Gefürchtetes Pferde-Virus breitet sich aus: Der Reitsport in Deutschland stand die letzten Wochen still - und das nicht nur wegen des Coronavirus. Seit Ende Februar breitet sich ein weiteres Virus aus, das die Gesundheit von Pferden angreift. Bei einem internationalen Reitturnier im spanischen Valencia brach das Pferde-Herpes-Virus in der Variation EHV-1 aus. Deutsche Teilnehmer trugen die Krankheit danach in die Bundesrepublik.

Die Infektionskrankheit ängstigt seitdem viele Reiter. Mehrere deutsche Reitsportler haben bereits Tiere an das Virus verloren. Auch in Franken ist die aggressive Krankheit mittlerweile angekommen. "Natürlich versuchen wir, uns und unsere Pferde so gut es geht zu beschützen", berichtet Birgit Wagner von der Reitanlage "Spin'in X Ranch" in Ebern.

"Sehr gefährlicher Virustyp": Pferde-Herpes auf dem Vormarsch

Am Hof in Ebern gibt es aktuell keinen Pferde-Herpes-Fall. Seit zehn Jahren betreiben Wagner und ihr Mann die Anlage. Über 40 Pferde leben dort aktuell. Wagner selbst ist auch Richterin bei Turnieren. Sie hat daher viel gesehen. "Dieser Virustyp ist sehr gefährlich", sagt sie. Eine Impfung ist zwar möglich, kann aber nicht jede Infektion verhindern. "Aktuell muss man vor allem eins: Aufpassen", so Wagner. "Das ist der erste Schritt zum Schutz." 

Denn obwohl das Virus für den Menschen ungefährlich ist, kann er durchaus als Vektor fungieren. Das heißt: Der Mensch trägt das Virus weiter. "Ich kenne Ställe, da ging kein Pferd ein und aus, nur die Menschen. Und dort ist das Virus ausgebrochen", berichtet Wagner. Auf ihrer Reitanlage ist der Menschenkontakt aktuell stark reduziert. Wenn möglich, sollten Pferdebesitzer keine anderen Ställe besuchen. Auch die Pferde bleiben vor Ort. "Falls es wirklich nicht anders geht und man zu einem anderen Stall muss, dann müssen danach auf jeden Fall frische Klamotten angezogen werden", sagt die Pferde-Expertin. Das ist eine von vielen Hygienemaßnahmen.

Einiges an dem Virus erinnert im Übrigen an Corona. "Es wird auch über Tröpfcheninfektion übertragen", berichtet Wagner. Auch die Symptome sind ähnlich: Fieber, Schwäche, Ausfluss aus der Nase und Husten. Nicht alle Tiere zeigen Symptome, sind aber trotzdem infiziert. "Regelmäßiges Fiebermessen ist empfehlenswert", sagt sie. Nur dann kann man auf Nummer sicher gehen. 

Reitbranche: Corona und Herpes-Virus legen Branche lahm

Natürlich ist die Angst vor dem Virus groß. Birgit Wagner versucht aber, nicht in Panik auszubrechen. "Das hilft aktuell niemandem", sagt sie. "Wir arbeiten hart daran, unsere Pferde weiterhin zu schützen." Das Virus trifft die Reitställe in einer sowieso schon schwierigen Zeit. Durch die Corona-Pandemie ist aktuell kein Reitunterricht möglich, auch viele Turniere werden abgesagt. "Und dann kam auch noch das Herpes-Virus, das ist schon alles sehr viel auf einmal", resümiert Wagner. 

Ein liebestoller Hund streunte in der Nacht auf Ostermontag um ein Haus im Kreis Haßberge. Der Mischling bellte ununterbrochen, so dass die Anwohner nicht schlafen konnten.