstigen Preis. "Damit vermeiden Sie jegliche Verpackungen und Sie müssen keine schweren Kisten schleppen", sagt Matthias Zeuner-Hanning von der Verbraucherzentrale Bayern.

6. Mit guter Vorbereitung einkaufen

Spontanes Einkaufen, noch dazu mit leerem Magen, wirkt sich auf das Konsumverhalten aus. Schnell landen viel zu viele Lebensmittel im Wagen, die später womöglich verderben und im Müll landen. Zudem fehlt oft die Geduld, Verpackungen zu vergleichen. Selbst ohne Hungergefühl sollte kein Spontaneinkauf erfolgen: Ohne Einkaufsliste wird das ein oder andere Produkt schnell vergessen - was bedeutet, dass am nächsten Tag wieder der Supermarkt angesteuert werden muss. Und oft sind es auch die Stofftaschen oder Gefäße, die Zuhause liegen gelassen wurden.